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Rafael Nadal

Rafael Nadal

spanischer Tennisspieler
Geburtstag: 3. Juni 1986 Manacor/Mallorca
Klassifikation: Tennis
Nation: Spanien
Erfolge/Funktion: 22-facher Grand-Slam-Sieger
Rekordsieger French Open (14 Erfolge)
Mehr als 200 Wochen Weltranglistenerster
Olympiasieger Einzel 2008 und Doppel 2016
Fünffacher Davis-Cup-Sieger

Internationales Sportarchiv 45/2024 vom 5. November 2024 (br)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 47/2024


Der Spanier Rafael Nadal, der zwischen 2005 und 2022 insgesamt 14-mal die French Open in Paris gewann, gilt als "der beste Sandplatzspieler der Geschichte" (SZ, 12.6.2018). Doch im Gegensatz zu vielen Spezialisten entwickelte sich der Mallorquiner im Laufe seiner Karriere zu einem Spieler, der auf allen Belägen erfolgreich war und alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewann. Mit seinen insgesamt 22 Grand-Slam-Siegen gehört Nadal neben Novak Djoković (24) und Roger Federer (20) zu den drei Spielern, die das Herrentennis für mehr als ein Jahrzehnt dominierten. Ab 2023 hatte der während seiner Laufbahn regelmäßig mit Schmerzen und Blessuren spielende Spanier aber so große Verletzungsprobleme, dass er rund ein Jahr kein offizielles Match mehr absolvierte und in der Weltrangliste weit zurückfiel. Zwar kehrte die jahrelange Nummer eins der Welt nochmals auf die große Bühne zurück, doch an die Form früherer Tage konnte er nicht mehr anknüpfen und im November 2024 beendete beim Davis-Cup-Finalturnier in Málaga seine Karriere.

Laufbahn

Erste Erfolge im Profitennis als Jugendlicher Rafael Nadal Parera stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Ein Bruder seines Vaters, Toni Nadal, trainierte ihn bereits als Vierjährigen auf den Sandplätzen seiner Heimatstadt Manacor. Mit acht Jahren gewann Nadal sein erstes Turnier und wurde Schülermeister der Balearen, drei Jahre später spanischer Schülermeister. In allen Altersklassen sammelte er nationale Jugendmeistertitel, ehe er 2001 ins Profilager wechselte. 2002 schaffte es Nadal beim Juniorenwettbewerb von Wimbledon bis ins Halbfinale, ansonsten machte er vor allem bei Turnieren der Future-Serie auf sich aufmerksam, wo er vier Titel in Folge gewann und in 20 Spielen hintereinander ungeschlagen blieb.

2003 stand Nadal bei vier Challenger-Turnieren im Finale und gewann zwei Titel. Für Aufsehen sorgte er in im April 2003 auf der ATP Tour, als er beim renommierten Sandplatzturnier in Monte Carlo den ehemaligen French-Open-Gewinner Albert Costa in zwei Sätzen schlug und mit gerade einmal 16 Jahren als jüngster Spieler seit Michael Chang 1988 in die Top 100 der Tennisweltrangliste vorstieß. Nur einen Monat später besiegte er am Hamburger Rothenbaum als Qualifikant seinen Landsmann Carlos Moya, zugleich sein Vorbild und Mentor, der sich schon früh des jungen Talents angenommen und es gefördert hatte. Nachdem er die French Open aufgrund einer Verletzung verpasst hatte, gab Nadal im Juni 2003 in Wimbledon sein Grand-Slam-Debüt. Nach nur drei Tagen Rasentraining bezwang er in der ersten Runde Mario Ančić und erreichte die dritte Runde. Bei den nachfolgenden Sandplatzturnieren zeigte er gute Leistungen, so dass sein Mentor Carlos Moya prognostizierte: "Rafael wird die jüngste Nummer eins aller Zeiten" (FAZ, 23.6.2003).

Erster ATP-Titel 2004 Anfang 2004 erreichte Nadal in Auckland erstmals das Finale eines ATP-Turniers (Niederlage gegen Dominik Hrbaty). Bei den Australian Open schaffte er es in Runde drei, ehe er beim Masters Turnier in Miami erstmals gegen seinen späteren Dauerrivalen Roger Federer, damals schon Nummer eins der Welt, spielte und ihn besiegte. Wegen eines Ermüdungsbruchs im Fuß verpasste der Spanier erneut die French Open und auch Wimbledon, doch nach seiner Rückkehr in den Tenniszirkus gewann er im August 2004 im polnischen Sopot seinen ersten ATP-Titel. Höhepunkt des Jahres war für Nadal der Gewinn des Davis Cups als jüngster Spieler aller Zeiten, wobei er im Finale gegen die USA den amerikanischen Top-Ten-Spieler Andy Roddick bezwang.

Erster Sieg bei den French Open 2005Nach der Achtelfinalteilnahme bei den Australian Open im Januar 2005 spielte Rafael Nadal groß auf, gewann die ATP-Turniere in Costa Do Sauipe (Brasilien) und in Acapulco, erreichte auf Hartplatz sein erstes Masters-Finale in Miami (Fünf-Satz-Niederlage gegen Federer) und gewann im Frühjahr auf Sand das Masters-Turnier in Monte Carlo (Viersatzsieg über Titelverteidiger Guillermo Coria), das ATP-Turnier von Barcelona und, in einem 5:14-Stunden-Match, das Turnier von Rom (gegen Guillermo Coria). Seine Siegesserie setzte der als "eines der größten Talente im Welttennis" (Stgt. Z., 1.6.2005) gehandelte Spanier auch bei den French Open in Paris fort. An seinem 19. Geburtstag besiegte er im Halbfinale Branchenprimus Federer, anschließend im Finale, das als eines "der höchstklassigen in der Turniergeschichte" (SZ, 7.6.2005) beschrieben wurde, den ungesetzten Mariano Puerta. Damit war er der erste Spieler seit Mats Wilander 1982, der das wichtigste Sandplatzturnier des Jahres gleich bei seinem Debüt gewinnen konnte.

Nach einer Zweitrundenniederlage in Wimbledon feierte Nadal 2005 noch seine ersten Turniererfolge auf Hartplatz (Montréal) und in der Halle (Madrid). Mit insgesamt elf Turniersiegen in der Saison war er der Einzige, der dem dominierenden Federer annähernd auf Augenhöhe begegnete (vgl. WELT, 2.9.2005), und rückte, auch dank einer Serie von 36 Siegen in Folge auf Sand, in der Weltrangliste bis auf Platz zwei vor. Erstmals qualifizierte er sich für den Masters Cup in Schanghai, musste seine Teilnahme aber wegen einer Fußverletzung absagen.

