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Ursula Lingen

deutsche Schauspielerin und Theaterintendantin
Geburtstag: 9. Februar 1928 Berlin
Todestag: 20. Oktober 2014 Wien (Österreich)
Nation: Deutschland - Bundesrepublik

Internationales Biographisches Archiv 14/2015 vom 31. März 2015 (mf)


Blick in die Presse

Herkunft

Ursula Lingen wurde 1928 als Tochter des Schauspielers und Regisseurs Theo Lingen (eigtl. Theodor Franz Schmitz, 1903-1978) und der Sängerin Marianne Zoff (in erster Ehe mit Bert Brecht verheiratet) in Berlin geboren. L. erlebte dort ihre Kindheit und wuchs mit ihrer Halbschwester Hanne (1923-2009, aus der ersten Ehe der Mutter) auf. Unter dem Bühnennamen Hanne Hiob wurde diese ebenfalls Schauspielerin. Nach 1933 übersiedelte die Familie nach Wien, wo es dem überaus populären Theo Lingen gelang, seine jüdische Frau vor dem NS-Terror zu bewahren.

Ausbildung

L. absolvierte eine umfassende schauspielerische Ausbildung, Nach dem Krieg begann sie mit Kinderrollen an österreichischen Tourneetheatern. "Haltung und Disziplin" habe sie vor allem von ihrem Vater, den sie als Vorbild betrachtete, gelernt.

Wirken

Wirken als SchauspielerinIhre Bühnenlaufbahn begann sie 1947 am Volkstheater Wien. Von 1948-50 spielte sie am Neuen Theater in der Scala Wien, die folgenden Jahre bis 1958 gehörte sie verschiedenen Berliner Bühnen an. Ab 1958 spielte sie vornehmlich in München, zunächst an den Münchner Kammerspielen, dann am Bayerischen Staatsschauspiel, wo ihr Mann Kurt Meisel bis 1983 als Intendant, Regisseur und Schauspieler wirkte. Eng verbunden war sie auch dem Hamburger Thalia Theater, an dem sie Boy Gobert für sein Damenensemble zusammen mit Ingrid Andree und Nicole Heesters engagiert hatte. Als freischaffende Schauspielerin arbeitete sie von 1984 bis 1990 häufig in Tournee-Inszenierungen. Nach ihrer Zeit als Intendantin in Hamburg (s. u.) war sie nur noch selten als Schauspielerin tätig.

L., der Intensität, Klarheit der Sprache und Disziplin nachgesagt wurden, beherrschte ein großes Rollenrepertoire sowohl der Klassik wie auch der Moderne. Herausragende Erfolge hatte sie u. a. als älteste von Tschechows "Drei Schwestern" und an der Seite ihres Mannes mit der berühmten Bühnenfassung von Bernard Shaws Briefwechsel mit Stella Patrick Campbell ("Geliebter Lügner"). Zuletzt stand sie in einer langen Serie von Vorstellungen bis 2003 als Partnerin von Michael Heltau im Zweipersonenstück "Love Letters" auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gelegentlich war sie in den 1990er Jahren auch bei Lesungen zu erleben.

An der Seite ihres Vaters übernahm L. frühe Filmrollen in "Hin und her" (1947) und "Der Mustergatte" (1956). Daneben stand sie als Sennerin Mena in der Verfilmung der "Seltsamen Geschichte des Brandner Kaspar" (1949) dem Wilderer zur Seite. Filmpartnerin von Johannes Heesters war sie 1951 in "Tanz ins Glück". Eine größere Präsenz zeigte sie ab den 1960er Jahren im Fernsehen, u. a. sah man sie in dem Fernsehspiel "Affäre Dreyfus" (1968) und an der Seite von Klaus Maria Brandauer in der TV-Verfilmung von Schnitzlers "Der Weg ins Freie" (1983). Populär wurde sie mit zahlreichen Rollen in Krimis wie "Tatort", "Der Kommissar" und "Derrick".

