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John Thune

John Thune

amerikanischer Politiker; Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat
Geburtstag: 7. Januar 1961 Pierre/SD
Nation: Vereinigte Staaten von Amerika (USA)

Internationales Biographisches Archiv 11/2025 vom 11. März 2025 (fl)


Blick in die Presse

Herkunft

John Randolph Thune wurde am 7. Jan. 1961 in Pierre (South Dakota) geboren und wuchs mit vier Geschwistern in Murdo auf. Seine Mutter war Schulbibliothekarin und stammte aus Kanada. T.s Vater, der 100 Jahre alt wurde, arbeitete als Lehrer und Basketball-Trainer; er war der Sohn eines Immigranten aus Norwegen.

Ausbildung

Wie sein Vater war auch T. in der Jugend ein exzellenter Sportler (u. a. Basketball und Leichtathletik). Nach Abschluss der Jones County High School 1979 studierte er an der privaten christlichen Biola University in Kalifornien, wo er 1983 den Bachelor-Grad als Betriebswirt erwarb. 1984 erlangte er an der University of South Dakota den MBA-Abschluss (Master of Business Administration).

Wirken

Politische AnfängeBei einem Highschool-Basketballturnier begegnete T. dem republikanischen Kongressabgeordneten James Abdnor, der sein Mentor wurde und 1981-1987 im US-Senat den Bundesstaat South Dakota vertrat. T. war ab 1985 als dessen Mitarbeiter im Senat tätig und folgte Abdnor 1987, als dieser zum Leiter der Small Business Administration in Washington/DC ernannt wurde, einer Behörde zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen. 1989 kehrte T. in seine Heimat zurück, wo er zunächst Geschäftsführer der Republican Party in South Dakota wurde, 1991-1993 als Direktor der staatlichen Eisenbahnverwaltung fungierte und danach bis 1996 Geschäftsführer der South Dakota Municipal League war, einer überparteilichen Einrichtung zur Förderung der Kommunen.

Bei den US-Kongresswahlen 1996 gewann T. mit 58 % der Stimmen das Mandat für South Dakota im Repräsentantenhaus, wo der Prärie-Bundesstaat aufgrund der niedrigen Bevölkerungszahl nur über einen einzigen Sitz verfügte. 1998 und 2000 wurde er mit 75 % bzw. 73 % wiedergewählt, schied aber wie versprochen Anfang 2003 nach drei Legislaturperioden als Abgeordneter aus.

US-Senator für South DakotaBei den Kongresswahlen vom Nov. 2004 holte T. im zweiten Anlauf eines der beiden Mandate seines Heimatstaates im US-Senat und eroberte den früher von Abdnor gehaltenen Sitz zurück, indem er den damaligen Fraktionschef der Demokraten, Tom Daschle, knapp mit 51:49 % besiegte. Seine Wiederwahl 2010 gewann der populäre, telegene T. ohne Konkurrenz, bei nachfolgenden Senatswahlen wurde er mit 72 % (2016) bzw. 70 % (2022) für weitere sechs Jahre bestätigt. Als evangelikaler Christ positionierte er sich gegen Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehen, wurde insgesamt aber dem moderaten Establishment in seiner Partei zugerechnet. In der Senatsfraktion übernahm er Führungsaufgaben als stellv. Fraktionsgeschäftsführer (Chief Deputy Whip) ab 2007, als Vorsitzender des Republican Policy Committee (ab 2009) und schließlich als Republican Conference Chairman (2012-2019). Als Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel, Wirtschaft und Verkehr (2015-2019) handelte er mehrere überparteiliche Kompromisse aus.

Im Jan. 2019 stieg er zum Geschäftsführer der Mehrheitsfraktion (Majority Whip) unter dem langjährigen Fraktionschef Mitch McConnell auf und behielt seine Funktion als "Minority Whip", als die Republikaner nach der Senatswahl vom Nov. 2020 in der Minderheit waren.

Ebenfalls im Nov. 2020 gewann der Demokrat Joe Biden die US-Präsidentenwahl gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump. Dieser erkannte seine Niederlage nicht an, sprach wahrheitswidrig von Wahlbetrug und stachelte seine Anhänger zu Protesten an, die am 6. Jan. 2021 das Kapitol stürmten, um die Kongress-Sitzung zu stören, in der Bidens Wahlsieg formell zertifiziert wurde. Trump war der erste US-Präsident, gegen den gleich zweimal vom Kongress eine Amtsenthebungsklage (Impeachment) eingeleitet wurde, die zweite lautete auf "Anstiftung zum Aufruhr". Für das Urteil war der Senat zuständig, die entscheidende Sitzung beraumte McConnell jedoch erst im Febr. 2021 an, nach der Inauguration Bidens, und gab dann die Losung aus, das Verfahren sei verfassungswidrig, weil Trump nicht mehr im Amt sei. Er warf Trump in einer Rede allerdings vor, für den Kapitolsturm verantwortlich zu sein. Letztlich stimmten nur sieben Republikaner mit den Demokraten im Senat für einen Schuldspruch, womit die Zweidrittelmehrheit verfehlt wurde, die Trumps Ausschluss von künftigen politischen Ämtern ermöglicht hätte. T. galt als enger Verbündeter McConnells und votierte ebenfalls gegen eine Verurteilung, machte sich aber Trumps Wahlbetrugslüge nicht zu eigen und widersprach ihr sogar (vgl. SZ, 15.11.2024).

