Helge Lund
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Internationales Biographisches Archiv
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW
Helge Lund wurde am 16. Okt. 1962 unweit von Oslo geboren und wuchs mit vier Geschwistern auf. Sein Vater war Psychiater, die Mutter Schulrektorin.
L. absolvierte ein Magister-Studium an der Wirtschaftsuniversität NHH Norges Handelshøyskole in Bergen. Nach ersten Berufserfahrungen besuchte er im französischen Fontainebleau die Führungskräfte-Akademie INSEAD und schloss mit dem Master of Business Administration (MBA) ab.
Erfahrungen in Politik, Beratergeschäft und PharmaindustrieL. begann als wirtschaftspolitischer Berater für die Parlamentsfraktion der konservativen Partei Høyre. Nach einer Station bei der US-Unternehmensberatung McKinsey wechselte er 1993 zum Mischkonzern Hafslund Nycomed. Dort wurde er für die dänische Tochter Nycomed Pharma tätig. 1997 verkaufte Hafslund die Nycomed an den britischen Pharmakonzern Amersham, und L. wurde Managing Director. Er schied 1999 anlässlich der Verselbstständigung der Nycomed aus. Später, 2011, kam Nycomed zum japanischen Pharmakonzern Takeda.
Bei Europas führendem Werftenkonzern Aker/Kvaerner1999 stieß L. zum norwegischen Marine-Konzern Aker RGI (Schiffsbau, Öl-/Gas-Fördertechnik). Dessen Mehrheitseigner Kjell Inge Røkke ernannte L. zum stellvertretenden Unternehmenschef und Leiter des operativen Geschäfts (COO). 2001 bewerkstelligte Røkke die Übernahme der Werften-Sparte des größeren, aber angeschlagenen, norwegischen Wettbewerbers Kvaerner. Als sich im Febr. 2002 die Zusammenlegung der Schiffsbau-Aktivitäten konkretisierte, übernahm L. die Führung von Europas damals größtem Werftenkonzern Aker Kvaerner Yards AS. L. bewährte sich beim Fusionsprozess und der gleichzeitigen Sanierung. Dies schloss auch Rationalisierungen bei den modernisierten Werften beider Vorgängerfirmen in Mecklenburg-Vorpommern ein. 2004 fusionierten auch die beiden Mutterkonzerne Aker und Kvaerner (ab 2008 Aker Solutions).
Berufung an die Spitze der Statoil (2004)Allgemeine Zustimmung fand im März 2004 L.s Berufung zum Unternehmenschef ("Konsernsjef") des größten Konzerns Norwegens, des Öl- und Gasförderers Statoil (ab Aug. 2004). Statoil war 1972 als staatliches Unternehmen entstanden, um die nationalen Interessen bei der Förderung der Öl- und Gasfelder in der Nordsee zu sichern. Dank staatlicher Privilegien entwickelte sich Statoil nicht nur zum maßgeblichen Förderer, sondern garantierte auch einen norwegischen Vertrieb. L. wurde 2004 als sprichwörtlicher Saubermann vorgestellt, nachdem 2003 bekannt geworden war, dass Statoil beim Aufbau des internationalen Geschäfts in eine Korruptionsaffäre im Iran verwickelt war. Dieses Image L.s unterstrich noch der Spitzname "Bobby Ewing", was auf den "guten" Bruder in der legendären US-Serie "Dallas" um eine Ölfamilie verwies. Der Staat reduzierte seinen Anteil 2004 bis 2006 von 82 % der Aktien auf 71 %. 2003 hatte der Konzern mit rund 20.000 Mitarbeitern 48,8 Mrd. Euro umgesetzt und einen Reingewinn von 3,8 Mrd. Euro verbucht.
Fusion mit Norsk HydroAnders als seine Vorgänger gelang es L. im Dez. 2006, sich mit dem Mischkonzern Norsk Hydro darauf zu einigen, dass die 1905 als Wasserkraft-Spezialist entstandene Norsk Hydro ihre gegenüber Statoil deutlich kleineren Öl- und Gas-Aktivitäten abgebe. Norsk Hydro verlegte sich danach auf das Aluminium-Geschäft. L. wurde Konzernchef der neuen Statoil, an welcher der Staat anfangs 67,5 % hielt. Auf dem Heimatmarkt erreichte die neue Statoil ASA eine dominierende Marktposition, stand für 63 % der Öl- und Gasförderung auf dem norwegischen Kontinentalsockel und war auch in die Raffinierung eingestiegen. In den folgenden Jahren stand L. auch für Rationalisierungen und Stellenkürzungen. Die Bedeutung von Statoil für Norwegen unterstrich 2012 auch die Tatsache, dass die sozialdemokratisch geführte Regierung im Interesse des weiteren Wachstums den Streik von Ölplattform-Arbeitern durch Anordnung einer Zwangsschlichtung beendete, nachdem L. mit dem Erliegen der Produktion dort gedroht hatte.
