Martin J. Hillenbrand
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Internationales Biographisches Archiv
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW
Martin J. Hillenbrand wurde am 1. August 1915 in Youngston/Ohio geboren und ist deutscher Abstammung. In seinem Elternhaus wurde noch deutsch gesprochen; er selbst spricht fließend Deutsch. Er studierte an der Dayton University bis 1937, anschließend an der Columbia-University in New York, an der er 1938 einen Mastergrad erlangte. An der gleichen Hochschule hat er 1948 zum Ph.D. promoviert, außerdem hat er 1949-50 noch weitere Studien an der Harvard-Universität getrieben.
Zu dieser Zeit war er bereits ein Jahrzehnt im Auswärtigen Dienst der USA, in den er 1939 eintrat. 1939 war er Vizekonsul in Zürich, 1940 ging er in gleicher Eigenschaft nach Rangun, 1942 nach Kalkutta, 1944 nach Lourenco Marques in Ostafrika.
Im Oktober 1945 kam er als Vizekonsul nach Bremen, wo er 1946 Konsul wurde. Von 1950-52 war er im State Department in Washington in leitender Stellung im Deutschlandreferat tätig. Anschließend ging er für vier Jahre als erster Botschaftssekretär nach Paris. Danach war er bis 1958 politischer Berater in Berlin. Von 1958-62 leitete er das Deutschlandreferat im State Department und von 1962-63 den "Krisenstab Berlin". In jenen Jahren erwarb sich H. höchstes Ansehen im Washingtoner Regierungsapparat und begann eine steile Karriere: mit 47 Jahren erhielt er den begehrten persönlichen Gesandtentitel und ging kurz darauf als Gesandter der amerikanischen Botschaft nach Bonn, wo er von 1963-67 in dieser Eigenschaft gewirkt hat. Gleichzeitig war er in diesen vier Jahren Vorsitzender der Fulbright-Kommission für Deutschland. Als die diplomatische Vertretung der USA in Ungarn im Jahr 1967 zum erstenmal nach 1956 wieder in den Rang einer Botschaft erhoben wurde, übernahm H. den Posten des Botschafters. 1969 berief ihn Präsident Nixon zum Leiter der Europa-Abteilung des amerikanischen Außenministeriums, mit dem Titel eines Unterstaatssekretärs.
Die Ernennung H.s zum US-Botschafter in Bonn im April 1972 war für die Bundesrepublik eine Auszeichnung und für den Karrierediplomaten H. die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. H. hatte als Leiter der Europaabteilung des State Department die deutsche Ostpolitik zunächst mit vorsichtiger Zurückhaltung beobachtet, galt aber dann als ein Befürworter der Ratifizierung der Ostverträge. Der Stimmungsumschwung kam mit der Unterzeichnung des Vier-Mächte-Abkommens über Berlin. H. hatte hier aus persönlicher Kenntnis der Problematik der geteilten Stadt auf eine eindeutige und klare amerikanische Verhandlungsposition bei den Vier-Mächte-Gesprächen gedrängt und vor neuen Konzessionen an die Sowjets gewannt. H. und der gleichzeitig in Bonn amtierende Botschafter Falin kennen sich aus den Jahren des diplomatischen Ringens in Berlin.
H. hielt nichts von lautem Auftreten, von "public relations" an Universitäten oder in Akademien, von gesellschaftlicher Geschäftigkeit, die über politische Schwierigkeiten hinwegtäuschen soll. Er ist ein nüchterner Analytiker, der seine sorgsam ausgewogenen, wie an einer Kette aufgereihten Ergebnisse und Wertungen immer wieder überprüft.
Aus dieser Wesensart heraus war H. relativ selten aus der Reserve des Diplomaten herausgetreten. Lediglich im Wirtschaftsbereich wurden Äußerungen H.s notiert, in denen er gegen "vernunftwidrige und diskriminierende Schranken, gegen die notwendige Ausweitung des amerikanischen Exporthandels" Stellung nahm. Im politischen Bereich war seine Amtszeit von einer weitgehenden Übereinstimmung beider Regierungen in der Beurteilung wichtiger Fragen gekennzeichnet.
Altershalber trat H. im Spätherbst 1976 in den Ruhestand. Nachfolger auf dem Botschafterposten in Bonn wurde der bisherige USA-Botschafter in Moskau, Walter Stoessel.
Veröffentlichungen: "Power and Morals" (48), und "Zwischen Politik und Ethik" (Ko-Autor; 68).
H. war mit Faith, geb. Stuart, der Tochter eines methodistischen Missionars (damals in Rangun lebend), verheiratet und hatte eine Tochter und zwei Söhne. Hobbys: Lektüre, Wandern, Golfspiel.
1998: