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John de Mol

John de Mol

niederländischer Medienunternehmer
Geburtstag: 24. April 1955 Den Haag
Nation: Niederlande

Internationales Biographisches Archiv 10/2015 vom 3. März 2015 (wk)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 11/2015


Blick in die Presse

Herkunft

John (Johannes Hendrikus Hubert) de Mol wurde am 24. April 1955 in Den Haag als Sohn des Schlagersängers John de Mol und dessen Ehefrau Hannie Does geboren. John de Mol sen., dessen Vater ebenfalls ein erfolgreicher Musiker gewesen war, hatte nach Beendigung seiner künstlerischen Karriere leitende Funktionen in der Unterhaltungsbranche inne (u. a. bei Radio Noordzee und in der Veronica Rundfunkanstalt). M.s neun Jahre jüngere Schwester Linda machte als Showmasterin Karriere.

Ausbildung

Schon als Schüler arbeitete M. in den Ferien bei Radio Noordzee. Nach dem Abschluss der Realschule war er zunächst einige Jahre als Discjockey tätig und arbeitete dann bei der Nederlandse Omroep Stichting (NOS/Niederländische Rundfunkstiftung), wo er Zusammenfassungen von Fußballspielen vorbereitete. Später wurde er Assistent bei der TROS (Televisie en Radio Omroep Stichting/Fernseh- und Rundfunkanstalt).

Wirken

Aufstieg als TV-ProduzentNeben seiner Tätigkeit bei der TROS arbeitete M. im Schallplattenladen seiner damaligen Frau, der bekannten Sängerin Willeke Alberti. Nach der Auflösung dieses Geschäfts 1979 gründete M. die John de Mol Produkties BV. Zunächst stark verschuldet, gelang es ihm nach und nach, als Fernsehproduzent Fuß zu fassen. Im Auftrag verschiedener Plattenfirmen produzierte er Musik-Specials, und ab 1985 lieferte er Low-Budget-Musikprogramme an den Londoner Fernsehsender "Sky Channel", bei dem seine Schwester Linda als Moderatorin beschäftigt war. Daneben fungierte M. als Manager für den Fernsehmoderator Willem Ruis und für Ex-Ehefrau Willeke Alberti, von der er 1980 geschieden worden war. Als Fernsehproduzent hatte M. zunächst Erfolg mit der Spielshow "Labyrinth" und vor allem mit der Krankenhaus-Soap "Medisch Centrum West". Diese Serie wurde jahrelang von der TROS ausgestrahlt und schon bald ins Ausland (z. B. nach Südafrika, Spanien, Belgien und Deutschland) weiterverkauft. Im deutschen Privatfernsehen erzielten Produktionen wie die "Mini Playback Show", die "Traumhochzeit", moderiert von Linda de Mol, und die "100.000 Mark Show" hohe Einschaltquoten. M. habe das Land mit "Traum- und Tränengeschichten" überschwemmt, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung (18.3.2000), während DIE ZEIT (27.1.2000) hervorhob, der erfolgreiche Geschäftsmann und kreative Produzent habe "das europäische Privatfernsehen, und damit mittelbar auch das öffentliche, neu erfunden".

Erfolg mit Endemol1994 fusionierte M.s Produktionsfirma mit der konkurrierenden JE Entertainment Productions GmbH des niederländischen Produzenten Joop van den Ende. Die neue Firma Endemol Entertainment Holding NV, an der M. und van den Ende zunächst jeder 47,5 % und Willem van Kooten 5 % hielten (van Kooten stieg im Febr. 1998 aus), setzte sich zum Ziel, für in- und ausländische öffentlich-rechtliche und private Sender Fernsehprogramme in den Bereichen Unterhaltung und Sport zu produzieren, wobei die Liste der Unterhaltungssendungen von Infotainment über Comedy-Serien und Soap-Operas bis zu Talkshows und Spielfilmen reichte. Daneben engagierte sich Endemol auch auf dem Gebiet des Live Entertainment und übernahm z. B. die Veranstaltung von Musicals und Konzerten. 1995 scheiterte der Plan zum Zusammenschluss von Endemol mit den Sendern RTL und Veronica zur Holland Media Groep (HMG) am Veto der Europäischen Kommission.

