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MUNZINGER Personen

Georgi Dobrowolski

Kosmonaut
Geburtstag: 1. Juni 1928 Odessa
Todestag: 29. Juni 1971
Nation: Sowjetunion

Internationales Biographisches Archiv 37/1971 vom 6. September 1971


Blick in die Presse

Wirken

Georgi Dobrowolski wurde am 1. Juni 1928 in Odessa geboren. D. wollte eigentlich zur See fahren, doch er wurde nicht angenommen. Dann verlegte er sich auf die Fliegerei - mehr zufällig, denn er folgte einem Freund, der in eine Fliegerschule eintrat. 1946 beendete er die Ausbildung an einer Spezialschule der Luftstreitkräfte. Danach besuchte er die Militärpilotenschule in Tschugujew, die er 1950 absolvierte.

D. diente dann in den sowjetischen Luftstreitkräften als Jagdflieger. 1954 wurde er Mitglied der KPdSU. Während seines Dienstes als Pilot besuchte er bis 1961 die Akademie der Luftstreitkräfte. Seine einzige Passion war das Fliegen. Ohne Fliegen, so bekannte er wiederholt, konnte er sich das Leben nicht vorstellen. Er absolvierte 111 Fallschirmsprünge.

Nachdem D. in die Gruppe der Kosmonauten aufgenommen worden war, absolvierte er erfolgreich einen Lehrgang zur Vorbereitung auf Weltraumflüge.

Am 6. Juni 1971 startete D. als Kommandant des Raumschiffes "Sojus 11". An Bord waren mit ihm Testingenieur Patsajew (siehe bes. Blatt) und Flugingenieur Wolkow (siehe bes. Blatt). Die drei Kosmonauten koppelten einen Tag später ihr Raumschiff mit dem Laboratorium "Salut" zusammen, das bereits seit dem 19. April 1971 die Erde umrundet, zur ersten wissenschaftlichen Raumstation zusammen. An "Salut" hatte bereits am 24. April 1971 das Raumschiff "Sojus 10" festgemacht, doch wurde die Kopplungen bereits nach fünfeinhalb Stunden gelöst, ohne daß einer der damaligen drei Kosmonauten in die Station umgestiegen war. 48 Stunden nach seinem Start landete "Sojus 10" bereits wieder auf der Erde. Im Westen wurde vermutet, daß es bei diesem Unternehmen Schwierigkeiten gegeben hat.

Der zweite Versuch mit "Sojus 11" gelang. Nach dem Ankoppeln am 7. Juni 1971 stiegen die drei Kosmonauten in die Station um. D., Patsajew und Wolkow beobachteten und fotografierten die Erde, richteten astrophysikalische Geräte auf Fixsterne und stellten insbesondere medizinische Untersuchungen an. Die ersten Weltraumarbeiter erledigten täglich ein enormes Arbeitspensum. Sie kümmerten sich um ein Mini-Blumenbeet, das sie an Bord hatten, lieferten ihre Fernsehschau, trieben fast zwei Stunden Gymnastik, um sich an die Bedingungen der Schwerelosigkeit zu gewöhnen und sendeten Grußbotschaften an alle Kontinente. Mit 23 Tagen und 18 Stunden stellten sie einen neuen Rekord im bemannten Raumflug auf, doch schienen sie nicht mehr als die üblichen, durch Schwerelosigkeit bedingten Schwierigkeiten zu haben. Während der Fernsehübertragungen wirkten sie wohlauf.

Nachdem sie sich noch kurz vor dem Eintauchen in die Erdatmosphäre gemeldet hatten, riß nach Brennschluß der Bremsraketen der Kontakt mit der Erde ab, was bereits als beunruhigend empfunden wurde. Dennoch kamen die drei Kosmonauten am 29. Juni 1971 während der ordnungsgemäß erfolgten, weichen Landung ihres Raumschiffs auf der Erde ums Leben. Sie wurde von der Bergungsmannschaft tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Wenige Tage später berichtete der sowjetische Journalist Victor Louis in einem englischen Boulevardblatt, die 13köpfige Untersuchungskommission habe die wahrscheinliche Unfallursache schon geklärt: Eine von den Kosmonauten nachlässig verschossene Luke habe sich durch Erschütterung (etwa beim Abtrennen des Geräteteils) geöffnet. Der plötzliche Druckabfall und Sauerstoffmangel hätten den Tod der drei Kosmonauten herbeigeführt. So ähnlich lautete auch die spätere offizielle Erklärung. Offenbar hat das bislang schwerste Unglück im Weltraum nichts mit der Fähigkeit des Menschen, die Folgen wochenlanger Schwerelosigkeit zu ertragen, zu tun. Dieser Ansicht war übrigens auch der amerikanische Astronauten-Chefarzt Charles Berry (siehe Spiegelgespräch Nr. 28/71).

Den toten Kosmonauten, die zu Helden der Sowjetunion erhoben wurden, bereitete die UdSSR ein feierliches Staatsbegräbnis. Ihre Urnen wurden an der Kreml-Mauer beigesetzt.

D. hinterläßt seine Frau Ludmilla, die an der Universität Leningrad studiert hat und Mathematiklehrerin ist, und seine beiden Töchter Maria und Natascha, 12 bzw. 4 Jahre alt.

Georgi Dobrowolski



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