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MUNZINGER Personen

Ruth Kelly

britische Politikerin; Ministerin (2004-2008); Labour Party
Geburtstag: 9. Mai 1968 Limavady/Nordirland
Nation: Großbritannien

Internationales Biographisches Archiv 50/2008 vom 9. Dezember 2008 (la)


Blick in die Presse

Herkunft

Ruth Maria Kelly, kath., wurde am 9. Mai 1968 in Limavady in Londonderry (Nordirland) als eines von drei Kindern von Bernard James und Gertrude Anne Kelly geboren. Der Vater führte im nahen Ballykelly eine Apotheke, die Mutter war Grundschullehrerin. Während der Unruhen in Nordirland siedelte die Familie zunächst in die Republik Irland über, bevor sie nach England zog. K.s Großvater mütterlicherseits, Philip Murphy war als verurteilter IRA-Terrorist nach dem irischen Unabhängigkeitskrieg 1922-1924 zwei Jahre lang auf einem Gefängnisschiff in Belfast inhaftiert.

Ausbildung

K. besuchte die Sutton High School und anschließend mit einem Stipendium die Oberstufe der privaten Westminster School. Nach dem Schulabschluss studierte sie zunächst wie ihre beiden Brüder Medizin in Oxford, bevor sie nach sechs Monaten auf die Studienfächer Politik, Philosophie und Wirtschaft am dortigen Queen's College umsattelte. Ihrem Bachelor-Abschluss in Oxford folgte ein Masterstudiengang in Volkswirtschaft an der London School of Economics.

Wirken

Parallel dazu stellte sich K. 1990 ihrer ersten beruflichen Herausforderung als Journalistin im Wirtschaftsressort des linksliberalen "Guardian". Mit ihrem Faible für Zahlen und mathematische Genauigkeit sorgte sie bereits zwei Jahre nach Eintritt in die Wirtschaftsredaktion für Aufsehen in der Öffentlichkeit, da sie dem damaligen Finanzminister Norman Lamont nachweisen konnte, dass die Regierung in ihrem Haushalt gegen eigene Prinzipien verstieß. 1994 holte sie die Bank of England als stellv. Leiterin in die Redaktion des vierteljährlichen Inflationsreports.

Hochschwanger gewann K., seit 1990 Mitglied der Labour-Partei, bei den Unterhauswahlen am 1. Mai 1997 einen Abgeordnetensitz für den nordwestenglischen Wahlkreis Bolton West. Bei den Wahlen errang Labour mit 43,2 % der Stimmen und 418 von 659 Sitzen einen klaren Sieg und löste mit Premier Tony Blair die Konservativen an der Regierung ab. K., eines der sog. "Blair babes", wurde anschließend in den Sonderausschuss des Finanzministeriums gewählt. Elf Tage nach der Wahl zur Abgeordneten gebar sie ihr erstes Kind, was ihr den Ruf der "super mum" einbrachte.

Ein Jahr später ernannte sie Landwirtschaftsminister Nick Brown 1998 zu seiner Parlamentarischen Privatsekretärin. K. wurde zusätzlich Kommissionsmitglied des Politikforschungsinstituts zur Untersuchung privater Finanzierungsinitiativen. Unmittelbar an die Unterhauswahlen 2001 erfolgte für die junge aufstrebende Politikerin die Ernennung zur Wirtschaftssekretärin im Finanzministerium von Gordon Brown. Innerhalb des Ministeriums stieg sie binnen eines Jahres zur Finanzsekretärin auf und im Sept. 2004 wurde K. zur Ministerin des Kabinetts befördert. In dieser Funktion entwickelte sie für Labour zusätzlich die Wahlkampfstrategie für die 2005 anstehenden Unterhauswahlen.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Innenminister David Blunkett Mitte Dez. 2004 wurde K. im Rahmen einer dadurch notwendig gewordenen Kabinettsumbildung Ministerin für Bildung bzw. Erziehung. Darüber hinaus wurde sie in den Geheimen Rat berufen. Die Presse rühmte nach K.s Ernennung ihre Intelligenz, ihre Jugend und ihren Familiensinn. Auf Skepsis dagegen stieß ihr profunder Katholizismus. Sogar eine enge Beziehung zur erzkonservativen Vereinigung "Opus Dei" wurde ihr nachgesagt (vgl. RM, 10.2.2005). Mit K. fand Blair nach Beobachtermeinung jedoch für seine dritte Amtsperiode eine Befürworterin seines Regierungsstils nach christlich-ethischen Grundsätzen. Bei der Unterhauswahl am 5. Mai 2005 konnte sich Labour mit allerdings erheblichen Stimmenverlusten (35,7 %, 356 von 646 Sitzen) erneut die Mehrheit sichern. In Blairs neuem Kabinett behielt K., die ihr Mandat mit 42,4 % verteidigte, zunächst ihren Posten.