Intendanz an den Hamburger KammerspielenEine anspruchsvolle Aufgabe übernahm L., als sie zur neuen Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele ab der Spielzeit 1990/1991 berufen wurde und damit zur Nachfolgerin der berühmten Ida Ehre. U. a. initiierte sie einen Umbau des theatereigenen Restaurants in ein Literaturcafé mit flexibler Studiobühne und warb um Spender zur finanziellen Absicherung ihrer Pläne. Darüber hinaus gewann L. bereits für ihre erste Spielzeit große Kollegen als Darsteller und Regisseure. Binnen kürzester Zeit schaffte sie es, dass dem Hamburger Privattheater auch überregional große Beachtung geschenkt wurde. Obwohl die neue Intendantin viel Lob bekam, scheiterte ihre Arbeit im Juli 1991 an der Überschuldung der Kammerspiele. Am 16. Juli 1991 trat L. als Leiterin des Theaters zurück. Die Hamburger Kulturbehörde hatte die Entschuldung der Kammerspiele mit bis zu fünf Mio. DM abgelehnt. "Unrühmlich war der Abschied von Ursula Lingen", monierte die Süddeutsche Zeitung (10.11.1991) und befand, die Intendantin sei untergegangen "in dem finanziellen Sumpf, den ihr die Vorgängerin Ida Ehre hinterlassen, aus dem ihr die rätselhafte Finanzpolitik der Hansestadt nicht herausgeholfen hat." L. selbst erklärte im Nachhinein: "Ich war schön dumm, dass ich nicht gleich einen Wirtschaftsprüfer bestellte, der die Bilanzen überprüft" (zit. n. Hbg. Abl., 15.2.1993). Sie zog sich in den Jahren darauf langsam aus der Öffentlichkeit zurück, die Hamburger Kammerspiele wurden mit Stephan Barbarino als neuem Intendanten 1992 wiedereröffnet.

Familie

L. war 1953 bis zu seinem Tod 1994 mit dem Schauspieler, Regisseur und Intendanten Kurt Meisel verheiratet, mit dem sie oft zusammengearbeitet hat. Das Paar hatte einen Sohn Christoph (1952 geb.), der Werbefotograf wurde. Am 20. Okt. 2014 starb L. im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in ihrer Wiener Wohnung.

Werke

Bühnenrollen (kleine Auswahl): Gräfin Geschwitz in Wedekinds "Lulu" (71), Olga in Tschechows "Drei Schwestern" (78), Emma in Pinters "Betrogen" (79), Elisabeth in Schillers "Maria Stuart" (81), Mutter in O'Neills "Trauer muss Elektra tragen" (82), Schauspielerin in Schnitzlers "Reigen" (82), Stella in Shaws "Geliebter Lügner" (89), Melissa Gardner in A. R. Gurneys "Love Letters" (03).

Spielfilmrollen (Auswahl): "Hin und Her" (47), "Weißes Gold" (48), "Angela" (50), "Die seltsame Geschichte des Brandner Kaspar" (49), "Tanz ins Glück" (51), "Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen" (51), "Regine" (55), "Der Mustergatte" (56).

Fernsehrollen (Auswahl): "Nächstes Jahr in Jerusalem", "Requiem für eine Nonne" (65), "Der Teufel und der liebe Gott", "Das harte Brot", "Haus Herzenstod" (68), "Affäre Dreyfus" (68), "Der Weg ins Freie" (83), "Blankenese" (94; TV-Serie), "Die Aubergers" (98; TV-Serie), "Im Namen des Herrn" (03; Zweiteiler). Außerdem sah man sie in den Krimiserien "Tatort", "Der Kommissar", "Der Alte" und "Derrick".

Auszeichnungen

Auszeichnung: Bayerische Staatsschauspielerin (83).

Mitgliedschaften

Mitgliedschaft: L. war Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Adresse

Letzte Adresse: Herrengasse 6-8, 1010 Wien, Österreich, Tel.: +43 1 5334640



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