Beginn eines jahrelangen Duells mit Roger Federer Ab der Saison 2006 prägte das Duell Federer gegen Nadal das Herren-Tennis. Von März bis Juli spielten die beiden fünf Finalbegegnungen, in denen der Spanier in Dubai (Hartplatz), Monte Carlo, Rom und bei den French Open (jeweils auf Sand) siegreich blieb und Federer auf dem Rasen von Wimbledon, wo Nadal überraschend das Endspiel erreicht hatte. Auf Sand überbot der 19-jährige Nadal mit 54 Siegen in Folge den Rekord von Guillermo Vilas aus dem Jahr 1977. In der zweiten Jahreshälfte 2006 aber gelang ihm nicht mehr viel Zählbares. Immerhin erreichte er bei den US Open das Viertelfinale sowie das Halbfinale beim Masters in Schanghai.

Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Australian Open 2007 gewann Nadal das Masters-Turnier in Indian Wells und erreichte das Finale von Hamburg, in dem er allerdings Roger Federer unterlag und seine erste Niederlage auf Sand nach 81 Erfolgen in Serie einstecken musste. Bei den French Open gelang ihm im Finale die Revanche gegen den Schweizer und damit der erste "Titel-Hattrick" in Paris seit Björn Borg zu Beginn der 1980er Jahre. In Wimbledon erreichte Nadal zum zweiten Mal das Finale, unterlag Federer dort aber knapp in fünf Sätzen. Bei den US Open scheiterte er im Achtelfinale.

Wimbledon-Sieg, olympisches Gold und Weltranglistenführung 2008In der Tennissaison 2008 erreichte Nadal bei den Australian Open erstmals das Halbfinale (Niederlage gegen Jo-Wilfried Tsonga) und zeigte auch bei anderen Hartplatzturnieren der ATP-Tour gute Ergebnisse. Noch besser war er aber weiterhin auf Sand, wo er in Monte Carlo im Einzel und im Doppel (mit Tommy Robredo) erfolgreich war und anschließend auch die French Open (Drei-Satz-Finalerfolg über Federer) gewann. Im Londoner Queen's Club feierte er kurz darauf durch einen Finalerfolg über den Serben Novak Djoković seinen ersten Turniersieg auf Rasen und erreichte zum dritten Mal in Folge das Finale von Wimbledon. Dort setzte er sich in einem legendären Fünfsatzmatch von vier Stunden und 48 Minuten Dauer – dem bis dahin längsten Wimbledonfinale aller Zeiten – mit 9:7 im fünften Satz gegen Federer durch und gewann sein erstes Grand-Slam-Turnier abseits eines Sandplatzes. Augenzeuge John McEnroe bezeichnete das mitreißende Duell der beiden führenden Spieler der Welt als das beste Tennismatch, das er je in seinem Leben gesehen habe (vgl. FAZ, 8.7.2008).

Wenige Wochen nach Wimbledon übernahm Rafael Nadal im August 2008 die Führung der Weltrangliste von Roger Federer, der diese seit Februar 2004 ununterbrochen innegehabt hatte, und wurde bei den Olympischen Spielen in Peking Olympiasieger im Einzel, als er im Endspiel den Chilenen Fernando Gonzalez besiegte. Im Anschluss konnte er als Halbfinalteilnehmer sein bis dahin bestes Ergebnis bei den US Open verbuchen, musste dann aber bald darauf die Saison wegen einer Verletzung beenden.

Sieg bei den Australian Open 2009Anfang 2009 fügte Rafael Nadal seiner Trophäensammlung den Titel bei den Australian Open durch einen Finalsieg gegen Federer hinzu. Im April feierte er seinen fünften Triumph in Folge in Monte Carlo, schied dann aber bei den French Open bereits im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling, Nummer 25 der Welt, in vier Sätzen aus. Schon seit Monaten hatte sich der Spanier mit Knieschmerzen aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung über die Courts geplagt, nun entschied er sich, die Verletzung auszukurieren und eine Wettkampfpause einzulegen. "Als Sportler spielt man oft mit Schmerzen und weiß nicht, wo die Grenzen liegen. Ich habe sie erreicht" (SZ, 22.6.2009), so Nadal, der während der Auszeit die Führung in der Weltrangliste nach rund elf Monaten an Wimbledonsieger Federer verlor. Nach seiner Rückkehr erreichte er das Halbfinale der US Open (Niederlage gegen den späteren Sieger Juan Martin del Potro). Bei den ATP World Tour Finals in London verlor Nadal alle drei Vorrundenmatches ohne Satzgewinn. Für ein versöhnliches Ende eines glücklosen Tennisjahres sorgte dann aber im Dezember 2009 der spanische 5:0-Triumph im Davis-Cup-Finale von Barcelona über Tschechien.

Karriere-Slam 2010 Bei den Australien Open 2010 musste Titelverteidiger Nadal verletzungsbedingt (Schmerzen im Knie) im Viertelfinalmatch gegen den Schotten Andy Murray aufgeben. Angesichts seiner körperlichen Schwächen fragte etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (27.1.2010) anschließend: "War es das? Werden wir ihn noch einmal auf dem Tennisplatz erleben?" Doch Nadal kehrte im Frühjahr eindrucksvoll auf die Tennisbühne zurück und gewann im weiteren Jahresverlauf 62 seiner 70 Partien. So holte er sich in Monte Carlo seinen sechsten Erfolg in Serie, gewann die Titel in Rom und Madrid und zum fünften Mal die French Open - diesmal sogar ohne Satzverlust. Nach dem Finalsieg gegen Söderling übernahm er auch wieder Position eins der Weltrangliste.

Kurz darauf, im Juli 2010, holte sich Nadal durch einen Finalerfolg gegen Tomas Berdych seinen zweiten Wimbledon-Titel und stand im September erstmals im Endspiel der US Open, in dem er Novak Djoković in vier Sätzen bezwang, womit er seinen dritten Grand-Slam-Turniersieg in Folge einfuhr und seinen Karriere-Slam mit Siegen bei allen vier großen Turnieren des Saisonkalenders vervollständigte. "Der Spanier spielt in einer eigenen Liga", stellte die Neue Zürcher Zeitung (15.9.2010) angesichts der Leistungen von Nadal fest. Dieser verlor am Saisonende allerdings das Endspiel des ATP-Tour-Finales gegen Roger Federer.

