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MUNZINGER Sport

Walter Kusch

deutscher Schwimmer
Geburtstag: 31. Mai 1954 Hildesheim
Klassifikation: Beckenschwimmen
Nation: Deutschland
Erfolge/Funktion: Weltmeister 1978
Europameister 1974 (4 x 100 m Lagen)
Olympia-Dritter 1976 (4 x 100 m Lagen)

Internationales Sportarchiv 32/2005 vom 13. August 2005 (ph)


Ende der sechziger Jahre zählte Walter Kusch zu den größten Talenten des bundesdeutschen Schwimmsports. Die Bronzemedaille über 200 m Brust bei den EM 1970 schien der erste Schritt in eine erfolgreiche Zukunft zu sein. Bei den Olympischen Spielen 1972 gehörte er zum kleinen Kreis der Favoriten. Doch sowohl in München als auch vier Jahre später in Montreal konnte er den Erwartungen nicht gerecht werden, blieb in seinen Einzelläufen ohne Medaille. Seine große Stunde kam bei den Weltmeisterschaften im August 1978 in Berlin, wo er sich über 100 m Brust den Titel sichern konnte. Er war seinerzeit der älteste Weltmeister, den es im Schwimmsport jemals gegeben hatte.

Laufbahn

Walter Kusch war sieben Jahre alt, als er sich 1961 dem SSK Hellas Hildesheim anschloss. Von Anbeginn an orientierte er sich auf die Brustlage. Sein Talent fiel auf und ab 1965 kümmerte sich Trainer Reichwehr um seine weitere Entwicklung. Die Erwartungen in der bundesdeutschen Öffentlichkeit waren groß. Im Spätsommer 1970 holte sich Kusch, der inzwischen von Trainer Prüssner bei Blau-Weiß Bochum betreut wurde, bei den Europameisterschaften in Barcelona die Bronzemedaille über 200 m Brust.

In den folgenden Jahren konnte Walter Kusch an diese Leistung anknüpfen. Großen Anteil an dieser Entwicklung hatte sein 1971 vollzogener Wechsel zum SSF Bonn, wo er u. a. vom ehemaligen Meisterschwimmer Gerhard Hetz trainiert wurde. Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele 1972 in München erzielte er bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften zwei Jahresweltbestleistungen, einen Europarekord und fünf deutsche Rekorde. Die von ihm erreichten Zeiten und Platzierungen waren der Grund dafür, dass Walter Kusch sich selbst als etwas Besonderes sah. "Die Nase trägt er am liebsten ganz oben", beschrieb die FAZ (21.7.1972) sein Auftreten und bemerkte weiter: "Unter seinen schwimmenden Kollegen hat er deshalb nicht allzu viele Freunde."

Bei den Spielen von München zählte Kusch zu den Medaillenanwärtern. Sowohl über 100 m als auch über 200 m Brust erreichte er die Finalläufe, musste sich dort aber mit Rang fünf über 100 m und Platz sechs über 200 m Brust geschlagen geben. Bei den Weltmeisterschaften und den europäischen Titelkämpfen der folgenden Jahre gehörte Walter Kusch zur erfolgreichen Lagenstaffel des DSV. Bei den WM 1973 musste sich das bundesdeutsche Staffelquartett noch mit dem medaillenlosen vierten Platz zufrieden geben. Im Jahr darauf aber, bei den EM 1974, kam die große Stunde. Die Lagenstaffel mit einem ganz stark schwimmenden Walter Kusch gewann den Europameistertitel. Walter Kusch selbst holte sich über 100 m Brust Silber, über 200 m Brust wurde er Fünfter. Ebenfalls Silber gab es für Walter Kusch mit der deutschen Lagenstaffel bei den WM 1975 in Cali (Kolumbien). In den Einzelfinals wurde er über 100 m Brust Fünfter, über 200 m Brust schlug er als Vierter an.

Auch bei den Olympischen Spielen von Montreal 1976 erkämpfte sich das bundesdeutsche Lagenquartett mit Brustschwimmer Walter Kusch eine Bronzemedaille. In den Einzelwettbewerben belegte er über 100 m Brust Platz fünf, über 200 m Brust wurde er Achter. Zwei Medaillen holte sich Kusch bei den EM 1977 - sowohl über 100 m Brust als auch über 200 m Brust wurde er Dritter.