Am 1. Nov. 1996 ging die Endemol Entertainment Holding NV an die Börse. Das Unternehmen schloss im Aug. 1997 einen neuen Dreijahresvertrag mit RTL in Deutschland, daneben belieferte die Firma SAT.1, VOX, ProSieben, das ZDF und den WDR. Im Okt. 1998 stieß Endemol den Bereich Live Entertainment ab, um sich nur noch dem Fernsehen zu widmen. Die Gewinne von Endemol stiegen von 55 Mio. DM (1995/1996) auf 84 Mio. DM im Rechnungsjahr 1998/1999, der Umsatz konnte von 584 Mio. DM (1995/1996) auf 875 Mio. DM (1998/1999) gesteigert werden.

M., der sein Imperium zielstrebig durch Beteiligungen in Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien ausgeweitet hat, formulierte im Jahr 2000 sein Ziel sehr deutlich: "Wir wollen unbedingt das größte Unternehmen für Fernsehproduktion in Europa werden" (FAZ, 18.3.2000). Zu diesem Zeitpunkt hatte Endemol bereits 400 verschiedene Produktionen entwickelt und in 37 Länder exportiert.

Übernahme durch TelefónicaKurz nachdem van den Ende im Mai 2000 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Direktorenposten zurückgetreten war, kaufte der spanische Telekom-Konzern Telefónica für rund 5,5 Mrd. Euro Endemol. Nach dem Aktientausch schloss M., nun mit 1,25 % des Kapitals Telefónicas größter Privataktieninhaber, mit dem spanischen Konzern einen Fünfjahresvertrag als "Chief Creative Officer", seinen Posten in der Unternehmensleitung behielt er zunächst.

Endemol expandierte unterdessen weiter und richtete in über 20 Ländern Ableger ein. So fusionierte der Konzern 2000 mit der Southern Star Group of Australia zu Southern Star Endemol, erwarb die Mehrheitsanteile an Producciones y Publicidad (P&P) in Buenos Aires und errichtete Tochterunternehmen in Russland und Mexiko. 2003 erzielte das Unternehmen, das inzwischen nur noch "Endemol" hieß, einen Umsatz von 914 Mio. Euro und produzierte rund 25.000 Programmstunden. Erfolgsformate wie "Wer wird Millionär?" oder "Nur die Liebe zählt" wurden für einen internationalen Markt entwickelt bzw. lizenziert.

Rückzug von EndemolIm Zuge einer Umstrukturierung im Vorstand hatte sich M. bereits seit 2001 auf seine Arbeit als "Chief Creative Officer" konzentriert und als Vorstandsvorsitzender die meisten Aufgaben an seinen Vize Aat Schouwenaar abgetreten. Die Zusammenarbeit zwischen M. und den spanischen Eigentümern habe aber seit deren Übernahme "nie gut funktioniert", schrieb DIE WELT (17.6.2006). Deshalb verließ M. zum 1. Mai 2004 das Unternehmen, dessen Chefsessel er bereits ein Jahr zuvor geräumt hatte, ganz. "Ich hatte damals mit Endemol mein eigenes Gefängnis gebaut. Ich war Endemol und Endemol war John de Mol. Das war ein Luxusgefängnis, aber schlussendlich ein Gefängnis" (persoenlich.com, 7.4.2004), sagte er zu den Gründen seines Weggangs.

Talpa-Gründung2004 gründete er seine Firma Talpa (der lateinische Ausdruck für "Mol" – auf Deutsch: "Maulwurf"). Im Jahr darauf startete er zusammen mit seiner Schwester Linda in den Niederlanden den gleichnamigen Sender, in den er 150 bis 200 Mio. Euro hineingesteckt haben soll. Allein 30 Mio. Euro hatte sich M. die Fußball-Übertragungsrechte für die holländische Ehrendivision kosten lassen. Die Einschaltquoten des später in "Tien" umbenannten Kanals, der eine Mischung aus Live-Magazinen, Quizsendungen, Dokumentationen, Talkshows sowie Serien anbot, ließen allerdings meist zu wünschen übrig. Im Zuge von M.s Beteiligung an RTL Nederland, von der er sich später aus kartellrechtlichen Gründen im Rahmen eines Tauschgeschäftes wieder trennte, ging der Kanal dann 2007 in dem neuen Sender RTL 8 auf.

In der Talpa Media Group mit Sitz in den niederländischen Orten Laren und Hilversum bündelte M. dagegen weiterhin seine vielfältigen und durch mehrere internationale Dependancen weltweit verteilten Medienaktivitäten und zeichnete für die Konzeption von internationalen TV-Erfolgsformaten wie insbesondere die in rund 150 Ländern der Welt ausgestrahlte Musikcastingshow "The Voice" (ab 2010) und deren Ableger "The Voice Kids" verantwortlich.