Auf dem Weg zum vierten Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier hintereinander – als erster Spieler seit Rod Laver im Jahre 1969 – wurde Rafael Nadal bei den Australian Open 2011 wieder einmal von einer Verletzung gestoppt. Gehandicapt durch eine Oberschenkelzerrung verlor er im Viertelfinale gegen David Ferrer in drei Sätzen. Nach einem Turniersieg in Barcelona gewann Nadal Anfang Juni 2011 zum sechsten Mal die French Open und stellte den Rekord von Björn Borg ein. Im Finale von Wimbledon unterlag er Novak Djoković und verlor auch seine Führung in der Weltrangliste an den Serben, der ihn im Finale der US Open erneut bezwang. Nach einigen eher enttäuschenden Turnieren im Herbst führte Nadal am Ende des Jahres das spanische Team im Davis-Cup-Finale mit zwei Einzelsiegen zum Sieg gegen Argentinien.

Rekordsieger der French Open ab 2012 Anfang 2012 verlor Nadal das Finale der Australian Open gegen Djoković, mit dem er sich im fast sechs Stunden dauernden Match (das längste der Turniergeschichte) einen epischen Schlagabtausch lieferte. In Monte Carlo aber konnte er den inzwischen beinahe zum Angstgegner mutierten Serben klar besiegen. Nach weiteren Turniersiegen in Barcelona und Rom traf Nadal auch im Endspiel der French Open auf Djoković, ließ ihm dort keine Chance und wurde durch seinen siebten Titel alleiniger Rekordsieger des Turniers. In Wimbledon schied Nadal bereits in der zweiten Runde aus, anschließend laborierte er an einer komplizierten Knieverletzung, die ihn auch zum Verzicht auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London zwang, bei denen er eigentlich als Fahnenträger Spaniens bei der Eröffnungsfeier eingeplant war.

Rückkehr auf Rang eins der Weltrangliste 2013 Nach rund siebenmonatiger Verletzungspause kehrte Nadal erst im Februar 2013 auf die ATP-Tour zurück, eilte dann aber in den nächsten Monaten von Erfolg zu Erfolg. Er gewann mehrere Turniere, darunter auch zum dritten Mal in Indian Wells, wo er nicht nur seinen 600. Sieg auf der Tour feiern konnte, sondern mit seinem 22. Turniersieg bei einem Masters-Turnier zum alleinigen Rekordhalter avancierte. In der Sandplatzsaison allerdings verlor er das Finale von Monte Carlo nach acht Turniersiegen in Folge erstmals gegen Djoković. Standesgemäß sicherte er sich dann bei den French Open durch einen Finalerfolg über David Ferrer seinen achten Titel. "Wenn die spanischen Kinder in 100 Jahren in der Schule die großen Persönlichkeiten der Geschichte ihres Landes durchnehmen, werden sie neben Saavedra, Velázquez und Hernán Cortés auch Rafael Nadal behandeln", schwärmte daraufhin die Zeitung El Mundo (zit. in: Stgt. Z., 11.6.2013).

Nach einer Erstrundenniederlage in Wimbledon gegen den ungesetzten Belgier Steve Darcis gewann Nadal die Topturniere von Montreal und Cincinnati, wo er nach Meinung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (20.8.2013) "die Tennisszene in fast schon beängstigender Art und Weise" dominierte. Seinen Siegeszug setzte er auch bei den US Open fort, wo er sich den Titel durch einen Finalsieg über Djoković holte. Beim erneuten Aufeinandertreffen der beiden Anfang Oktober im Endspiel von Peking verlor Nadal und kassierte die erste Hartplatzniederlage der Saison. Dennoch löste er den Serben an der Weltspitze ab und übernahm zum dritten Mal nach 2008 und 2010 die Führung in der ATP-Rangliste. "Nadal - besser denn je", schwärmte die Neue Zürcher Zeitung (7.10.2013). Nachdem er das Endspiel der ATP World Tour Finals gegen Djoković verloren hatte, schloss Nadal das Jahr 2013 mit zehn Turniertiteln nicht nur als Weltranglistenerster ab, sondern wurde auch als Comeback-Spieler des Jahres und als ATP-Spieler des Jahres ausgezeichnet. Der Spanier habe 2013 "in seiner eigenen Tennisliga gespielt", schwärmte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (8.11.2013).

In die Saison 2014 startete Nadal mit einem Turniersieg in Doha und dem Finaleinzug bei den Australian Open (Niederlage gegen Stan Wawrinka). Bei den Sandplatzturnieren in Monte Carlo und Barcelona schied er überraschend früh jeweils schon im Viertelfinale aus, zeigte dann aber in Madrid (Sieg im Finale nach verletzungsbedingter Aufgabe von Kei Nishikori) und Rom (Finalniederlage gegen Djoković) seine Stärken auf seinem Lieblingsbelag. Im Finale der French Open setzte sich Nadal gegen Djoković durch und feierte seinen neunten Triumph innerhalb von zehn Jahren im Stade Roland Garros. Im Juli verlor er die Führung der Weltrangliste an den Serben, nachdem er in Wimbledon im Achtelfinale an der damaligen Nummer 144 der Welt, Nick Kyrgios, gescheitert war.

Krisenjahr 2015Nach Wimbledon 2014 konnte Nadal wegen einer Handgelenksverletzung wochenlang kein Match bestreiten, verpasste die US-Hartplatzsaison inklusive der US Open und blieb in den letzten Events des Jahres titellos. Aufgrund einer Blinddarmentzündung samt Operation fanden auch die ATP-Tour-Finals ohne ihn statt und er beendete das Jahr als Nummer drei der Welt. 2015 sollte sich die Krise Nadals noch verschärfen. Bei den Australian Open scheiterte er im Viertelfinale glatt in drei Sätzen am Tschechen Tomas Berdych. Zwar feierte er im Februar in Buenos Aires seinen 46. Turniererfolg auf Sand, womit er den jahrzehntealten Rekord des Argentiniers Guillermo Vilas einstellte, doch anschließend konnte er im Vorfeld der French Open kein Sandturnier gewinnen. Nur an Nummer sechs gesetzt, traf Nadal in Roland Garros schließlich schon im Viertelfinale auf Djoković und verlor glatt in drei Sätzen.

Nach einem Turniersieg in Stuttgart auf Rasen wurde Nadal im Vorfeld von Wimbledon zum erweiterten Favoritenkreis gezählt, doch im legendären All England Tennis Club unterlag er Dustin Brown in der zweiten Runde und schockte die Tenniswelt ob seiner schwachen Leistung, vor allem im mentalen Bereich. "Die Psyche war immer Nadals Stärke, nun ist sie zu seiner Schwäche geworden", schrieb die Süddeutsche Zeitung (15.4.2015) über den Spanier, der seine Verunsicherung selbst einräumte und erklärte: "In diesem Jahr habe ich mir in vielen Matches mehr Sorgen um mich gemacht, als ich meinen Gegnern Sorgen bereitet hätte" (Schwäb. Z., 20.11.2015). Achtungserfolge feierte er mit dem Turniersieg in Hamburg im August und Finalteilnahmen in Peking und Basel im Oktober. Beim World Tour Final der ATP am Ende des Jahres gewann er alle drei Vorrundenmatches und musste sich erst im Finale Djoković geschlagen geben.