2006 konnte K. den höchst umstrittenen Gesetzesentwurf des auch wegen seiner Irak-Politik angeschlagenen Premiers zur Reform der Sekundarschulen nur mit Mühe durchs Parlament bringen. Gegen die von Blair als Kernstück seiner dritten Amtszeit bezeichnete Schulreform gab es im Vorfeld heftigen Widerstand von fast einem Drittel der Labour-Abgeordneten, so dass die Regierung bei den Abstimmungen im Unterhaus Mitte März und Ende Mai 2006 erstmals auf die Stimmen der konservativen Opposition angewiesen war. Das Gesetz sollte die lokalen Schulbehörden entmachten und den staatlichen Schulen mehr Eigenständigkeit bei ihrer Finanzierung und in der Verwaltung einräumen.

Zuvor hatte Blair auf die verheerende Niederlage von Labour bei den Kommunalwahlen Anfang Mai 2006 - mit 26 % der Stimmen landete man nur auf Rang drei hinter den Konservativen und den Liberaldemokraten - mit einer großen Kabinettsumbildung reagiert. Hierbei musste K. das Bildungsministerium an Alan Johnson abgeben. Stattdessen übernahm sie von dem entmachteten Vize-Premier John Prescott einen Teil von dessen Zuständigkeiten in einem neu strukturierten Ressort für Kommunales und Lokalverwaltung (Department for Communities and Local Government). Zudem wurde sie Frauenministerin.

Auch nach der Machtübergabe Tony Blairs an seinen innerparteilichen Rivalen Gordon Brown 2007 gehörte K. weiterhin der Regierung an. In Browns stark umgebildetem, am 28. Juni vereidigtem Kabinett wechselte sie allerdings an die Spitze des Verkehrsministeriums.

Im Sept. 2008 erklärte K. dann überraschend ihren Rücktritt vom Ministeramt. Die 40-jährige vierfache Mutter führte für ihre Entscheidung private und keine politischen Gründe an, sie wolle sich mehr um ihre Familie kümmern. Doch kamen auch Spekulationen auf, dass sie sich wegen eines umstrittenen Embryonen-Gesetzes zurückziehe. K. hatte sich gegen entsprechende Pläne des zunehmend in der Kritik stehenden Brown gestellt, der beim Labour-Parteitag in Manchester versuchte, aus seinem Tief zu kommen und anschließend (3.10.) sein Kabinett umbildete. Neuer Verkehrsminister und K.-Nachfolger wurde dabei Geoff Hoon.

Familie

K. ist seit 1996 mit Derek John Gadd verheiratet, der ihretwegen seinen Job aufgab. Neben ihrer steilen politischen Karriere brachte sie 1997-2003 vier Kinder (einen Sohn, Eamon, und drei Töchter, Sinead, Roisin und Niamh) zur Welt und schaffte scheinbar mühelos den Balanceakt zwischen Privatleben und Job. Wie DIE WELT (21.12.2004) urteilte, schärften die Vielfachgeburten eher "ihre geradezu geniale Begabung für äußerste Disziplin". Freunde scherzten hingegen, sie müsse eine Doppelgängerin haben, wie sonst hätte K. Familienleben und Karriere so lange unter einen Hut bringen können. Ihre Freizeit verbringt K. mit ihrer Familie, mit Schwimmen und Spaziergängen.

Werke

Veröffentlichungen u. a.: "Taxing the Spectator" (93), "Europe" (99), "Reforming the Working Family Tax Credit: How An Integrated Child Credit Could Work for Children and Families" (00), "The Progressive Century" (01).

Mitgliedschaften

Mitgliedschaften: House of Commons Treasury Select Committee (97-98), Council of Man. National Institute for Economic and Social Research (98-01), Royal Economic Society Council (99-01), Fabian Society, Gewerkschaft AMICUS.

Adresse

c/o House of Commons, London, SW1A 0AA, Großbritannien, Tel.: +44 20 7219 3496, Fax: +44 20 7219 2211, E-Mail: kellyr@parliament.uk, Internet: www.ruthkellymp.com



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