Operative EntwicklungenInternationale Förderprojekte baute L. mit Schwerpunkt in Südamerika, Mexiko und Westafrika aus. Er spezialisierte die Statoil nicht zuletzt auf anspruchsvolle Projekte in arktischen Regionen und der Tiefsee. 2011 ergaben sich mit neuen Ölfunden in den von Norwegen beanspruchten Gebieten in der Barentsee entsprechende Perspektiven. Auch im Gas-Geschäft stieg Statoil verstärkt in die arktische Förderung ein, wiederum vornehmlich in der Barentsee. Mit dem Ziel einer rationelleren und günstigen Beförderung per Schiff entstand bei Hammerfest ein Terminal für Flüssigerdgas (Liquefied natural gas, LNG), die erste Einrichtung ihrer Art in Europa, um Gas in den Süden transportieren zu können. L. lancierte auch Projekte für die Gas-Verstromung, weshalb er entsprechende Lieferverträge mit Gaskraftwerk-Betreibern abschloss.
Das Geschäft in Deutschland, traditionell schon wichtigster Exportmarkt, baute L. 2012 weiter aus. So einigte man sich mit der BASF-Tochter Wintershall zunächst auf einen Tausch von Beteiligungen, womit Wintershall Anteile an drei produzierenden Feldern vor der norwegischen Küste erhielt. Zudem zahlte Wintershall einen finanziellen Ausgleich von 1,4 Mrd. US$. Darüber hinaus unterzeichnete L. mit Wintershall-Chef
Rücktritt bei StatoilMitte Okt. 2014 erklärte L. seinen sofortigen Rücktritt, um zum kleineren britischen Wettbewerber BG Group zu wechseln. Die Leitung von Statoil mit damals 23.000 Stellen übernahm Vorstand
In seiner ersten Bilanz musste L.s Nachfolger für 2014 allerdings einen Gewinnrückgang von 39,9 auf 21,9 Mrd. norwegischen Kronen verkünden. Dies lag zwar auch am branchenweiten Einbruch des Ölpreises, aber auch an Abschreibungen auf Projekte in Kanada, Angola und im Golf von Mexiko sowie in den USA, wo sich das Fracking nun nicht mehr rechnete. Später, 2018, firmierte Statoil in Equinor um, was die neue kohlenstoffärmere Strategie unterstreichen sollte.
Intermezzo bei der BG GroupIm Febr. 2015 zum neuen Chief Executive Officer der BG Group ernannt, war L. bereits der dritte CEO des Öl- und Gas-Unternehmens in zwei Jahren und folgte auf ein Interim unter Chairman Andrew Gould. Das 1997 aus British Gas hervorgegangene, international aktive Unternehmen, immerhin drittgrößter britischer Gasförderer, hatte 2014 mit knapp 5.000 Beschäftigten rund 19 Mrd. US$ umgesetzt. Allerdings steckte die BG insbesondere wegen verzögerter Förderprojekte in einer Krise. Schon kurz nach L.s Amtsantritt stimmte die BG Group im April einer Übernahme durch die Royal Dutch Shell zu, die 47 Mrd. £ in bar und in Aktien bezahlte. Damit war L. in seiner kurzen Amtszeit bis zum Abschluss der Übernahme im Febr. 2016 letztlich der Abwickler der BG, die in Shell Stärken in der Tiefseebohrung und beim Flüssiggas LNG einbrachte.
Chefaufseher bei Novo Nordisk 2017 rückte L. in das Aufsichtsgremium des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk ein und übernahm dort im März 2018 den Vorsitz. Das Unternehmen war 1923 entstanden, um in Dänemark Insulin für die Diabetes-Behandlung herzustellen. Auch seither blieb Novo Nordisk auf Basis eigener biotechnologischer Forschung Spezialist für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas (Gewichtsprobleme), Wachstumsstörungen und Hämophilie (Blutgerinnungsstörung). 2022 steigerte Europas inzwischen wertvollster börsennotierter Pharmakonzern den Umsatz von umgerechnet 18,9 Mrd. auf 23,8 Mrd. Euro und verbuchte einen Nettogewinn von 7,4 Mrd. Euro und eine Marktkapitalisierung von 424 Mrd. US$ bei 55.500 Stellen.