Olympiasieger im Doppel 2016Nach einer Finalniederlage in Doha zum Auftakt des Tennisjahres 2016 unterlag Nadal bei den Australian Open seinem Landsmann Fernando Verdasco bereits in der ersten Runde nach fünf Sätzen. Seinen ersten Turniersieg 2016 feierte er im April auf Sand in Monte Carlo (Finalsieg gegen Gaël Monfils), kurz darauf sicherte er gegen Kei Nishikori auch den Titel in Barcelona. Es sollten Nadals einzige Turniersiege des Jahres werden. Wegen einer Handgelenksverletzung konnte er bei den French Open nicht zu seinem Drittrundenmatch antreten und verpasste Wimbledon. Bei den US Open schied er in einem dramatischen Fünfsatzmatch gegen Lucas Pouille (Frankreich) bereits im Achtelfinale aus und erlebte damit erstmals seit zwölf Jahren eine Saison, in der er in keinem Grand-Slam-Turnier ein Viertelfinale erreichen konnte.

Highlight des Jahres 2016 waren für Nadal die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, bei denen er bei der Eröffnungsfeier die spanische Fahne ins Olympiastadion tragen durfte. Während er im Einzel nach seiner Halbfinalniederlage gegen Juan Martin del Potro eine Medaille verpasste, gewann er im Doppelwettbewerb Gold an der Seite von Marc López. Wegen anhaltender Blessuren beendete Nadal die Saison 2016 nach seiner Auftaktniederlage im Oktober 2016 beim ATP-Masters-Turnier in Schanghai vorzeitig.

Zehnter Titel bei den French Open 2017Zum Jahreswechsel 2016/2017 nur noch auf Rang neun der Weltrangliste notiert, meldete sich Nadal Anfang 2017 eindrucksvoll auf der großen Tennisbühne zurück. Bei den Australian Open drang er erstmals seit den French Open 2014 wieder in ein Grand-Slam-Finale vor und lieferte sich dort ein packendes Fünfsatzduell mit Roger Federer, verlor dieses aber knapp. Diese Begegnung stehe "für die Renaissance zweier strauchelnder Helden, die geplagt von Verletzungen und Misserfolgen den Anschluss nach ganz oben verloren hatten, sich nun aber wieder ihr gewohntes Terrain zurückerobern", schrieb das tennis magazin (April 2017).

Ende März 2017 bestritt Nadal in Miami sein 1.000. Match auf der ATP-Tour. Nachdem er das Finale dort gegen Federer verloren hatte, dominierte er auf Sand fast wie in alten Zeiten, gewann in Monte Carlo (zum bereits zehnten Mal), Barcelona und Madrid und wurde seiner Favoritenrolle auch bei den French Open gerecht, als er im Finale Stan Wawrinka keine Chance ließ und zum zweiten Mal nach 2010 während des Turniers ohne Satzverlust blieb. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (13.6.2017) hielt nach seinem zehnten French-Open-Erfolg fest, der Sieg sei "die Bestätigung einer alten Gewissheit - dass die Namen Rafael Nadal und Roland Garros für immer zusammengehören".

Erneut Nummer eins der Weltrangliste 2017 In Wimbledon 2017 schied Nadal nach einer Fünfsatzniederlage gegen den Luxemburger Gilles Muller bereits im Achtelfinale aus, ehe er als überlegener Finalsieger über den Südafrikaner Kevin Anderson zum dritten Mal bei den US Open triumphierte. Danach war Nadal, der bereits im August wieder die Führung der Weltrangliste übernommen hatte, bei der Premiere des Laver Cup in Prag dabei und gewann mit dem Team Europa (unter anderem mit dem Doppel Nadal/Federer) gegen eine Weltauswahl mit 15:9. Im Oktober 2017 holte er in Peking seinen sechsten Saison-Titel und feierte seinen insgesamt 75. Turniersieg auf der Tour. Bei den ATP-Finals am Ende des Jahres musste er wegen Knieproblemen nach seinem ersten Match zurückziehen.

Mit zwei Grand-Slam-Trophäen, vier weiteren Turniersiegen und der Rückkehr auf Weltranglistenplatz eins war die Saison 2017 für Nadal ein großer Erfolg, den ihm viele nicht mehr zugetraut hatten. "Sensible Knie, lädiertes Handgelenk, angekratztes Selbstvertrauen - waren das nicht mindestens zwei Baustellen zu viel, um noch mal auf dem Gipfel zu landen?", fragte das tennis magazin (Sept. 2017) zur Renaissance des Spaniers, der an anderer Stelle erklärte, er sei zwar keine 25 mehr, habe aber "immer noch die Leidenschaft und die Liebe zu diesem Spiel" (FAZ, 12.9.2017). Weiter erklärte er: "Ich suche noch nach der Herausforderung, ich bin jedes Mal nervös, wenn ich auf den Platz gehe, und solange das so bleibt, werde ich dabei sein" (ebd.).

Trainerwechsel und elfter French-Open-Sieg 2018 Zum Jahresende 2017 beendete Toni Nadal wie angekündigt seine langjährige Tätigkeit als Trainer seines Neffen Rafael, um sich ganz der Arbeit in der ein Jahr zuvor eröffneten Tennis- und Sportakademie des Superstars auf Mallorca zu widmen. Neuer hauptverantwortlicher Coach war nun der mallorquinische Ex-Champion Carlos Moya, der schon 2016 in den Betreuer- und Trainerstab seines Landsmanns gerückt war. Bei den Australian Open hatte Nadal mit Muskelschmerzen im Oberschenkel zu kämpfen und musste das Viertelfinale gegen den Kroaten Marin Čilić im fünften Satz aufgeben. Es folgten mehrere Turnierabsagen, ehe er sich im April mit Turniersiegen in Monte Carlo und Barcelona auf der ATP-Tour zurückmeldete. Nach einem weiteren Turniersieg in Rom dominierte Nadal einmal mehr auch die French Open 2018, verlor nur einen Satz und sicherte durch einen Finalsieg gegen Dominic Thiem seinen elften Titel in Paris. Damit schraubte er seine Matchbilanz bei seinem Lieblingsturnier (vgl. SZ, 12.6.2018) auf 86 Siege bei zwei Niederlagen und knackte als dritter Profi nach Djoković und Federer auch die 100-Mio.-Dollar-Marke in Sachen Preisgeld.

