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MUNZINGER Sport
Julian Reus

Julian Reus

deutscher Leichtathlet (Sprint) und Leichtathletiktrainer (Sprint/Hürden)
Geburtstag: 29. April 1988 Hanau
Klassifikation: Lauf (Leichtathletik)
Nation: Deutschland - Bundesrepublik
Erfolge/Funktion: WM-Vierter 2013, 2015 (Staffel)
EM-Zweiter 2012, 2014 (Staffel)
zweifacher U20-Europameister 2007
mehrfacher deutscher Rekordhalter

Internationales Sportarchiv 29/2020 vom 14. Juli 2020 (st)
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 03/2025


Julian Reus stellte auf nationaler Ebene zahlreiche Rekorde auf: 2016 lief er zu deutschen Rekorden über 100 m im Freien (10,01 Sek.) und über 60 m in der Halle (6,52 Sek.). Bereits 2012 hatte er mit dem DLV-Quartett eine nationale Bestmarke über 4 x 100 m (38,02 Sek.) erzielt. Doch die Hoffnung des zweifachen Junioren-Europameisters, in die Weltspitze vordringen und bei regulären Windverhältnissen die Zehn-Sekunden-Grenze durchbrechen zu können, erfüllte sich nicht, denn bei Großereignissen im Freien verpasste Reus stets die Finals im Einzel. Seine internationalen Erfolge erkämpfte er als Mitglied von 4 x 100-m-Staffeln: 2012 und 2014 EM-Silber, 2013, 2014 und 2017 Zweiter der Team-EM, 2013 und 2015 WM-Vierter. In der Halle holte der vielfache deutsche Meister dagegen solo eine Bronzemedaille bei der Hallen-EM 2015 über 60 m.

Laufbahn

Vom Sportinternat zu ersten Erfolgen Julian Reus, der nach eigenen Angaben "den Weg zur Leichtathletik ganz klassisch über die Grundschule und Bundesjugendspiele" fand (www.julianreus.de, abgerufen am 18.06.2020), lernte die Grundlagen bei der Turnerschaft 1860 e.V. Großauheim, bevor er sich ob der besseren Trainingsbedingungen der TG Hanau anschloss. Bereits im Alter von elf Jahren verließ Reus sein Elternhaus und wechselte auf das Sportinternat in Erfurt und zum Erfurter LAC. "Mein damaliger Grundschullehrer hat mir mal von solch einer Sportschule erzählt und seitdem wuchs dieser Gedanke in meinem Kopf", erinnerte sich Reus und ergänzte: "Über 200 km von zu Hause entfernt und nur am Wochenende mit dem Zug zur Familie machten die ersten Jahre auch zu einem Durchhaltemarathon, der auch von Heimweh geprägt war. Nachdem ich die ersten Jahre noch alle Disziplinen trainieren musste, bin ich mit 15 Jahren zu meinem auch aktuellen Trainer, Gerhard Jäger, in die Sprintgruppe gekommen. Endlich hieß es für mich nur noch sprinten, sprinten, sprinten", erinnerte er sich (ebd.).

Erste Meisterschaften mit 17 Jahren Schon als Jugendlicher machte Julian Reus auf sich aufmerksam: Mit zweiten Plätzen bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften in Braunschweig 2005 über 100 m und 200 m qualifizierte er sich für die Jugend-WM (U18) in Marrakesch/Marokko, schied aber über 100 m im Halbfinale und 200 m im Vorlauf aus. 2006 wurde er deutscher Jugend-Vizemeister in der Halle über 60 m (zeitgleich hinter Christian Blum) und gewann im Freien den deutschen Jugendmeistertitel über 200 m (21,10 Sek.). Bei der Junioren-WM in Peking dagegen enttäuschte er und scheiterte über 100 m im Vorlauf, über 200 m im Halbfinale. Die 4 x 100-m-Staffel blieb im Finale nach einem Stabverlust auf der Strecke.

