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Per Leo

Per Leo

deutscher Historiker und Schriftsteller; Dr.
Geburtstag: 1972 Erlangen
Nation: Deutschland - Bundesrepublik

Internationales Biographisches Archiv 13/2022 vom 29. März 2022 (se)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 45/2023


Blick in die Presse

Herkunft

Per Leo wurde 1972 in Erlangen geboren und wuchs in München auf.

Ausbildung

Nach dem Abitur, das er am Münchner Oskar-von-Miller-Gymnasium ablegte, absolvierte L. seinen Zivildienst bei der Schutzstation Wattenmeer auf der Nordseeinsel Pellworm. Anschließend studierte er in Freiburg und Berlin Geschichte, Philosophie und Slawistik. 2009 promovierte er bei Wolfgang Hardtwig an der Humboldt-Universität Berlin mit einer Dissertation über Ludwig Klagess und die Tradition des "charakterologischen Denkens".

Wirken

Für seine 2013 als Buch publizierte Doktorarbeit "Der Wille zum Wesen: Weltanschauungskultur, charakterologisches Denken und Judenfeindschaft in Deutschland 1890-1940" erhielt L. den Humboldt-Sonderpreis "Judentum und Antisemitismus". Mit seiner Arbeit wollte der junge Historiker aufzeigen, wie stark das Denken in Charaktertypen die deutsche Bildungsschicht nach 1900 in der Einschätzung der menschlichen Ungleichheit und besonders des "jüdischen Wesens" beeinflusste. Als zentrale Figur für die Rekonstruktion dieser prägenden Geisteshaltung diente ihm Ludwig Klages und seine Graphologie, mit der aus der Handschrift Charaktermerkmale des Schreibenden abgeleitet werden sollten.

Sein erstes semi-fiktionales Werk veröffentlichte er 2014 unter dem Titel "Flut und Boden", das große Beachtung und Aufnahme in die Shortlist des Leipziger Buchpreises fand. Die Romanhandlung basiert auf L.s Familiengeschichte und thematisiert die Tätigkeit seines Großvaters als Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und – parallel dazu – die gegenläufige Lebensgeschichte seines von Anthroposophie und Goethe-Verehrung geprägten Großonkels. Dabei spielen Schiffe eine zentrale Rolle, weil L.s Urgroßvater im 19. Jahrhundert in eine Werftbesitzerfamilie eingeheiratet hat, eine großbürgerliche Bilderbuchfamilie, aus der sein "Nazi-Großvater" hervorging. Mit seinem streckenweise autobiographischen, "forensischen Essayroman über die weitverzweigten Linien seiner Vorfahren" (FAZ, 26.4.2014) fand G. breite, weitgehend positive Beachtung im Feuilleton. Sein "großes, wichtiges Buch" vereine historisches Wissen und literarische Könnerschaft, schrieb etwa DIE WELT (15.2.2014); L. lege "die geistesgeschichtlichen Wurzeln des Nationalsozialismus frei", so die Stuttgarter Zeitung (26.2.2014). Allein DER SPIEGEL (24.2.2014) konnte dem Familienroman wenig Positives abgewinnen und monierte u. a. das Fehlen anschaulicher Szene.

Eine intensive Debatte löste der von L. mitverfasste Leitfaden "Mit Rechten reden" (2017) aus. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (21.11.2017) bescheinigte dem Autoren-Trio – neben L. noch Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn – eine mit "teilweise nur schwer erträglicher Nonchalance" vorgetragene "intellektuelle Selbstgewissheit". In Artikeln und Essays, veröffentlicht u. a. in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in der "ZEIT" oder dem "Freitag", befasste sich L. mit den verschiedensten historischen und gesellschaftspolitischen Themen, beispielsweise der Schwierigkeit des Auschwitz-Gedenkens.

2021 folgte L.s zweites Buch "Tränen ohne Trauer", das – "mehr Essay als historisch-politisches Sachbuch" (FAS, 25.7.2021) – kontrovers rezipiert wurde und ein starkes Medienecho auslöste. L. wandte sich gegen den gelegentlich geäußerten Vorwurf, dass er den Holocaust relativieren oder gar einen Schlussstrich unter dessen Aufarbeitung ziehen wolle. Es sei aber an der Zeit, "darüber nachzudenken, wie wir das Nachleben des Nationalsozialismus anders gestalten können", erklärte der gefragte Gesprächspartner in einem seiner langen Interviews (TSP, 3.8.2021). Die Süddeutsche Zeitung (26.7.2021) attestierte dem historisch gebildeten Autor, dass er mit seinem "provokant neuen Blick auf den Umgang mit der NS-Zeit" gescheitert sei; er ignoriere "die Grenzen zwischen Geschichtsschreibung und Literatur, wissenschaftlicher Prosa und anekdotischer Erzählung systematisch". DIE ZEIT (5.8.2021) bescheinigte dem Autor hingegen, sein Buch schlage "trotz allerlei Manierismen und offener Flanken einen gänzlich neuen Ton in der deutschen erinnerungspolitischen Literatur" an.

Familie

L. lebt mit seiner Familie in Berlin. Er firmiert außerdem als "Schatullenproduzent" und bietet im Internet unter dem Label "Leo&Leo" Schatullen und Humidore in Sonderfertigung an.

Werke

Veröffentlichungen: "Der Wille zum Wesen: Weltanschauungskultur, charakterologisches Denken und Judenfeindschaft in Deutschland 1890-1940" (13), "Flut und Boden" (14), "Mit Rechten reden" (15; Co-Autor), "Tränen ohne Trauer" (21).

2023: Per Leo: "Noch nicht mehr. Die Zeit des Ruhrgebiets". Sachbuch.

Auszeichnungen

Auszeichnungen (u. a.): Humboldt-Sonderpreis "Judentum und Antisemitismus" (12), Klaus-Michael-Kühne-Preis (14), Jahresstipendium des Landes Baden-Württemberg (15), Writer in Residence Amsterdam (16) Förderpreis Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (16).

Adresse

c/o Klett-Cotta-Verlag, Rotebühlstr. 77, 70178 Stuttgart, Tel.: 0711 6672-0, E-Mail: info@klett-coota.de, Internet: www.klett-cotta.de

c/o Leo&Leo, Liselotte-Hermann-Str. 37, 10407 Berlin, Tel.: 0179 46 127 94, Internet: perleo@leoundleo.de



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