Im weiteren Saisonverlauf 2018 stand Nadal im Halbfinale von Wimbledon (Fünfsatzniederlage gegen Djoković), ehe er beim Rogers Cup in Toronto den 80. Turniertitel seiner Karriere gewann. Bei den US Open musste er im Halbfinale gegen Juan Martin del Potro nach zwei verlorenen Sätzen verletzungsbedingt aufgeben und stand bis zum Jahresende bei keinem weiteren Turnier mehr auf dem Platz.

Zwei Grand-Slam-Siege und Triumph im Davis Cup 2019 Bei den Australien Open 2019 stieß Rafael Nadal ohne Satzverlust ins Endspiel vor, unterlag dort in einem unerwartet einseitigen Match aber Novak Djoković - erstmals in einem Grand-Slam-Finale in nur drei Sätzen. Im Frühjahr wurde er von einer neuerlichen Knieverletzung ausgebremst und meinte im Vorfeld der Sandplatzsaison: "Die letzten eineinhalb Jahre waren nicht einfach für mich. Ich konnte kaum länger als drei Wochen beschwerdefrei spielen. Ich weiß nicht genau, wo ich heute stehe" (NZZ, 17.4.2019). Dann aber zeigte er einmal mehr seine Dominanz auf Sand, beendete Mitte Mai mit einem Erfolg über Djoković im Finale von Rom seine längste sieglose Serie seit 2004 und stellte zudem durch seinen 20. Sieg gegen einen Weltranglistenersten einen neuen Rekord auf.

Im Juni 2019 gewann Nadal gegen Dominic Thiem seinen zwölften French-Open-Titel. In Wimbledon verpasste er den Einzug ins Endspiel durch eine Viersatzniederlage im Halbfinale gegen Federer. Dafür gewann er im September die US Open, als er im Endspiel Daniil Medwedew in fünf Sätzen niederrang und mit nun 19 Grand-Slam-Titeln nur noch einen Sieg hinter Roger Federer lag. "Es war eines der emotionalsten, schwersten Matches meines Lebens. Und einer der größten Siege, das wird unvergesslich bleiben" (Stgt. N., 10.9.2019), bekannte Nadal, der noch die Teamwettbewerbe Laver Cup und den erstmals in neuem Modus ausgetragenen Davis Cup gewann. Schließlich beendete er die Tennis-Saison 2019 zum fünften Mal als Nummer eins der Weltrangliste, und das im Alter von 33 Jahren als bis dahin ältester Spieler aller Zeiten. Zum Abschluss des Jahres bekannte er in einem Interview, im Frühjahr 2019 nach seiner neuerlichen Verletzung ernsthaft über ein Karriereende nachgedacht zu haben (vgl. tennisworldusa.org, 2.1.2020).

20. Grand-Slam-Titel und 1.000 Sieg auf der ATP-Tour 2020 Mitte Januar 2020 unterlag Spanien mit Rafael Nadal im Finale der Erstauflage des ATP-Cups gegen das serbische Team um Novak Djoković. Bei den Australian Open schied Nadal im Viertelfinale aus. Wenig später gewann er in Acapulco noch ein ATP-Turnier, ehe die Tennis-Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie für längere Zeit unterbrochen wurde. Nach der Absage des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon und der Verschiebung der French Open verzichtete Nadal auf die Teilnahme an den US Open Ende August 2020. Bei den auf Ende September/Anfang Oktober 2020 verlegten French Open in Paris stand er dann wieder auf dem Platz und gewann das Finale gegen Djoković überraschend deutlich (6:0, 6:2, 7:5). Der Finaltriumph stellte seinen 100. Sieg im 102. Match mit einer Satzquote von 299:7 bei den French Open dar. Zudem zog Nadal mit nun 20. Grand-Slam-Titeln mit Rekordhalter Federer gleich. Anfang November 2020 feierte Nadal beim ATP-Masters in Paris mit dem Zweitrundenerfolg gegen Feliciano López seinen 1.000. Sieg auf der ATP-Tour und war nach Jimmy Connors, Roger Federer und Ivan Lendl erst der vierte Spieler, der diese magische Marke durchbrechen konnte. Bei den ATP World Tour Finals in London schied Nadal im Halbfinale aus.

Bei den Australian Open 2021 schied Nadal bereits im Viertelfinale aus, wobei er erst zum dritten Mal in seiner Laufbahn einen 2:0-Satzvorsprung noch aus der Hand gab und gegen Stefanos Tsitsipas in fünf Sätzen verlor. Revanche nahm Nadal Ende April beim Turnier in Barcelona, als er Tsitsipas im Finale eines engen Matchs in drei Sätzen besiegte. Anschließend feierte er in Rom durch einen Finalerfolg über Djoković seinen zehnten Sieg bei dem Turnier und ging in Roland Garros als Topfavorit an den Start, unterlag aber im Halbfinale dem späteren Sieger Djoković. Auf Wimbledon und auch auf die Olympischen Spiele in Tokio verzichtete der Spanier, um seinem Körper eine längere Ruhepause zu gönnen. Nach einem missglückten Comebackversuch im August beendete Nadal die Saison vorzeitig; insbesondere sein linker Fuß bereitete ihm weiterhin große Probleme. Im Oktober des Jahres strahlte der ansonsten so kämpferische Nadal nicht gerade Zuversicht aus und sagte der SPORT BILD, er wisse nicht, ob er jemals wieder sein Toplevel erreichen werde (vgl. SPORT BILD, 2.2.2022). Während der langen Verletzungspause fiel Nadal in der Weltrangliste auf Position sechs zurück.

Zwei Grand-Slam-Titel 2022 Anfang 2022 meldete sich Rafael Nadal mit einem ATP-Turniersieg in Melbourne in der Tenniswelt zurück. Anschließend holte er im Endspiel der Australian Open einen 0:2-Satzrückstand gegen Daniil Medwedew auf und avancierte mit nun 21 Grand-Slam-Siegen zum alleinigen Rekordhalter vor Djoković und Federer (zu diesem Zeitpunkt je 20 Titel). "Ein Kraftakt für die Sportgeschichtsbücher", schrieb die Süddeutsche Zeitung (31.1.2022) nach dem historischen Erfolg und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (1.2.2022) hob die mentale Stärke Nadals hervor, indem sie schrieb: "Rafael Nadal zeigt bei den Australian Open, was ihn als Champion auszeichnet: Wie auch immer es dem Körper geht – sein Geist ist unbezwingbar."