Doppelsieg bei der Junioren-EM 2007 Nach dem Abitur absolvierte Julian Reus 2007 neben dem Training beim Erfurter LAC unter Gerhard Jäger seine Grundausbildung bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Nienburg/Weser - und erlebte eine sensationelle Saison: Nach dem Gewinn der deutschen Jugend-Meistertitel in der Halle über 60 m und 200 m belegte er bei seinem Meisterschaftseinstand bei den Männern in Leipzig über 60 m in 6,73 Sek. den vierten Platz. Im Freien gewann er bei der Junioren-EM (U20) im niederländischen Hengelo gleich drei Medaillen: Gold über 100 m in 10,38 Sek. und in der 4 x 100-m-Staffel und Silber über 200 m in 20,87 Sek. "Seit 32 Jahren war kein deutscher Juniorensprinter so erfolgreich wie der 19-jährige Julian Reus", schrieb die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ, 29.8.2007). Bei den deutschen Jugendmeisterschaften distanzierte er die Konkurrenz über 100 m in 10,28 Sek. nahezu um eine halbe Sekunde.

WM-Premiere 2007 und Wechsel nach Wattenscheid Seine internationale Feuertaufe bei den Männern bestand Reus 2007 beim Europacup in München, als er als Schlussläuferer die DLV-Staffel mit Blum/Helmke/Kosenkow in 38,56 Sek. auf Rang drei führte. Der DLV nominierte den "Senkrechtstarter" auch für die Weltmeisterschaften im japanischen Osaka, bei der er mit Ostwald/Unger/Kosenkow in der Staffel WM-Rang sechs in 38,62 Sek. belegte.

Auf Fragen nach der möglichen Dopingverstrickung der Weltklassesprinter reagierte der Newcomer diplomatisch: "Wenn ich neben meinen Konkurrenten im Startblock sitze, frage ich mich doch nicht, ob die was genommen haben oder nicht. Ich setze auf meine eigene Entwicklung. In Deutschland kannst du als Leichtathlet gar nicht dopen. Ich bin in den vergangenen zwei Wochen rund um die Junioren-Europameisterschaft fünfmal kontrolliert worden" (WAZ, 29.8.2007).

Nach Abitur, Grundwehrdienst und erfolgreicher Juniorenzeit wechselte der als "Wunderknabe des deutschen Sprints" bezeichnete Julian Reus (WAZ, 29.8.2007), der 2007 mit dem Marita-Koch-Preis für Talente ausgezeichnet worden war, Verein und Wohnort und schloss sich dem TV Wattenscheid 01 an. "In Wattenscheid gab es immer gute Sprinter", erklärte Reus selbst und ergänzte: "Ich brauche stärkere Trainingspartner, um mich weiter entwickeln zu können" (ebd.).

Erfolglose Jahre 2008-2011 Ab 2008 folgten für Julian Reus Problemjahre, anscheinend forderte das Erfolgsjahr 2007 mit seiner Vielfachbelastung nachträglich Tribut. Schon bei den Hallenmeisterschaften 2008 kam Reus über 60 m nicht über den achten Rang hinaus und im Olympiasommer gewann er nur den Staffeltitel über 4 x 100 m – weit entfernt von den Spielen in Peking. 2009 verpasste er mit Saisonbestzeiten von 10,68 Sek. über 100 m und 21,95 Sek. über 200 m die WM-Teilnahme in Berlin. Frustriert kehrte er nach Erfurt zurück, doch auch dort fand er 2010 nicht in die Erfolgsspur zurück. Obwohl er sich steigerte, blieben die Wettkampferfolge überschaubar. Lediglich als Vizemeister in der Halle über 200 m gelang ihm der Sprung aufs Podium. Verletzungen überschatteten auch die Saison 2011. Reus blieb sportlich - wieder zurück in Wattenscheid – ein Schatten seiner selbst.

EM-Staffelsilber 2012 Im Olympiajahr 2012 platzte nach vier Sorgenjahren bei Julian Reus endlich der Knoten. Als deutscher Meister über 200 m und 4 x 100 m sowie als Dritter über 100 m war Julian Reus einer der Top-Athleten und unterstrich seinen Aufwärtstrend durch Bestzeiten über 100 m und 200 m. Bei der EM in Helsinki gewann er - nach dem Halbfinal-Aus über 100 m mit der DLV-Staffel seine erste internationale Medaille bei den Männern: In 38,44 Sek. sprinteten Reus/Unger/Kosenkow/Jakubczyk zu Silber hinter den starken Niederländern.