Chairman der BP (seit 2019) Im Juli 2018 zog L. in den Board of Directors des britischen Energiekonzerns BP ein und trat Anfang Jan. 2019 als Nachfolger des altersbedingt abtretenden
2022 musste BP den profitablen Anteil (19,8 %) am Moskauer Erdölkonzern Rosneft nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und den folgenden Sanktionen des Westens zum Verkauf stellen. Nicht unumstritten waren auch die Geschäfte von BP in Aserbaidschan, wo der Konzern seit 1995 über 84 Mrd. Euro in hochlukrative Öl- und Gas-Großprojekte im Kaspischen Meer investiert hatte. Damit war man größter ausländischer Investor in dem Land. Anlässlich eines Besuches von L. im Sept. 2023 in Baku bei Präsident
Im Sept. 2023 musste L. kurzfristig die Nachfolge von Looney klären, der wegen persönlicher Verfehlungen abtreten musste. L. ernannte den bisherigen Finanzchef Murray Auchinclos zunächst per Interim zum CEO.
2022 setzte BP 241 Mrd. US$ um und verzeichnete einen Verlust von 2,5 Mrd. US$ bei 67.600 Stellen.
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Der britische Energiekonzern BP gibt bekannt, dass der bisherige Interims-CEO, Murray Auchincloss, dauerhaft die Führung übernehmen wird.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk gibt seine Geschäftszahlen für das Jahr 2023 bekannt. Demnach stieg der Umsatz um 31 % auf 232,3 Mrd. DKK (rd. 31 Mrd. Euro). Der Nettogewinn wuchs um 51 % auf 83,7 Mrd. DKK (rd. 11 Mrd. Euro). Insbesondere das Geschäft mit dem Diabetesmittel Ozempic und die Abnehmspritze Wegovy sorgten für den starken Umsatz- und Gewinnanstieg.
Der britische Energiekonzern BP gibt seine Geschäftszahlen für 2023 bekannt. Demnach sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von rd. 248,9 auf 213 Mrd. US$. Der Nettogewinn stieg auf 15,2 Mrd. US$, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von rd. 2,5 Mrd. US$ erwirtschaftet wurde.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk kündigt an, das deutsche Biotech-Unternehmen Cardior für rd. eine Mrd. Euro übernehmen zu wollen. Der Kauf soll voraussichtlich im zweiten Quartal 2024 abgeschlossen werden. Die entsprechenden behördlichen Genehmigungen stehen noch aus. Laut Medienberichten sichert sich Novo Nordisk mit der Übernahme den Zugriff auf ein vielversprechendes Medikament gegen Herzinsuffizienz.
Der britische Ölkonzern BP gibt die Auflage eines Sparprogramms bekannt, das bis Ende 2026 die jährlichen Kosten um 2 Mrd. US$ senken soll.
Der britische Ölkonzern BP und der japanische Energieerzeuger Jera geben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens bekannt, in dem sie ihre Offshore-Windaktivitäten bündeln wollen. Das Joint Venture, das bis 2030 5,8 Mrd. US-Dollar investieren soll, wird seinen Sitz in London haben.
Der britische Ölkonzern BP kündigt an, rd. 4.700 Stellen abzubauen und weitere 3.000 Leiharbeiter zu entlassen. Die Stellenstreichungen sind Teil der Bemühungen des Unternehmens, jährlich rd. 2 Mrd. US$ einzusparen.
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk gibt seine Geschäftszahlen für das Jahr 2024 bekannt. Demnach stieg der Umsatz um 25 % auf umgerechnet rd. 38,9 Mrd. Euro, während der Nettogewinn um 21 % auf umgerechnet 13,5 Mrd. Euro zulegte.
Der britische Energiekonzern BP gibt seine Geschäftszahlen für 2024 bekannt. Demnach sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von rd. 213 Mrd. auf 194,6 Mrd. US$. Der Nettogewinn verringerte sich auf 381 Mio. US$ (2022: 15,2 Mrd. US$).
L. und seine Frau Else-Cathrine Lund haben zwei Kinder. Er schätzt Fußball, Jogging und Lesen.
Weitere Ämter: Board of Directors Nokia (11-14) und Schlumberger (16-18), Berater der Clayton Dubilier & Rice, Mitglied in Führungsgremien (International Crisis Group, European Round Table for Industry, ERT).
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