Rückkauf von EndemolIm Mai 2007 war es M. zusammen mit dem italienischen Medienkonzern Mediaset und anderen Partnern gelungen, die vom spanischen Telefónica-Konzern gehaltenen 75 % der Endemol-Anteile für nun nur noch 2,63 Mrd. Euro zurückzukaufen und das Unternehmen anschließend wieder von der Börse zu nehmen. In der Folgezeit blieb M. bei der von ihm gegründeten und - wie 2011 berichtet wurde - mit mehreren Mrd. Euro hoch verschuldeten Firma laut sueddeutsche.de (12.7.2014) "immer mal mehr, mal weniger über Investmentfirmen im Spiel", wobei sein Anteil auf nur noch wenige Prozente schrumpfte. Als sich aber 2014 die Übernahme des Konzerns durch US-Investor Apollo Global Management abzeichnete, sei für M. nach eigener Aussage "das Thema Endemol endgültig abgeschlossen" (DWDL.de, 4.4.2014). Noch im Laufe des Jahres 2014 wurde dann ein neues Joint Venture aus Apollos Endemol und CORE Media Group sowie der Shine Group von 21st Century Fox auf den Weg gebracht.

Umstrittene ShowformateIm Feuilleton sorgte Endemol, in der niederländischen Presse oft als "Spaßfabrik" betitelt, auch immer wieder für Kritik. So beschrieb DIE ZEIT (27.1.2000) M.s Fernsehen als Versuch, "Rituale neu zu inszenieren, sie dem Publikum näher zu bringen und ihren ernsten Kern, ihre kulturelle Funktion in den Formen des Unterhaltungsfernsehens aufzuheben und zu restaurieren". Im Herbst 1999 startete in den Niederlanden mit "Big Brother" ein neues Fernsehprojekt nach M.s eigenem Konzept: Neun Freiwillige ließen sich für 100 Tage in einem Haus ohne Verbindung zur Außenwelt einsperren und wurden dort rund um die Uhr von 24 Kameras und Richtmikrofonen überwacht. Das im In- und Ausland umstrittene Projekt, das in viele Länder, u. a. auch in die USA, verkauft wurde, kam beim Publikum an. In Deutschland erregte das Format großes Aufsehen. Während begeisterte Fans den Big-Brother-Wohncontainer umlagerten, beklagten Kritiker den Voyeurismus und mahnten den Schutz der Würde der Kandidaten an.

Für Schlagzeilen sorgte eine von Endemol entwickelte und am 1. Juni 2007 im holländischen Fernsehen ausgestrahlte "Große Spendershow", in der eine angeblich unheilbar kranke Frau entscheiden sollte, wer von drei Kandidaten nach ihrem Tod eine Spenderniere von ihr erhält. Die Show war bereits vor dem Sendetermin heftigst umstritten. Während der Sendung wurden die Zuschauer schließlich darüber aufgeklärt, dass das Ganze nur gespielt sei, es sich bei den Mitwirkenden um Schauspieler handele und man so auf die Problematik Organspende aufmerksam machen wolle.

Auch M. selbst war Gegenstand kritischer Pressebetrachtungen. So meinte der Journalist Nils Minkmar in der ZEIT (27.1.2000): "Er gilt vielen als skrupelloser und ein wenig brutaler Unternehmer, der im Interesse der Shareholder-Values in seinen Shows 'immer weiter geht' als die anderen". Die Frankfurter Rundschau (9.7.2008) urteilte: "Er mag privat ein Feingeist sein, Jazzliebhaber und kunstsinnig, dazu karitativ tätig, ohne es an die große Glocke zu hängen (...). Geschäftlich kennt der selbsternannte Familienmensch keine Verwandten. Seine Berufung ist Beruf, und das soll sich rechnen". M. selbst sagte über sich: "Ich mache Programme für Millionen, alles andere interessiert mich nicht" (sueddeutsche.de, 12.7.2014).

