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Ute Lemper

Ute Lemper

deutsche Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin
Geburtstag: 4. Juli 1963 Münster
Nation: Deutschland - Bundesrepublik

Internationales Biographisches Archiv 41/2021 vom 12. Oktober 2021 (fe)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 24/2023


Blick in die Presse

Herkunft

Ute Lemper wurde am 4. Juli 1963 als Tochter eines Bankkaufmanns und einer Opernsängerin in Münster/Westfalen geboren. Die Eltern waren streng katholisch. In einem Interview nach ihrer Heimatstadt befragt, bezeichnete sich L. als "unheimlich froh, aus dieser ganzen autoritären, hemmenden und beengenden Welt herauszukommen" (vgl. www.kultur-fibel.de, o. D.). L. hat einen älteren Bruder Martin.

Ausbildung

Früh erhielt L. Klavier- und Ballettunterricht. Als Schülerin spielte sie im Münsteraner Stadttheater und trat gelegentlich mit Songs von Ella Fitzgerald auf. Mit 15 gründete sie ihre erste eigene Band. Nach dem Abitur 1982 in Münster ging sie ans Wiener Max Reinhardt Seminar und studierte Schauspiel. Außerdem besuchte sie die Tanzakademie in Köln.

Wirken

Durchbruch als Musical-StarPeter Weck engagierte L. im Sept. 1983 für das Musical "Cats" in Wien. Nach 300 Aufführungen, in denen sie als Katze Bombalurina aufgetreten war, ging sie nach Berlin, wo sie am Theater des Westens die Titelrolle im Musical "Peter Pan" übernahm und zusammen mit Nicole Heesters und Ingrid Caven in einer Kurt-Weill-Revue auftrat. 1985 verpflichtete Jérôme Savary sie für seine Revue "Bye Bye Show Biz" und nahm sie im April 1986 nach Lyon zur Einstudierung von "Cabaret" mit. In der Rolle der Sally Bowles feierte sie im Düsseldorfer Schauspielhaus und schließlich ein Jahr lang bis Febr. 1988 im Pariser "Mogador" große Erfolge. L. wurde als "Entdeckung des Jahres" umjubelt und mit dem Pariser Theaterpreis "Molière" geehrt.

Als "zweite Marlene Dietrich" hoch gelobt, bahnte sich in der Folgezeit für  L. eine glanzvolle internationale Karriere an. In Deutschland stieß sie 1988 mit ihren Kurt-Weill-Chansonabenden noch auf große Resonanz, wurde dann aber zunehmend kritisiert und überzeugte auch mit ihrer TV-Personality-Show "Hier bin ich" nach Beobachtermeinung nicht. Dem Karrieretief hierzulande standen ungeschmälerte Triumphe im Ausland gegenüber. 1989 nahm L. in Großbritannien mit dem London Symphony Orchestra "Die sieben Todsünden" und nahezu alle anderen Weill-Kompositionen auf. Diese Platte verkaufte sich 250.000-mal und eroberte sogar die amerikanischen Charts. In den USA machte ihre LP "Crimes of the Heart" Furore. Im selben Jahr kam in Frankreich, wo sie zwischen 1988 und 1992 fünf Filme drehte, darunter Pierre Granier-Deferres Biopic "L'Autrichienne" mit ihr als Marie Antoinette in die Kinos und stieß auf viel Beifall. Das Jahr 1991 bescherte ihr in Paris mit der Hauptrolle in Maurice Béjarts Ballett "La mort subite" einen weiteren großen Erfolg.

Verrisse in DeutschlandMit Michael Nymans Vertonungen von Versen von Rimbaud, Shakespeare und Paul Celan meldete sich die Künstlerin 1992 in Deutschland zurück, um dann als Lola im von Peter Zadek und Jérôme Savary im Berliner Theater des Westens inszenierten Remake des "Blauen Engel" schließlich erneut heftig verrissen zu werden. Obwohl meist ausverkauft, wurde die Aufführung etwa in der Süddeutschen Zeitung als "drittklassige Tingeltangel-Schnurre" abgetan, sie selbst sah sich als "Barbie-Puppe" etikettiert (SZ, 31.5.1992). Im Rückblick analysierte der Tagesspiegel (2.3.2003) L.s Kampf mit der deutschen Kritik so: "...es wirkt schon seltsam, wie hart der Ton damals oft war. Es gab wohl etwas an der jungen Lemper, das provozierend wirkte: Sie wehrte sich. Sie schimpfte zurück. Die verletzliche, dünnhäutige, unsouveräne Diva, diese Rolle ist im Spiel nicht vorgesehen."

