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MUNZINGER Personen

William Craig

nordirischer Politiker
Geburtstag: 2. Dezember 1924 Cookstown
Todestag: 25. April 2011 Bangor
Nation: Großbritannien, Nordirland

Internationales Biographisches Archiv 43/2011 vom 25. Oktober 2011 (la)


Blick in die Presse

Herkunft

William Craig stammte aus dem nordirischen Cookstown (Grafschaft Tyrone). Sein Vater war Bankangestellter.

Ausbildung

Er besuchte die Dungannon Royal School und die Larne Grammar School. Er nahm noch zuletzt am Zweiten Weltkrieg teil und war 1943-1946 Angehöriger der Royal Air Force. Danach studierte C. Jura an der Queen's University in Belfast und wurde 1952 als Anwalt zugelassen.

Wirken

Politisch kam C. aus dem Kreis der damals als fortschrittlich-liberal geltenden Jung-Unionisten der regierenden Ulster Unionist Party (UUP). 1953-1960 Vorsitzender des "Young Unionist Council", begann C. seine parlamentarische Laufbahn erst spät. 1960 trat er als Abgeordneter in das nordirische Parlament in Belfast (Stormont) ein, wo er 1962-1963 als Chief Whip seiner Partei fungierte. Die UUP war Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und lange größte und politisch wichtigste Partei in Nordirland.

Im Kabinett von Premierminister Terence O'Neill, das im März 1963 nach dem Rücktritt von Lord Basil Brookeborough gebildet worden war, hatte C. als Innenminister in der Nachfolge von Lord Brian Faulkner erstmals ein Regierungsamt inne. In derselben Regierung war er 1964 Minister für Gesundheit und lokale Selbstverwaltung, Entwicklung und Transport, 1965-1966 Minister für Entwicklung und ab 1966 wieder Innenminister. Im Okt. 1968 entließ ihn Premier O'Neill im Gefolge der Zusammenstöße bei der ersten Massendemonstration der Katholiken in Londonderry (5.10.) innerhalb 24 Stunden aus seinem Kabinett. Er warf dem militanten C. vor, sich immer gefährlicher einer Unabhängigkeitserklärung für Nordirland zu nähern, was C. bestritt.

O'Neill seinerseits fiel bereits im April 1969 einer Palastrevolte des rechten Unionistenflügels zum Opfer. Sein Nachfolger James Chichester-Clark hatte für den immer weiter nach rechts abschwenkenden C., der maßgeblich an der Ablösung O'Neills beteiligt gewesen war, allerdings keine Verwendung. Im Okt. 1969 schlug C. zur Überraschung - selbst seiner eigenen Anhänger - einen britischen Bundesstaat aus England, Schottland, Wales und den beiden Teilen Irlands vor. C. betrieb auch den Sturz von Premierminister Chichester-Clark, der im März 1971 das Schicksal seines Vorgängers teilte. C. kandidierte damals mit vier zu 24 Stimmen erfolglos gegen Faulkner, der nun die Leitung der Regierung in Nordirland übernahm. C.s Einfluss in der Regierungsfraktion und vor allem in der UUP wuchs nun allerdings in dem Maß, in dem der Terror der Irisch-Republikanischen Armee (IRA; Vertreterin der katholischen, sich zu Irland bekennenden Bevölkerungs-Minderheit) bzw. die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den nicht minder radikalen Protestanten weiter eskalierten. Vor diesem Hintergrund, erklärte die britische Regierung im März 1972 das Parlament in Belfast für aufgelöst und zog die Regierungsgewalt in der Ulster-Provinz an sich.

Anfang 1972 gelang es C., den Führer des "Loyalistischen Arbeiterbundes" (LAW), Billy Hull, und den Großmeister des Oranienordens im Belfaster Bereich, Martin Smyth, auf seine Seite zu ziehen. Ein halbes Dutzend anderer militanter Organisationen aller Schattierungen schloss sich an, die C. zur sog. "Vanguard"-Bewegung zusammenfasste. Im Zuge der Mobilisierung der nordirischen Protestanten förderte C. auch nachdrücklich protestantische Milizen wie die 1971 gebildete Ulster Defence Association (UDA) als Pendant zur IRA. Im Okt. 1972 scheiterte ein Attentat gegen C., der unverletzt blieb.

Im Febr. 1973 trat C. dafür ein, Nordirland den Status eines politisch unabhängigen Dominions zu geben. Im April 1973 verließ C. schließlich die UUP, nachdem die Partei unter dem Druck ihres damaligen Vorsitzenden Brian Faulkner des sog. Nordirland-Weißbuchs vom März 1973 mit Einschränkungen zugestimmt hatte. Mit seinen Vanguard-Anhängern gründete C. damals die militante UUP-Abspaltung Vanguard Unionist Progressive Party (VUPP). Seit Übernahme der direkten Regierungsgewalt durch London verschärfte sich der Bürgerkrieg in Nordirland erheblich. Auch die auf der Grundlage des Nordirland-Weißbuchs gebildete Koalitionsregierung des gemäßigten Faulkner, die das Konzept des "power sharing" (sog. "Sunningdale Agreement" zwischen Großbritannien, Irland und Nordirland im Dez. 1973) vertrat, scheiterte schließlich im Mai 1974 in der Folge eines von den militanten Protestanten initiierten Generalstreiks.

Während Faulkner nach seiner Niederlage als UUP-Parteichef im Mai 1974 die Partei verließ und im Sept. 1974 die Unionist Party of Northern Ireland gründete, schlossen sich die protestantischen Radikalen unter C. sowie Ian Paisleys Democratic Unionist Party (DUP) der im Jan. 1974 von dem Faulkner-Nachfolger Harry West begründeten Allianz United Ulster Unionist Council (UUUC) an. Das Sammelbecken der protestantischen Gegner des "power sharing" erhielt bei den Unterhauswahlen im Febr. 1974 und Okt. 1974 die absolute Mehrheit in Nordirland. C. errang dabei im Wahlkreis Belfast-Ost ein Abgeordnetenmandat. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Mai 1975 errangen die United Unionists erneut einen triumphalen Erfolg (46 von insgesamt 78 Sitzen; Faulkners gemäßigte Protestanten erhielten nur 5 Sitze). Bei den Parlamentswahlen im Mai 1979 verlor C. - nach der Auflösung der VUPP 1978 nun wieder für die UUP kandidierend - seinen Unterhaus-Sitz für Belfast-Ost knapp an den 24 Jahre jüngeren Peter Robinson von Paisleys DUP. 1982 trat C. noch einmal erfolglos bei der Wahl zur Nordirischen Regionalversammlung an. Damit endete faktisch die politische Karriere von C., der danach wieder als Anwalt tätig war.

Familie

C. war seit 1960 mit der aus Deutschland stammenden Doris, geb. Hilgendorff, verheiratet und hatte zwei Söhne. Er liebte Bücher, Photographieren, Reisen, Autofahren, die Jagd und Golf. C. starb im April 2011 im Alter von 86 Jahren in Bangor an den Folgen eines Schlaganfalls.



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