Hermes Phettberg
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Internationales Biographisches Archiv
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW
Hermes Phettberg wurde am 5. Okt. 1952 unter dem bürgerlichen Namen Josef Fenz im nördlich von Wien gelegenen Hollabrunn geboren. Seine Eltern, Josef (1912-1992) und Anna, geb. Widhalm (1913-1997), waren einfache Weinbauern. Seine Kindheit verbrachte P. in Unternalb bei Retz (Niederösterreich), nahe der Grenze zur Tschechoslowakei. Als P. zehn Jahre alt war, übernahm sein wesentlich älterer Bruder den elterlichen Hof, und P. zog mit seinen Eltern in ein kleines Haus, zu dem drei Hektar Felder gehörten. In diesen recht ärmlichen, streng katholischen Verhältnissen lebte P., bis er mit 17 Jahren nach Wien zog.
Nach seinem Hauptschulabschluss (1966) besuchte P. 1966-1969 die Handelsschule in Retz. Nach der Schule flüchtete P. 1969 aus dem zerstrittenen Elternhaus nach Wien, machte bei der Raiffeisenbank eine Banklehre und arbeitete dort bis 1973. 1970-1971 versuchte P. vergeblich, neben seiner Banktätigkeit auf der Abendhandelsakademie der Wiener Kaufmannschaft das Abitur abzulegen. Um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen und Priester zu werden, belegte er ab 1973 in Wien zwei Jahre lang diverse Kurse an der Erzieherschule der Caritas Socialis und am Religionspädagogischen Institut.
Bereits als 17-Jähriger zeigte P. erste literarische Neigungen. Damals gründete er die "Eduard-Strebl-Erinnerungszeitung", ein Schülerblatt, das er nach dem versetzten Rektor seiner Handelsschule benannte. 1975-1979 wirkte er als Pastoralassistent an der Erzdiözese Wien, danach war er ein Jahr lang Postulant (Kandidat eines kath. Ordens) im Stift Klosterneuburg. 1981 wurde der bekennende Homosexuelle P., der "süchtig nach Jeansboys" (Spiegel, 18.11.2010) war, nochmals als Pastoralassistent tätig, wegen seiner häufigen Besuche auf von Schwulen frequentierten öffentlichen Toiletten jedoch alsbald entlassen. 1983-1989 arbeitete er als Kanzlist der niederösterreichischen Landesregierung. In dieser Zeit begannen seine Depressionen, die ihm das Leben im wahrsten Sinne des Wortes immer schwerer machen sollten und die ihn letztlich dazu bewogen, sich bei der Pensionskasse als psychisch Kranker zu outen. Kurz darauf (im Jan. 1990) wurde P. wegen "seelischer Invalidität" frühpensioniert.
Frühpensionär, Messie und Kult-Kolumnist Mit der Pensionierung begann für P. ein völlig neuer Lebensabschnitt. Er begann, sich in seiner Wohnung zu verschanzen, und verbrachte den Tag fortan mit drei Dingen: fernsehen, lesen und essen. "In der Blütezeit meines Wahnsinns hatte ich 70 Abos", gestand P. dem Journalisten Christian Ankowitsch in einem Interview (ZEITmagazin, 25.8.1995). Die so kreierte Papiersintflut sollte seine Wohnung zusehends ins Chaos stürzen und ihn mit Schulden beladen. Der exzessive TV- und Pressekonsum weckte in P. das Bedürfnis, sich wieder journalistisch zu betätigen. Nachdem er zuvor bereits seit 1969 Mitarbeiter bei diversen katholischen Blättern und 1986-1994 Redakteur der Sexual-Periodika "Unter Druck" und "Stock im Eisen - von der Fleischeslust der Abartigen" gewesen war, bekam P. im März 1992 beim Wiener Stadtmagazin "Falter" eine eigene Kolumne, die - als Anspielung auf seine vergangenen Priesterambitionen - "Phettbergs Predigtdienst" betitelt wurde. Diese sollte in Wien alsbald Kultstatus erreichen, weswegen der Falter Verlag 1995 die ersten 183 Kolumnen unter gleichem Namen als P.s erstes Werk publizierte und jenes zudem als Newsletter via Internet kostenlos offerierte.