1993 begann sich für L. in Deutschland das Blatt zu wenden. Ihr Programm "Illusions" mit Chansons von Edith Piaf, Georges Moustaki und Jacques Prévert sowie Liedern von Kurt Weill und Friedrich Hollaender regte nicht nur in den USA zu Vergleichen mit "der Streisand, der Vaughan oder der Garland" an, und die 1993 im Hamburger Schauspielhaus begonnene Deutschlandtournee nahm das Feuilleton mit Beifall auf. Die Frankfurter Rundschau (13.3.1993) sah sich nach einer Darbietung in der Alten Oper zur Buße genötigt: "Nach diesem Abend muss man der von der einheimischen Kritik gnadenlos gebeutelten Ute Lemper Abbitte leisten", in Deutschland sei sie "die überragende Könnerin der Unterhaltungskunst".

Danach wandte sich L. neuen Genres zu. So wirkte sie 1994 Robert Altmans Kinofilm "Prêt-à-Porter" mit, in dem sie - in Erwartung ihres Sohnes Max - als schwangeres Model auftrat. 1995 arbeitete sie u. a. an einer CD-Reihe zum Thema "Entartete Musik" der zwanziger und dreißiger Jahre. 1998 erhielt sie für ihre Rolle der Velma in dem von der Fachkritik enthusiastisch gefeierten Londoner Musical "Chicago" den renommierten Laurence Olivier Award. Ende Sept. 1998 gab sie mit diesem Erfolgsmusical ihr Debüt am Broadway und wurde damit weltweit berühmt. Die New York Times (vgl. WELT, 20.11.2002) bezeichnete sie als "heißesten deutschen Import seit dem Volkswagen".

Eigene Shows und neue CDs ab 2000Bereits im Jahr darauf schloss L. trotz der großen Erfolge ihre Musical-Karriere ab mit der Begründung, des Genres überdrüssig zu sein. Stattdessen konzentrierte sie sich auf eigene Shows, in denen aber die deutsche Musik aus der Zeit der Weimarer Republik ein zentrales Element blieb. Zum gleichen Zeitpunkt ließ sich die Sängerin, der die Fachpresse immer wieder ein schwieriges Verhältnis zu ihrer deutschen Heimat nachsagte (vgl. u. a. Stgt. Z., 2.12.2011) in New York City nieder. Nach 15 Platten, die überwiegend historisches Material enthielten, versuchte L. im Jahr 2000 einen Imagewechsel und bewegte sich mit ihrem neuen Rock-Album "Punishing Kiss" nach Meinung des Hamburger Abendblatts (25.-31.5.2000) "in Richtung Gegenwart". Hochkarätige Songwriter wie Nick Cave, Tom Waits, Elvis Costello, Philip Glass u. a. schrieben die Songs, die sie im Mai 2000 auf einer Konzerttournee auch in Deutschland vorstellte. Die Kritik reagierte auf L.s Rollenwechsel eher gespalten und empfand ihren Gesang als zu perfekt im Verhältnis zu den rockigen Liedern. "Als Tragödin mit Bühnenpathos ist Ute Lemper überzeugender als in der Intimität, die ihre neuen Lieder fordern", meinte die Frankfurter Rundschau (28.4.2000).

In "Joe's Pub" in New York, einem renommierten Jazz-Club in Manhattan, präsentierte L. 2002 ihr neues Programm "Blood and Feathers", eine Reise durch exotisches Kabarett mit Liedern von Weill, Brel, Piazzolla, Brecht und L. selbst. Gleichzeitig waren im deutschen Konsulat in New York großformatige Ölbilder der Künstlerin, die sich 1990-2003 auch der Malerei widmete, zu sehen. Auch mit ihrer nächsten Platte "But One Day" (2002) trieb L. ihre musikalische Weiterentwicklung voran und sang neben populären Klassikern wie Jacques Brel oder Astor Piazzolla selbstbewusst fünf Eigenkompositionen. In der Einschätzung der Kritiker hatte die Sängerin L. inzwischen ihr großes Vorbild Marlene Dietrich weit hinter sich gelassen (vgl. u. a. WELT, 23.1.2004).

Weiterhin nahm L. regelmäßig CDs auf (2008 "Between Yesterday and Tomorrow" mit selbst geschriebenen Stücken, 2012 "Paris Days - Berlin Nights") und ging mit Liederprogrammen auf Tournee, u. a. mit einem Programm mit Gedichten von Charles Bukowski, die sie selbst vertont hatte. 2011 war sie mit ihrer "Lost Tango-Tour" in Begleitung des Piazzolla-Sextetts aus Buenos Aires auch in Deutschland unterwegs und überzeugte nach Kritikermeinung mit ihrer Hommage an den argentinischen Tanz. Im Jahr darauf sang sie Kurt Weills "Sieben Todsünden" beim Musikfest im Stuttgarter Theaterhaus. Die Stuttgarter Zeitung (8.9.2012) attestierte L. "eine ungeheure künstlerische Wucht und Bühnenpräsenz" sowie "eine große Fülle der Ausdrucksmöglichkeiten". In ihrer Heimatstadt New York sang sie regelmäßig auch auf kleinen Bühnen und in Cafés Lieder aus dem Kurt-Weill-Repertoire.