Im Anschluss gewann Nadal das Turnier in Acapulco und erreichte das Finale des ATP Masters von Indian Wells, in dem ihm der US-Amerikaner Taylor Fritz die erste Niederlage des Kalenderjahres 2022 zufügte. Danach legte er wegen einer Stressfraktur an der Rippe eine Pause ein, ehe er bei den Sandplatzturnieren von Madrid und Rom früh ausschied. Bei den French Open konnte Nadal, der seit seiner Kindheit an der degenerativen Knochenkrankheit Müller-Weiß-Syndrom leidet, nur aufgrund der Einnahme von Schmerzmitteln und Spritzen spielen, welche die Nerven im schmerzenden linken Fuß blockierten. Dennoch erreichte er - auch aufgrund der verletzungsbedingten Aufgabe von Alexander Zverev im Halbfinale - das Endspiel, in dem er den Norweger Casper Ruud klar in drei Sätzen bezwang und seinen 14. Titel bei den French Open holte.

Beim Wimbledon-Turnier 2022 zog Nadal nach einem Fünfsatzsieg gegen Taylor Fritz ins Halbfinale ein, musste das Match gegen Nick Kyrgios dann allerdings absagen, nachdem er sich im Verlauf des Turniers einen Bauchmuskelriss zugezogen hatte. "Ich bin es zwar gewohnt, mit Schmerzen zu spielen, aber diesmal war es unmöglich" (FAZ, 9.7.2022), so Nadal, der bei den US Open bereits im Achtelfinale scheiterte. Wenig später stand Nadal im Rahmen des Laver Cups in London im Doppel gemeinsam mit seinem langjährigen Konkurrenten und Freund Roger Federer auf dem Court. Es war die letzte Partie des Schweizers, der im Anschluss seine Karriere beendete. Das Bild der gemeinsam zu Tränen gerührten Superstars, die das Tennis über zwei Jahrzehnte hinweg geprägt hatten, ging um die Welt. Wegen der Geburt seines ersten Kindes legte Nadal anschließend eine Turnierpause ein. Nachdem er bei den ATP Finals im November in Turin bereits in der Gruppenphase gescheitert war, beendete er das Jahr auf Rang zwei der Weltrangliste hinter seinem 17 Jahre jüngeren Landsmann Carlos Alcaraz.

Lange Verletzungspausen und Abstieg in der Weltrangliste Bei den Australian Open 2023 schied Titelverteidiger Nadal - von einer Verletzung gehandicapt - schon in der zweiten Runde gegen den US-Amerikaner Mackenzie McDonald aus. Unterdessen gewann Novak Djoković das Turnier und zog mit seinem 22. Grand-Slam-Erfolg mit Nadal gleich. Im März 2023 zählte der Spanier erstmals seit rund 18 Jahren nicht mehr zu den Top Ten der Weltrangliste. Nadal hatte seit dem 25. April 2005 immer unter den besten zehn gestanden, so lange wie kein anderer Tennisprofi. Weil seine Muskelverletzung am Hüftbeuger ihn weiter behinderte und er seit den Australian Open nur in minimalem Umfang trainieren konnte, sagte Nadal die Teilnahme an den French Open 2023 erstmals seit 19 Jahren ab. Außerdem erklärte der Spanier, dass er seine Karriere voraussichtlich 2024 beenden wolle. Anfang Juni unterzog er sich einer Hüft-Arthropskopie.

Im Januar 2024 gab Rafael Nadal beim ATP 250-Turnier in Brisbane (Australien) sein Comeback und absolvierte sein erstes Spiel seit den Australian Open im Januar 2023. Allerdings zog er sich eine Muskelverletzung in der Lendengegend zu und sagte deshalb seine Teilnahme an den Australian Open 2024 ab. Bei den Turnieren von Barcelona, Madrid und Rom im Frühjahr schied er jeweils früh aus, konnte aber emotionale Abschiede von wichtigen Orten seiner Karriere feiern. Schließlich nahm er zum letzten Mal an den French Open teil, die er wie kein anderer Spieler geprägt hatte. Der "König von Paris" (taz, 25.5.2024), inzwischen nur noch die Nummer 276 der Welt, unterlag in seinem Auftaktspiel gegen den an Nummer vier gesetzten Alexander Zverev in drei Sätzen und sagte zum Abschied: "Sollte es das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier gespielt habe, bin ich mit mir im Reinen" (FAZ, 29.5.2024).

Karriereende 2024 Um sich voll auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris konzentrieren zu können, verzichtete Nadal auf die Teilnahme am Turnier von Wimbledon. Kurz vor Olympia zog er beim ATP250-Turnier in Bastad nochmals in ein Finale ein, unterlag dort aber dem Portugiesen Nuno Borges klar in zwei Sätzen. Bei der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in der französischen Hauptstadt zählte er zu den Trägern der olympischen Fackel, ehe er in der zweiten Runde des Turniers auf Novak Djokovic traf, der Nadal bei den French Open 2023 als alleiniger Rekordsieger bei Grand-Slam-Turnieren überholt hatte. Bei der klaren Niederlage (1:6, 4:6) gegen den späteren Olympiasieger aus Serbien hatte Nadal keine Chance und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (30.7.2024) schrieb nach dem Match: "Mitunter sah Nadal (…) bedürftig aus wie ein Bettelmann." 

Nach dem Olympischen Spielen legte Nadal erneut eine Pause ein und kündigte Mitte Oktober 2024 sein Karriereende an. Sein letztes Spiel bestritt er zum Auftakt der Finalrunde des Davis Cup Mitte November im spanischen Málaga, wo er sein Einzel gegen Botic van de Zandschulp verlor und mit Spanien bereits im Viertelfinale scheiterte, weshalb die Medien auch von einem eigentlich unwürdigen Abschluss für einen der größten Tennisspieler der Geschichte sprachen (vgl. faz.net, 20.11.2024). Zu seinem Abschied würdigten Experten, Medien und ehemalige Konkurrenten Nadal, seine Leistungen und seine Verdienste um den Tennissport. "Du hast mich inspiriert, besser zu sein, härter zu spielen, zu kämpfen, nie aufzugeben und mehr zu gewinnen", schrieb etwa die langjährige Weltranglisten-Erste Serena Williams (vgl. faz.net, 20.11.2024) und sein langjähriger Konkurrent und Freund Roger Federer verabschiedete ihn mit einem öffentlichen Brief, in dem er auf die gemeinsamen Duelle zurückblickte und festhielt: "Du hast die ganze Tenniswelt stolz gemacht" (vgl. eurosport.de, 19.11.2024). Die französische Sportzeitung L'Équipe hielt fest: "Neben den schwindelerregenden Zahlen und den 22 Grand Slams, die er gewonnen hat, hat der Spanier seine Legende durch Härte und extremen Glauben an sich selbst über mehr als 20 Jahre aufgebaut, um heute ein Zeichen und eine Leere zu hinterlassen" (vgl. eurosport.de, 20.11.2024).