Zum Höhepunkt seiner Karriere sollten die Welttitelkämpfe 1978 in Berlin werden. Fast ein Jahrzehnt lang hatte Walter Kusch bei vielen großen Schwimmevents das Bassin geschlagen verlassen müssen. Der 20. August 1978 aber wurde sein Tag. Im Berliner Olympiastadion gewann er das Rennen über 100 m Brust und wurde mit einer Zeit von 1:03,56 Min. Weltmeister. "Ich habe ein Ziel erreicht, für das ich acht Jahre lang gearbeitet habe", erklärte er nach dem Triumph (WELT, 7.9.1978). Mit einer Bronzemedaille über 200 m Brust und einer silbernen mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel komplettierte er sein Abschneiden bei den WM.

Im April 1979 beendete Walter Kusch, der seit 1975 Aktivensprecher des DSV gewesen war, seine Karriere. Er war der Ansicht, dass er sich nicht mehr weiter steigern würde können. Für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau fühlte er sich zu alt. Wie falsch diese Prognose war, belegte er 1981, als er in einem Show-Wettkampf auf einer 25-m-Bahn über 50 m Brust mit 28,3 Sekunden einen neuen Weltrekord aufstellte. Insgesamt wurde Kusch 26-mal deutscher Meister, stellte über 30 deutsche Rekorde und vier Europarekorde auf.

Persönliches

Nach dem Ende seiner Schwimmkarriere widmete sich Walter Kusch dem Abschluss seines Zahnmedizinstudiums. Nebenbei arbeitete er für einen großen Bademodenhersteller in Europa. 1985 heiratete Walter Kusch die Schwimmerin Karin Bormann, die bei Olympia 1972 und 1976 in der Rückendisziplin und im Lagenschwimmen gestartetet war. Die beiden sind Eltern von drei Kindern - die Söhne Malte und Charlie sowie Tochter Diane. In den achtziger Jahren entdeckte Walter Kusch seine Liebe zum Speed-Surfen. Eine Zeit lang war er sogar Präsident des Deutschen Speed-Surferverbandes. Seit Ende der neunziger Jahre pflegt er wieder seine alte Liebe zum Schwimmsport. Walter Kusch, der in seiner Heimatstadt Hildesheim seit 1987 eine Zahnarztpraxis betreibt, ist 1. Vorsitzender der Startgemeinschaft der Sportschwimmer Hildesheim. Als Ausgleichssport betreibt er Tennis.

Adresse

Steuerwalder Str. 30, 31137 Hildesheim, Tel.: 05121 53737, E-Mail: kontakt@praxis-kusch-baule.de

Karriere in Zahlen

Stationen:

1961 - 1969: SSK Hellas Hildesheim
1969 - 1971: Blau-Weiß Bochum
1971 - 1976: SSF Bonn
1976 - 1977: HSG Hildesheim
1977 - 1979: SV 05 Würzburg

Erfolge:

Olympische Spiele:

1972: 5. Platz 100 m Brust
6. Platz 200 m Brust
1976: 3. Platz 4 x 100 m Lagen
5. Platz 100 m Brust
8. Platz 200 m Brust

Weltmeisterschaften:

1973: 4. Platz 4 x 100 m Lagen
1975: 2. Platz 4 x 100 m Lagen
4. Platz 200 m Brust
5. Platz 100 m Brust
1978: 1. Platz 100 m Brust
2. Platz 4 x 100 m Lagen
3. Platz 200 m Brust

Europameisterschaften:

1970: 3. Platz 200 m Brust
1974: 1. Platz 4 x 100 m Lagen
2. Platz 100 m Brust
5. Platz 200 m Brust
1977: 3. Platz 100 m Brust
3. Platz 200 m Brust

Vier Europarekorde, 30 deutsche Rekorde, 26 deutsche Meistertitel

Funktionen:

Von 1975 bis 1979 Aktivensprecher des DSV
In den achtziger Jahren Präsident des Deutschen Speed-Surferverbandes
Seit Ende der neunziger Jahre 1. Vorsitzender der SG Hildesheim



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