2014 erschien ein Album, für das L. Liebesgedichte des chilenischen Poeten Pablo Neruda vertont hatte. 2015 folgten "The 9 Secrets", basierend auf dem Buch "Die Schriften von Accra" (2012) des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho und "Songs for Eternity" mit jiddischen Liedern, die in Ghettos und Konzentrationslagern entstanden waren. 2017 startete ihr Konzertprogramm "Last Tango in Berlin", 2020 "Rendezvous mit Marlene", eine Hommage an Marlene Dietrich, basierend auf einem dreistündigen Telefongespräch im Jahr 1988, von dem L. sagte "Das war eigentlich ein Monolog. Die Marlene hat geredet, ein Monolog. Ich war damals noch sehr jung, konnte das gar nicht richtig verarbeiten, aber einiges ist doch klebengeblieben: ihre Stimmung, ihre Bitterkeit, ihre Melancholie, ihre Traurigkeit bezüglich Deutschland und ihre gebrochene Beziehung zu Deutschland" (www.deutschlandfunkkultur.de 2.12.2020). Zahlreiche für Deutschland angekündigte Auftritte mussten allerdings wegen der seit Anfang 2020 grassierenden Corona-Pandemie abgesagt werden.

Familie

L. hat aus erster Ehe (1994-2001) mit dem amerikanischen Künstler David Benjamin Tabatsky Sohn Max (*1994) und Tochter Stella (*1996). Seit 1999 lebt L. in New York City. 2011 heiratete sie nach langjähriger Beziehung den Musikproduzenten Todd Turkisher, der sie auf ihren Tourneen als Schlagzeuger begleitet und ihre Lieder produziert. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne, Julian (*2005) und Jonas (*2011).

Werke

Musical-/Film-/TV-Rollen u. a.: "Cats" (83), "Peter Pan" (84), "Bye Bye Show Biz" (85), "Cabaret" (86), "Das Erbe der Guldenburgs" (87; TV-Serie), "L'Autrichienne" (89), "Jean Galmot, aventurier" (90; dt. "Flammen über Cayenne"), "Prospero's Books" (91; dt. "Prosperos Bücher"), "La mort subite" (91), "Alles ... nur nicht Mozart!" (91; TV), "Moscou Parade" (92), "Der blaue Engel" (92), "Coupable d'innocence" (93), "Prêt-à-Porter" (94), "Bogus" (96; dt. "Mein phantastischer Freund"), "Combat de fauves" (97; dt. "Der Mann im Lift"), "River Made to Drown in" (97; dt. "Dark Moments – Im Angesicht des Todes" ), "Chicago" (98), "Aurélien" (03; TV, dt. "Die Unbekannte von der Seine"), "Nomade Ute Lemper" (03; TV) "Rendezvous mit Marlene" (20; TV).

Tonträger u. a: "Ute Lemper sings Kurt Weill" (88), "Crimes of the Heart" (88), "The Three Penny Opera" (90), "Michael Nyman Songbook" (91), "Illusions" (92), "Ute Lemper sings Kurt Weill - Vol. 2" (93), "Espace Indecent" (95), "City of Strangers" (95), "Berlin Cabaret Songs" (96), "Kurt Gerrons Karussell" (98), "Punishing Kiss" (00), "But One Day" (02), "Blood & Feathers" (06), "Between Yesterday and Tomorrow" (08), "Paris Days - Berlin Nights" (12), "Forever – The Love Poems of Pablo Neruda" (13), "The 9 Secrets" (15), "Songs for Eternity" (15), "Last Tango in Berlin" (17), "Rendezvous mit Marlene" (20).

Veröffentlichung: "Unzensiert" (95; Autobiographie).

2022: Ute Lemper: "Time Traveler". Jazzhaus (2022).

Literatur

Filme u. a.: Porträt "Ute Lemper - Erfolgreich gegen den Strom" (99), Dokumentation "Ute Lemper - There is no Paradise" (02), "Rendezvous mit Marlene" (20; Musikfilm).

13. Juni 2023: Ute Lemper: "Die Zeitreisende: Zwischen Gestern und Morgen". Autobiographie (2023).

Auszeichnungen

Auszeichnungen u. a.: "Prix Molière" (87), Preis der Deutschen Schallplattenkritik für ihre Weill-Lieder (87), Goldene Europa '87, Bambi-Preis (88; wegen der Berichterstattung der "Burda"-Blätter zurückgegeben), Großer Chanson-Preis der französischen Schallplatten-Akademie Charles Gros (93), Laurence Olivier Award (98), Musical Theater Preis, Ehrenpreis (17).

Adresse

Internet: www.utelemper.com

c/o Boris Orlob Management, Jägerstraße 70, 10117 Berlin, Tel.: 030 20450839, E-Mail: info@orlob.net, Internet: www.orlob.net

c/o Meistersinger Konzerte & Promotion GmbH, Alexanderstraße 9, 10178 Berlin, Tel.: 030 25391621, E-Mail: info@msk-live.de, Internet: www.msk-live.de



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