Dem westdeutschen Zweitligaklub GWD Minden glückte zum Saisonbeginn 1987/88 ein sensationeller Transfer, der den Traditionsklub (früher Grün-Weiß Dankersen) schlagartig zum Mitfavoriten für den Bundesligaaufstieg werden ließ: Jovica Cvetkovic, Mitglied des jugoslawischen Weltmeister-Teams von 1986 und von Fachjournalisten nach der WM für eine fiktive Weltauswahl nominiert, wechselte zu den Westfalen.
Der 1,90 m große Rückraumspieler ist vor allem ein sehr erfolgreicher Werfer. Bereits viermal wurde er Torschützenkönig der 1. Liga Jugoslawiens und in der "ewigen" Torjägerliste seines Heimatlandes, das zu den absoluten Weltmächten im Handballsport gehört, rangiert er auf dem dritten Platz. Aber nicht nur seine Wurfkraft, sondern auch seine Spielmacherqualitäten, seine hervorragende Technik, seine enge Ballführung, seine Körpertäuschungen und seine Sicherheit beim Ausführen von Siebenmetern machen ihn zu einem der weltbesten Spieler. Daß ihm sein Mindener Trainer Fritz Spannuth gelegentlich "undisziplinierte Spielweise" und "zu langes Ballhalten" vorwirft, ist für den Linkshänder Cvetkovic ein Indiz für ein Grundübel im bundesdeutschen Handball: "In Deutschland werden die jeweiligen individuellen Stärken der Spieler nicht genug gefördert. Sie werden zu früh in eine Schablone, in ein Konzept gesteckt."
Jovica Cvetkovic ist verheiratet und hat mit seiner Frau Radmilla, einer 50fachen Nationalspielerin, einen Sohn. Bei seinem Umzug in die Bundesrepublik brachte Cvetkovic auch seinen Vater mit.
Laufbahn
Jovica Cvetkovic begann als Zehnjähriger mit dem Handballspielen. Als schon früh entdecktes Ausnahmetalent durchlief er sämtliche Auswahlmannschaften Jugoslawiens und kam so auf 50 Jugend- und Juniorenländerspiele. 1979 nahm er mit der Junioren-Auswahl an der Weltmeisterschaft in Dänemark und Schweden teil und belegte mit der Mannschaft den zweiten Platz. Mit 29 Treffern war er wesentlich am Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft beteiligt. Im darauffolgenden Jahr gehörte Jovica Cvetkovic zum Aufgebot Jugoslawiens bei den Olympischen Spielen von Moskau. In fünf Spielen erzielte er 15 Tore und wurde mit seinem Team Sechster. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in der Bundesrepublik fehlte er dann ebenso wie bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles.
Den internationalen Durchbruch schaffte Jovica Cvetkovic, der inzwischen rund 100 Länderspiele für sein Heimatland bestritten hat, erst Anfang 1986 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Mit 37 Treffern war er der erfolgreichste Werfer des neuen Weltmeisters (und achter der Torschützenliste) und galt als der beste Linkshänder der Welt. Nach der Weltmeisterschaft wurde er wie die meisten seiner Mannschaftskameraden von Klubs aus ganz Europa umworben. Doch alle Bewerber bemühten sich zunächst vergebens, denn Cvetkovic mußte erst seine Wehrpflicht in Rijeka absolvieren. Danach liebäugelte er eigentlich mit einem Wechsel nach Spanien, landete auf Vermittlung seines Landsmannes Vitomir Arsenejevic (Trainer TuS Hofweier) dann aber beim deutschen Zweitligisten GWD Minden. Bei den Westfalen wurde der jugoslawische Ausnahmespieler seiner Ausnahmestellung schnell gerecht und er setzte sich bald an die Spitze der Torjägerliste der zweiten Liga Nord.
Für den jugoslawischen Nationaltrainer Arslanagic ist Jovica Cvetkovic eine feste Größe für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul. Danach will er seine internationale Karriere beenden, aber "noch ein paar Jahre in Deutschland, vielleicht auch in Italien oder Spanien" spielen. Das erste Ziel ist jedoch der Aufstieg mit GWD Minden in die erste Bundesliga.