McConnells Strategie, die Partei von Trump wegzuführen, ohne die Basis zu verprellen, wo der Rechtspopulist weiterhin großen Rückhalt genoss, ging am Ende nicht auf. Bei den Kongress-Zwischenwahlen 2022 schnitten von Trump unterstützte radikale Bewerber/innen zwar schlechter ab als erwartet, T. selbst blieb hierbei unangefochten von Versuchen des Ex-Präsidenten, parteiinterne Konkurrenz zu mobilisieren. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 trat Trump jedoch erneut an und entschied die Vorwahlen seiner Partei für sich. T. hatte im Vorwahlkampf seinen Fraktionskollegen Tim Scott unterstützt, der aber frühzeitig aufgab. Obwohl gegen Trump vier Strafverfahren liefen und er in einem sogar verurteilt wurde (wegen Bilanzfälschung), gewann er auch die Präsidentenwahl am 5. Nov. 2024 gegen die amtierende Vizepräsidentin Kamala Harris. Bei den Kongresswahlen am selben Tag konnten die Republikaner die Mehrheit im Senat zurückerobern (mit 53 von 100 Sitzen) und ihre knappe Mehrheit im Abgeordnetenhaus verteidigen.

Mehrheitsführer der Republikaner im SenatMitte Nov. 2024 wurde T. zum künftigen Fraktionschef in der Nachfolge McConnells gewählt, der aus Gesundheitsgründen nicht mehr antrat. T. setzte sich in der zweiten Wahlrunde gegen John Cornyn durch, nachdem der vom Trump-Lager favorisierte Senator Rick Scott aus Florida bereits in der ersten Runde durchgefallen war. Obwohl auch T. sich zuletzt um eine Annäherung an Trump bemüht hatte, wurde seine Wahl in der Presse als "Zeichen der Unabhängigkeit" der Senatsfraktion (NZZ Int., 15.11.2024) oder gar als "erste Niederlage" des designierten Präsidenten (SZ, 15.11.2024) gedeutet, der für den Fall, dass seine Kabinettsliste im Bestätigungsverfahren des Senats auf Widerstand stoßen sollte, einen Verfahrenstrick ins Spiel brachte: sog. "recess appointments" (Ernennungen in Sitzungspausen). Diese unverhohlene Drohung wurde als "Angriff auf die Gewaltenteilung in den USA" gewertet (NZZ Int., 21.11.2024). Der erzkonservative Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, schaffte seine Wiederwahl nur dank einer Intervention Trumps.

Als sich Anfang Jan. 2025 der neue Senat konstituierte, löste T. den Demokraten Chuck Schumer als Mehrheitsführer (Majority Leader) ab. Noch am Tag der Inauguration Trumps am 20. Jan. 2025 bestätigte der Senat einstimmig den bisherigen Senator Marco Rubio als Außenminister. Der parteilose Milliardär Scott Kenneth Homer Bessent, ein politischer Quereinsteiger, erhielt sein Plazet als Finanzminister mit 68:29 Stimmen, und die bisherige Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, bekam 59:34 Stimmen als Heimatschutzministerin, während das Senatsvotum für den neuen Verteidigungsminister Pete Hegseth, einen TV-Moderator ohne jegliche Regierungserfahrung, denkbar knapp ausfiel (51:50 mit der Stichstimme von Vizepräsident J. D. Vance). T.s einstiger Chef McConnell zählte hierbei zu den drei Abweichlern seiner Partei. Auf 54:46 Stimmen kam die neue Justizministerin Pam Bondi, eine Verfechterin der Wahlbetrugslüge. Zu den umstrittenen Kabinettsnominierungen zählten auch der Impfgegner Robert F. Kennedy jr. für das Gesundheitsressort und Tulsi Gabbard als Geheimdienstkoordinatorin (DNI; jew. bestätigt am 13.2.2025) , die zuvor mit prorussischer Propaganda aufgefallen war.

Familie

T. lebt mit seiner Frau Kimberley Weems-Thune, die er 1984 heiratete, in Sioux Falls, der größten Stadt in South Dakota. Das Paar hat zwei Töchter und fünf Enkelkinder. T. ist immer noch ein passionierter Läufer, zudem geht er gerne auf Fasanenjagd.

Adresse

Internet: https://www.johnthune.com

c/o United States Senate, 511 Dirksen Senate Office Building, Washington, DC 20510, U.S.A., Tel.: +1 202 224-2321, Internet: https://www.senate.gov



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