Weitere AktivitätenNeben seinem Endemol-Engagement war M., dessen Vermögen 2014 von Forbes auf etwa 2,1 Mrd. US$ geschätzt wurde, auch als Investor aktiv. So hatte er u. a. in den Telefonkonzern Versatel investiert und Aktien des britischen Fußballclubs Manchester United gekauft. Mit seiner Investmentgesellschaft Talpa Capital Holding erwarb er Anteile an dem Sportwagenhersteller Spyker Cars, am Kinder-TV-Sender Fox Kids Europe sowie am Medienunternehmen Jetix Europe. Im Frühjahr 2011 stieg er zusammen mit dem finnischen Medienkonzern Sanoma mit 33 % in das das holländische Geschäft der Sendergruppe ProSiebenSat1 für rund 1,2 Mrd. Euro ein, und 2014 beteiligte er sich mit Talpa Media an der sogleich in Talpa Germany umbenannten Axel-Springer-Tochter Schwartzkopff TV, die u. a. die exklusiven Rechte zur Koproduktion der Talpa-Formate wie "The Voice of Germany" für Deutschland hielt, ebenso wie die für 2015 via SAT.1 geplante Ausstrahlung des unstrittenden TV-Experiments "Utopia". In diesem auf ein Jahr angelegten Sozial-Experiment werden die Kandidaten rund um die Uhr von Kameras bei ihrer Aufgabe beobachtet, von Grund auf eine neue Gesellschaft zu erschaffen. Nachdem das Format in den Niederlanden Anfang 2014 mit großem Erfolg an den Start gebracht worden war und dann sogar in die Verlängerung ging, scheiterte die US-Adaption jedoch frühzeitig und wurde vom produzierenden Sender Fox nach weniger als zwei Monaten beendet.

12. März 2015: Die Talpa Media BV von John de Mol teilt mit, dass der britische Medienkonzern ITV plc das Unternehmen übernimmt. Als Transaktionssumme wird eine Anfangszahlung in Höhe von 500 Mio. Euro genannt, die sich jedoch abhängig von der Geschäftsentwicklung binnen acht Jahren bis zu maximal 1,1 Mrd. Euro erhöhen kann. De Mol soll bis 2023 weiterhin eng mit der Firma verbunden bleiben.

Familie

Aus M.s früherer Ehe mit Willeke Alberti stammt der Sohn Johnny (Carel) de Mol (geb. 1979), der bereits selbst eine Karriere als Fernsehschauspieler und -moderator gemacht hat. Nach seiner Scheidung lebte M. mit der Sängerin Marga Scheide (Mitglied der Gruppe "Luv") zusammen, später war er mit der Choreographin und Tänzerin Els Verberk liiert.

M., der als Junge bei den Gooise Boys in Hilversum Fußball spielte, ist Jazzliebhaber. Neben dem Mediengeschäft engagierte sich M. auch als Wohltäter.

Im Herbst 2014 wurde bekannt, dass M. und seine Schwester Linda Opfer einer Erpressung geworden waren. Im Dez. 2014 nahm die Polizei schließlich einen geständigen Tatverdächtigen fest, der offenbar mehr als ein Jahr lang in Briefen gedroht hatte, der Moderatorin und ihren Kindern etwas anzutun. Bereits 2005 war M. erpresst worden. Auch in diesem Fall konnte der Täter gefasst werden.

Werke

Produktionen M.s in Deutschland (vor 1994 John de Mol Produkties, dann Endemol und Talpa) u. a.: "Mini Playback Show" (89, RTL), "Traumhochzeit" (92; RTL), "Stadtklinik" (93; RTL), "Verzeih mir" (93; RTL), "Die 100.000 Mark Show" (93; RTL), "Nur die Liebe zählt" (93; RTL, 95; SAT.1), "Versteckte Kamera" (94; ZDF), "Glücksspirale" (96; SAT.1), "Notruf" (97; RTL), "ARD-Lottoshow" (98; ARD), "Wer wird Millionär" (99; RTL), "Big Brother" (00; RTL2), "Die Chance deines Lebens" (00; SAT.1), "Big Diet" (01; RTL2), "Domino Day" (01; RTL), "Hire or Fire – Der beste Job der Welt" (04; Pro7), "Deal or no Deal" (06; SAT.1), "The Voice of Germany" (11; ProSieben/SAT.1), "The Voice Kids" (13; SAT.1), "Utopia" (15; SAT.1).

Auszeichnungen

Auszeichnungen u. a.: Honorary Golden Rose (04), Deutscher Fernsehpreis für die Produktion "Wer wird Millionär?" (00), Bambi (00).

Mitgliedschaften

Mitgliedschaften/Ämter: M. war u. a. Vorsitzender der "Vereniging van Onafhankelijke Televisieproducenten" (Vereinigung Unabhängiger Fernsehproduzenten) und Mitglied des Aufsichtsrates des Fußballclubs Ajax Amsterdam.

Adresse

c/o Talpa Network, Bergweg 70, 1217 SC Hilversum, Niederlande, Tel.: +31 35 6252727, E-Mail: info@talpanetwork.com, Internet: https://talpanetwork.com



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