Das Comeback gab Julian Reus Auftrieb. Bei einem Test vor den Olympischen Spielen 2012 lief er in Weinheim 100 m in 10,09 Sek. und stieß damit vor auf Rang zwei der "ewigen" deutschen Bestenliste. Bei derselben Veranstaltung verbesserte er mit der 4 x 100-m-Staffel den 30 Jahre alten deutschen Rekord auf 38,02 Sek. Mit Finalhoffnungen reiste das DLV-Quartett nach London, doch trotz des Verzichts auf Einzelstarts konnten die DLV-Sprinter nicht an ihre Rekordzeit anknüpfen und verpassten als Elfte der Vorläufe in 38,37 Sek. das olympische Finale.

In Deutschland top, international Flop 2013 zeigte Julian Reus Leistungen, die über Jahre seine Auftritte und sein Image prägten: National war er Spitze, international hatte er solo keine Chance. Als deutscher Hallenmeister über 60 m lief er Bestzeit mit 6,56 Sek., bei der Hallen-EM in Göteborg wurde er nur Sechster. Im Sommer holte er in Ulm erstmals die Titel über 100 m und 200 m. Mit 10,14 Sek. lief er Meisterschaftsrekord über 100 m, mit 20,36 Sek. über 200 m persönliche Bestzeit. Kurz darauf in Weinheim steigerte er sich sogar auf 10,08 Sek. Doch bei der Team-EM im britischen Gateshead enttäuschte er mit Rang acht über 200 m, während er mit der Staffel Schmidt/Knipphals/Reus/Keller Zweiter hinter Großbritannien wurde. Ähnlich war das Bild bei der WM in Moskau: Über 100 m schied er im Vorlauf aus, über 4 x 100 m sprinteten Jakubczyk/Knipphals/Reus/Keller in rekordnahen 38,04 Sek. auf WM-Rang vier.

Deutscher Rekord 2014 mit 10,05 Sek. 2014 gelang Julian Reus die Verwirklichung eines Traums, als er im Juli im Vorlauf der deutschen Meisterschaften in Ulm in 10,05 Sek. über 100 m die 29 Jahre alte Bestmarke des Magdeburgers Frank Emmelmann um eine Hundertstel unterbot. Im Finale liefen Reus und Lucas Jakubczyk in 10,01 Sek eine noch bessere Zeit, doch ein Rückenwind von 2,2 m/Sek. verhinderte die offizielle Anerkennung als Rekord.

Als Fünfter der europäischen Bestenliste reiste Julian Reus zur EM nach Zürich, doch im traditionsreichen Letzigrundstadion schied er mit enttäuschenden 10,35 Sek. im Halbfinale aus. Auf den Start über 200 m verzichtete er, vor der Staffel drohte ihm wegen starker Schmerzen in der Kniekehle sogar das EM-Aus. Doch er hielt durch und gewann im Quartett Reus/Knipphals/Kosenkow/Jakubczyk in 38,09 Sek. EM-Silber hinter den Briten (37,93 Sek.). Damit bestätigten die DLV-Sprinter das Ergebnis der Team-EM in Braunschweig in der Besetzung Blum/Knipphals/Kosenkow/Reus mit 38,88 Sek. Bei der Staffel-WM (World Relays) 2014 auf den Bahamas waren Menga/Jakubczyk/Reus/Keller Siebte in 38,69 Sek. "Julian und Lucas (Jakubczyk, Anm. d. Red.) sind zwei Athleten, die für Veränderungen stehen", sagte Chef-Bundestrainer Idriss Gonschinska 2014 (www.fr.de, 27.7.2014) und verwies auf die gute Zusammenarbeit mit Reus' Heimtrainer Gerhard Jäger, aber auch auf die intensive physiotherapeutische Betreuung, das häufige Studium von YouTube-Videos der weltbesten Sprinter und die leistungsfördernde nationale Konkurrenz.