Spielweise Der 1,85 m große Nadal hielt den Schläger während seiner Karriere in der linken Hand, obwohl er eigentlich Rechtshänder ist. Die Rückhand spielte er beidseitig. Lange hieß es, sein Onkel und Trainer Toni Nadal habe ihn gelehrt, mit links zu spielen, um seinem Neffen einen Vorteil gegen die an Rechtshänder gewöhnten Gegner zu verschaffen, doch Toni räumte diesen Mythos 2020 aus der Welt und erklärte, sein Schützling habe lange beidhändig gespielt und bei der Umstellung auf eine Hand mit ca. zehn Jahren von sich aus die linke benutzt (vgl. tennisworldde.com, 22.6.2020). Nachdem Onkel Toni seinen Neffen jahrelang betreut hatte, übernahm 2017 Ex-Profi Carlos Moya das Coaching des Superstars. Zum Team gehörte auch der frühere Tennisprofi Carlos Costa als Manager.

Rafael Nadal beherrschte lange Grundlinienduelle, die er mit seiner kräftigen Vorhand und aufwandreichem Laufspiel zu entscheiden versuchte. Vor allem ein starker Topspin und extreme Winkel zeichneten sein Spiel aus. Seinen verhältnismäßig langsamen Aufschlag glich er durch platzierte Services aus. Er agierte kraftvoll, athletisch und laufstark und erreichte über seine Schnelligkeit auch unerreichbar scheinende Bälle. Neben einer überragenden Physis und Athletik wurden immer wieder Nadals mentale Stärke, sein Selbstbewusstsein und seine Ruhe in engen Situationen hervorgehoben. Vielleicht sei er "der seelisch am besten ausgestattete Spieler der Tour", notierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (28.5.2006) im Jahr 2006. Später aber hatte Nadal auch mit Zweifeln und mangelndem Selbstvertrauen zu kämpfen, wie er besonders während seines eher durchwachsenen Jahres 2015 einräumte.

Von Verletzungen geplagt "Der Mallorquiner ist fraglos einer der besten Spieler in der Geschichte des Tennis", schrieb die Neue Zürcher Zeitung (20.10.2014) schon 2014 über Nadal, fügte aber hinzu: "Nadal ist nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der am häufigsten verletzten Spieler auf der Männer-Tour. Seine Krankenakte ist fast so umfangreich wie seine Titelsammlung" (ebd.). Ein Grund für die körperlichen Probleme Nadals war seine kraftraubende Spielweise. So stellte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (15.11.2017) fest: "Auf Sandplätzen sind die Belastungen noch einigermaßen zu verkraften, Hartplätze sind jedoch Gift für Nadals Knie." Tatsächlich wies Nadal, ausgebildet auf Sand, zu Beginn seiner Karriere eine regelrechte Abneigung gegen Hartplätze auf. Doch er habe sich "mit viel Trainingsfleiß und taktischem Geschick vom Sandplatzkönig zum Allrounder entwickelt", befand die Schwäbische Zeitung (15.9.2010) schon 2010. Im Jahr 2018 hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (28.5.2018), Nadal habe sein Spiel mit zunehmendem Alter nochmals weiterentwickelt. "Er verlässt sich nicht mehr nur auf seine schnellen Beine und seine harten und präzisen Grundlinienschläge, die er in extremen Winkeln den Gegnern um die Ohren haut. Nadal wählt immer häufiger den Weg ans Netz und streut auch Stoppbälle ein. Zudem ist sein Aufschlag variantenreicher geworden", so das Blatt.

Im Jahr 2020 lüftete der seit seiner Kindheit an der degenerativen Knochenkrankheit Müller-Weiß-Syndrom leidende Spanier ein kleines Geheimnis, als er über seinen körperlichen Zustand sprach und sagte: "Mit neunzehn, nachdem ich gerade meinen ersten Roland-Garros-Sieg errungen hatte, sagte man mir, dass ich wegen einer Deformierung im linken Fuß nicht mehr spielen könne. [...] Die Schmerzen waren so groß, dass ich trainierte, den Ball auf einem Stuhl sitzend in der Mitte des Platzes zu schlagen. Dann erholte ich mich, dank einer Einlage, die die Position des Fußes veränderte, aber meine Knie entzündete" (tennishead.net, 2.11.2020). Das tennismagazin (09/2022) schrieb hinsichtlich der vielen Verletzungen und der Schmerzen, die der Spanier auch durch die während der Matches auszuhalten hatte: "Nadals DNA heißt Kämpfen." Nach dem Aus bei den French Open 2024 beschrieb Nadal seinen Zustand der vergangenen zwei Jahre wie folgt: "Mein Körper war zwei Jahre lang wie ein Dschungel, man wusste nicht, was einen erwartet. Eines Morgens wachte ich auf wie von einer Schlange gebissen. Am anderen Tag war es ein Tiger" (FAZ, 29.5.2024).

Persönliches

Familie: Rafael Nadal wurde in Manacor auf Mallorca geboren und lebt dort auch. 2009 kaufte er sich zudem eine Villa in einem exklusiven Immobilienpark in der Dominikanischen Republik. Die Eltern, der Restaurantbesitzer und Besitzer eines Glasgeschäfts Sebastian sowie Hausfrau Ana Maria, ließen sich 2009 scheiden, was den Familienmenschen Rafael Nadal tief traf. "Das war das Schlimmste für mich" (WELT, 25.11.2009), so der damals 23-Jährige. Er hat eine jüngere Schwester namens Maria Isabel. Sein Onkel Miguel Angel Nadal absolvierte über 60 Länderspiele für die spanische Fußballnationalmannschaft und spielte als Verteidiger beim FC Barcelona und bei Real Mallorca.

Am 19. Oktober 2019 heiratete Nadal auf Mallorca seine langjährige Lebensgefährtin María Francisca Perelló, die er bei seinem ersten French-Open-Sieg 2005 der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Zu den 350 geladenen Gästen gehörten spanische Tennisstars ebenso wie der frühere spanische König Juan Carlos I. Im Oktober 2022 kam das erste Kind, Sohn Rafael jun., zur Welt.

Öffentliches Auftreten: "Rafa" Nadal, der bereits mit 16 Jahren die Schule verließ, sucht in seiner Freizeit Ablenkung beim Fischen oder Golfen. Auf seiner Heimatinsel Mallorca führt er nach eigenen Angaben ein weitestgehend normales und unbehelligtes Leben. "Wenn ich auf Mallorca bin, lebe ich nicht anders als meine Freunde" (FR, 6.7.2010), sagte er dazu einmal. Nadal gilt als bescheidener und bodenständiger Mensch. Zu Beginn seiner Karriere trat er als schüchterner Teenager auf, sprach auf Pressekonferenzen nur Spanisch oder bat einen Dolmetscher um Hilfe. Von besonderem Interesse für die Tenniswelt war stets das kollegiale, freundliche Verhältnis zwischen Nadal und seinem Dauerrivalen Federer, das sich mit zunehmendem Alter der Akteure zu einer Freundschaft entwickelte - wie man bei Federers Abschiedsspiel im September 2022 beobachten konnte, als nicht nur der Schweizer, sondern auch Nadal in Tränen ausbrach.