Kurze Karriere als Medienstar Schon 1991, also ein Jahr vor Beginn seiner Kolumnistenkarriere, wurde P. Schauspieler in Kurt Palms Theatergruppe "Sparverein Die Unz-Ertrennlichen". Der aus der ehemaligen DDR stammende Regisseur Palm erkannte alsbald das Medienpotenzial des an Fettsucht leidenden Philosophen und entwickelte mit diesem eine "Nette Leit Show" genannte ORF-Talkshow, die den unbekannten Moderator P. quasi über Nacht zum hoch begehrten Medienstar werden ließ. P. eröffnete die Show stets mit der Frage "Frucade oder Eierlikör?". "Der Mann ist die reine Entlastung von Schuldgefühlen, denn er steht zu sich und seiner offensichtlichen Unzulänglichkeit, und dies vor der Kamera", räsonierte Eugénie Bott in ihrem "Ein Monströser mit wachem Verstand" betitelten Porträt (s. Stgt. Z., 31.10.1995). Doch obgleich das Phänomen P. mit seiner Mitternachtssendung zu seinen besten Zeiten Marktanteile von bis zu 34 Prozent erzielte, fand seine Fernsehkarriere im April 1996 wegen eines Streits mit P.s Macher Palm ein jähes Ende. Und so wurde der Mann, der zuvor mit Promi-Interviews (u. a. mit Talkmaster
Seit 1993 veranstaltete P. jeweils am 6. Dez. um 20 Uhr eine "Nikololesung" aus den Phettberg-Büchern in der Queer-Buchhandlung Löwenherz in der Berggasse 8, Wien (9. Bezirk). Was seine Schriftstellerei betraf, so war P., der 1995-1996 drei Bücher herausgebracht hatte, nach dem Ende der "Nette Leit Show" nicht mehr gefragt.
P.s Misere inspirierte den Wiener Schriftsteller
Filme über P. Im Okt. 2007 wurde Kurt Palms Filmporträt "Hermes Phettberg. Elender" bei der Viennale in Wien gezeigt und von der Kritik mit großem Wohlwollen aufgenommen. "Man hätte aus diesem Stoff zwischen Kirche und SM-Szene, Boulevard und Philosophie, Medieninszenierung und Intimität auch einen ‚großen’, angesichts der jetzigen Hinfälligkeit Phettbergs gefährlich pathetischen Film machen können. Kurt Palm, der Pathos nicht draufhat, umgeht die Falle unangestrengt. Voll Respekt für einen alten Freund, den man nicht hochstilisieren muss, um zeigen zu können, wie viel Tiefe in ihm steckt" (Standard, 19.10.2007). 2011 hatte der Kinofilm von Sobo Swobodnik
Die Zeit zwischen 2000 und 2007 war für P. geprägt von schweren gesundheitlichen Problemen: mehreren Schlaganfällen, darunter ein Hirnschlag, Diabetes, Sprachstörungen und Gewichtsabnahme von 100 Kilo während eines Monats künstlicher Ernährung sowie der Entfernung von drei Kilo überflüssiger Haut. Im Aug. 2000 hatte P. 78 Kilo gewogen, im Jan. 2003 brachte er wieder 155 Kilo auf die Waage (taz, 11.1.2003), im Nov. 2010 war er bei 73 Kilo (Spiegel, 18.11.2010) und auf strenger Diät. Über seine Mahlzeiten führt er seit 2010 ein tägliches Protokoll in seinem Blog "Gestion".
P. lebt als Frührentner im Wiener Stadtteil Mariahilf.
18. Dezember 2024: Der österreichische Autor, Schriftsteller und Philosoph
Werke: (Veröffentlichungen:) "Phettbergs Predigtdienst" (1995, Wiener Falter Verlag), "Hermes Phettberg räumt seine Wohnung zamm" - von Phettberg & Fritz Ostermayer (1995, edition selene), "Frucade oder Eierlikör" (1996, Droemer/Knauer Verlag), "Hundert Hennen" (05); TV-Serien: "Nette Leit Show" (im ORF von Juni 1995 bis April 1996).
14. Mai 2015: Weltpremiere in den Breitenseer Lichtspielen, Wien: "A Perception" (Deutschland 2015). Buch und Regie: Daniel Pfander. Darsteller:
Literatur: "Hermes Phettberg. Die Krücke als Zepter" von Klaus Kamolz (1996, Links Verlag, Berlin), Halmut Neundlinger: "Tagebuch des inneren Schreckens: über Hermes Phettbergs 'Predigtdienste'" (09). Filme: "Hermes Phettberg. Elender", ein Porträt von Kurt Palm (07),
Preise/Auszeichnungen: P. wurde von "News", Österreichs größtem Nachrichtenmagazin, der sog. "Nickname" verliehen. Laut dem Wiener "Wespennest" (Ausgabe 102) handelt es sich dabei um eine "nationale Auszeichnung für die Gesellschaftsfähigkeit und mediale Rentabilität abweichenden Verhaltens".
Ämter/Mitgliedschaften (u. a.): Von 1969 bis 1988 war P. (mit Unterbrechung) Mitglied der konservativen österreichischen Volkspartei ÖVP. Der bekennende Homosexuelle ist aktives Gründungsmitglied der Wiener "Libertine Sadomasochismus Initiative". 1990 gründete P. in Wien die "Polymorph Perversen Klinik". Am 30. April jeden Jahres findet im Wiener Restaurant "Chinatown" in der Burggasse 67-69 (7. Bezirk) um 20 Uhr die Generalversammlung des von P. vorgeschlagenen "Vereines zur Schaffung einer Hochschule für Pornographie und Prostitution" statt.
Letzte Adresse: Postfach 535, 1060 Wien, Österreich, E-Mail: phettberg@phettberg.at, Internet: www.phettberg.at