Hallen-WM-Bronze 2015 2015 bestätigten die deutschen Sprinter schon in der Hallensaison ihren Leistungsanstieg. Julian Reus sicherte sich als Dritter der Hallen-EM in Prag in 6,60 Sek. seine erste Einzelmedaille bei einer internationalen Meisterschaft. Mit ihm, dem Silbermedaillengewinner Christian Blum und dem Sechsten Lucas Jakubczyk standen drei deutsche Sprinter im Finale. Allerdings verhinderten Verletzungsprobleme zu Beginn der Saison 2015 den Einsatz von Reus bei Staffel-WM und Team-EM. Bei der DM in Nürnberg gewann er die Titel über 100 m (in 10,12 Sek.), 200 m (in 20,42 Sek.) und über 4 x 100 m. Bei der WM in Peking gelang ihm als erstem deutschen 100-m-Läufer seit 1983 der Sprung ins Halbfinale, doch gegen die Weltelite aus Nordamerika und der Karibik hatte er mit 10,28 Sek. keine Chance und belegte nur den 24. und letzten Platz. Über 200 m kam das Aus schon im Vorlauf. Im Gegensatz zu den Einzelsprints brachte die WM-Entscheidung über 4 x 100 m dem DLV-Quartett 2015 ein erfreuliches Ergebnis: Im Finale von Peking fehlten nur zwei Hundertstel zu Bronze. In 38,13 Sek. belegten Reus/Knipphals/Kosenkow/Menga nach der Disqualifikation der USA wegen Überlaufens der Wechselmarke Platz vier hinter Jamaika, China und Kanada. Damit qualifizierten sie sich bereits für Olympia 2016 in Rio.

Reus vermied es in Interviews, einen Generalverdacht in Sachen Doping gegen übermächtige Konkurrenten auszusprechen, bezog allerdings Stellung zum öffentlichen Umgang mit überführten Dopingsündern: "Ich finde es krass, wie schnell in Vergessenheit gerät, dass manche Sprinter mal gedopt haben. Athleten wie Tyson Gay bekommen gleich nach ihrer Sperre einen Startplatz in der Diamond League, dort werden sie dann gefeiert. Da frage ich mich schon: Wo bleibt die moralische Strafe?", erklärte Reus (www.spiegel.de, 4.8.2014).

Deutsche Rekorde und EM-Bronze 2016In die Olympiasaison 2016 startete Julian Reus mit starken Leistungen bei der Hallen-DM in Leipzig, als er über 60 m in 6,52 Sek. den Hallenrekord von Sven Matthes aus dem Jahr 1988, den er zuvor in Erfurt und Chemnitz bereits egalisiert hatte, um eine Hundertstel unterbot. Bei seinem Sieg über 200 m lief er mit 20,55 Sek. die bis dato drittschnellste Zeit eines Deutschen. Nach den Erfahrungen zuvor verzichtete er auf weitere Hallenstarts: "Der Körper braucht Substanz für die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele. Die sind viel wichtiger als eine Hallen-WM in Portland", so Reus (www.faz.net, 28.2.2016). Im Training hatte Reus besonderen Wert auf die Beschleunigungsphase, die 20, 30 Meter nach dem Aufrichten, gelegt. "Das habe ich überragend umgesetzt", meinte er nach dem Hallenrekord und ergänzte: "Die Geduld, auf den letzten zwanzig, dreißig Metern, auch wenn man am Anfang nicht gleich weg ist, trotzdem zu ziehen, der Mut, das eigene Rennen durchzuziehen: Das ist der Schlüssel, wie ich die 100 Meter rennen muss" (ebd.).

Die Freiluftsaison 2016 bestätigte zunächst den Aufschwung von Julian Reus. Nach dem Doppelsieg bei der DM in Kassel über 100 m und 4 x 100 m verbesserte er im Juni seinen 100-m-Rekord in Zeulenroda auf 10,03 Sek., im Juli lief er - angetrieben von 1,8 m/Sek. Rückenwind - in 10,01 Sek. über die Ziellinie. Bei den Europameisterschaften in Amsterdam aber schied er über 100 m (10,23 Sek.) und 200 m (20,83 Sek.) im Halbfinale aus, mit der DLV-Staffel (Reus/Knipphals/Schmidt/Jakubczyk) holte er Bronze in 38,47 Sek. Auch beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, kam das frühe Aus über 100 m und 200 m im Vorlauf. Auch die Staffel konnte die Bilanz nicht aufbessern. In 38,26 Sek. verpassten Reus/Knipphals/Hering/Jakubczyk als insgesamt Neunte knapp das Finale.