2007 kam das Buch "Rafael Nadal. Die Geschichte eines Phänomens" auf den Markt, 2011 erschien seine Autobiographie "Rafa. My Story". 2024 wurde ein Kinderbuch der Reihe "Little people, big dreams" veröffentlicht, das sich in kindgerechter Bilderbuchform der Karriere Nadals widmete. Neben seiner hoch dotierten Tätigkeit als Werbebotschafter für seine Heimat Mallorca engagiert sich Nadal auch in sozialen Belangen. So gründete er 2008 die "Rafael Nadal Foundation" – eine Wohltätigkeitsorganisation unter der Leitung seiner Mutter Ana Maria Perera, die sich um soziale Projekte in Spanien und in Entwicklungsländern kümmert.

Zusammen mit seinem langjährigen Manager Carlos Costa gründete er 2013 eine eigene Managementagentur für Sportler. Zudem rief er eine 2016 eröffnete Tennisakademie auf Mallorca ("Rafa Nadal Academy") als Nachwuchsschmiede für junge Tennistalente ins Leben. 2002 bereits gründete er mit der Media-Gruppe die Hotelkette "Zel". Zu Beginn des Jahres 2024 verkündete der Tennisverband Saudi-Arabiens, dass er Nadal als Botschafter engagiert hätte. Geplant war u. a. der Aufbau einer Rafael-Nadal-Tennisakademie in Saudi-Arabien.

Adresse

c/o Rafa Nadal Academy, Ctra. Cales de Mallorca, Km 1,2, 07500 Manacor/Mallorca, Spanien, Tel.: +34 971 845022, E-Mail: info@rafanadalacademy.com, Internet: www.rafanadalacademy.com

Manacor/Mallorca, Spanien, Internet: www.rafaelnadal.com

c/o Fundación Rafa Nadal, E-Mail: info@fundacionrafanadal.org, Internet: www.fundacionrafanadal.org

Karriere in Zahlen

Stand: 20.11.2024

Erfolge:

Grand-Slam-Turniere:

Australian Open French Open Wimbledon US Open
2003 -- -- 3R 2R
2004 3R -- -- 2R
2005 AF S 2R 3R
2006 -- S F VF
2007 VF S F AF
2008 SF S S SF
2009 S AF -- SF
2010 VF S S S
2011 VF S F F
2012 F S 2R --
2013 -- S 1R S
2014 F S AF --
2015 VF VF 2R 3R
2016 1R 3R -- AF
2017 F S AF S
2018 VF S SF SF
2019 F S HF S
2020 VF S -- --
2021: VF HF -- --
2022: S S HF AF
2023: 2R -- -- --
2024: -- 1R -- --

Siege bei ATP-Turnieren (Einzel):

2004: Sopot
2005: Costa do Sauipe (Brasilian Open), Acapulco, Monte Carlo, Barcelona, Rom, Bastad, Stuttgart, Montréal, Peking, Madrid
2006: Dubai, Monte Carlo, Barcelona, Rom
2007: Indian Wells, Monte Carlo, Barcelona, Rom, Stuttgart
2008: Monte Carlo, Barcelona, Hamburg, Queen's Club, Montréal
2009: Indian Wells, Monte Carlo, Barcelona, Rom
2010: Monte Carlo, Rom, Madrid, Tokio
2011: Monte Carlo, Barcelona
2012: Monte Carlo, Barcelona, Rom
2013: São Paulo, Acapulco, Indian Wells, Barcelona, Madrid, Rom, Montreal, Cincinnati
2014: Doha, Rio de Janeiro, Madrid
2015: Buenos Aires, Stuttgart, Hamburg
2016: Monte Carlo, Barcelona
2017: Monte Carlo, Barcelona, Madrid, Peking
2018: Monte Carlo, Barcelona, Rom, Toronto
2019: Rom, Montreal
2020: Acapulco
2021: Barcelona, Rom
2022: Melbourne, Acapulco
2023: --
2024: --

Siege bei ATP-Turnieren (Doppel):

2003: Umag/Kroatien (mit Alex Lopez Moron)
2004: Chennai (mit Tommy Robredo)
2005: Doha (mit Albert Costa)
2008: Monte Carlo (mit Tommy Robredo)
2009: Doha (mit Feliciano Lopez)
2010: Indian Wells (mit Feliciano Lopez)
2011: Doha (mit Feliciano Lopez)
2012: Indian Wells (mit Feliciano Lopez)
2015: Doha (mit Juan Mónaco)
2016: Peking (mit Pablo Carreño Busta)

Sonstiges:

Olympiasieger Einzel 2008
Olympiasieger Doppel 2016 (mit Marc López)
Finalist ATP World Tour Finals 2010, 2013
Weltranglistenerster 2008-2009, 2010-2011, 2013-2014, 2017-2018, 2019-2020 (209 Wochen)

Teamwettbewerbe:

Davis-Cup-Sieger 2004, 2008, 2009, 2011, 2019
Sieger Laver Cup 2017, 2019
Teilnehmer Laver Cup 2022
Finalist ATP-Cup 2020

Weltrangliste Einzel:

2003: 67.  
2004: 46.  
2005: 2.  
2006: 2.  
2007: 2.  
2008: 1.  
2009: 2.  
2010: 1.  
2011: 2.  
2012: 4.  
2013: 1.  
2014: 3.  
2015: 5.  
2016: 9.  
2017: 1.  
2018: 2.  
2019: 1.  
2020: 2.  
2021: 6.  
2022: 2.  
2023: 672.  
2024: 154.  

Preisgeld:

134.946.100 US$

Ehrungen (Auswahl):

Laureus World Sports Award als Sportler des Jahres 2011, 2021
Laureus World Sports Award als Newcomer des Jahres 2006
Laureus World Sports Award für das Comeback des Jahres 2014
ITF World Champion 2008, 2010, 2017, 2019
ITF-Sportler des Jahres 2010, 2017
ATP-Spieler des Jahres 2008, 2010, 2013, 2017, 2019
ATP Newcomer of the Year 2003
ATP Most Improved Player of the Year 2005
ATP-Comeback-Spieler des Jahres 2013
European ATP Player of the Year 2005
Spaniens Sportler des Jahrzehnts 2010
Galardón Camino Real 2022



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