Erste 100-m-Zeit unter 10 Sekunden 2017 verzichtete Julian Reus auf Hallenstarts, begann aber vielversprechend im Freien. Bei den World Relays in Nassau/Bahamas erreichte er Platz drei mit der DLV-Staffel über 4 x 100 m. Im Juni durchbrach er erstmals die Schallmauer von zehn Sekunden, allerdings angetrieben von einem Rückenwind von 4,8 m/Sek., der die Anerkennung als Rekord verhinderte. Bei der Team-EM in Lille/ Frankreich trug er mit zweiten Plätzen über 100 m (10,27 Sek.) und 4 x 100 m (38,30 Sek.) zum Gesamtsieg des DLV-Aufgebots bei. In vertrauter Umgebung in Erfurt war er überragender Sprinter der DM mit Siegen über 100 m und 200 m. Dafür ging er bei den Weltmeisterschaften in London über 100 m schon im Vorlauf unter im Medienhype um den Abschied von Usain Bolt und verpasste auch mit der DLV-Staffel das Finale. Im Oktober gab Reus bekannt, zum Jahreswechsel wieder zum LAC Erfurt zurückzukehren.

Blutiger Sturz bei der EM 2018 in Berlin 2018 startete Julian Reus als Hallenmeister über 60 m in das Jahr. Im Freien endete dagegen sein Abonnement auf den 100-m-Titel, denn überraschend überlag er in 10,32 Sek. dem jungen Kevin Kranz. Bei den Europameisterschaften in Berlin scheiterte Reus über 100 m in 10,37 Sek. im Halbfinale. Der Vorlauf über 4 x 100 m endete für das in Führung liegende DLV-Quartett mit einem spektakulären Crash. Beim letzten Staffelwechsel stürzten Julian Reus und Lukas Jakubczyk übereinander und verletzten sich beide. Reus zog sich bei dem Sturz eine Schultereckgelenk-Sprengung zu.

2019 gelang Julian Reus im Juli mit 10,13 Sek. in Leverkusen sein einziger 100-m-Sprint unter 10,20 Sek. Bei den Meisterschaften in Berlin belegte er Rang drei. Dennoch blieb er Stammmitglied der deutschen 4 x 100-m-Staffel mit vier Auftritten: Bei den World Relays in Yokohama/Japan lief das DLV-Quartett auf Rang fünf in 38,91 Sek., bei der Gala in Regensburg gab es einen Sieg in 38,39 Sek., beim Match Europe vs. USA in Minsk sprang in 38,76 Sek. Rang vier heraus und bei der WM in Doha kam für Reus/Hartmann/Schmidt/Schulte das Aus schon im Vorlauf trotz Saisonbestzeit von 38,24 Sek.

Rücktrittsgedanken angesichts der Corona-Pandemie 2020 lief Julian Reus seine beste Zeit über 60 m mit 6,60 Sek. in Chemnitz. Bei den Hallenmeisterschaften in Leipzig wurde er im Finale nach einem Fehlstart disqualifiziert. Die Hoffnung auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio wurde im März durch die Corona-Pandemie, die in den ersten Monaten des Jahres das öffentliche Leben zwischenzeitlich nahezu zum Erliegen brachte, und die dadurch ausgelöste Verschiebung der Spiele in den Sommer 2021 jäh gestoppt. Angesichts der Trainings-Zwangspause und der ungewissen Zukunft seines Sports dachte der 31-Jährige vorübergehend sogar an ein Karriereende (vgl. www.leichtathletik.de, 1.4.2020), entschied sich dann aber doch dafür, bis zu den Olympischen Sppielen 2021 weiterzumachen.

Informationen und Meldungen zum weiteren Fortgang der Karriere siehe Journal

Persönliches

Julian Reus stammt aus dem hessischen Hanau, verließ aber bereits als elfjähriger Schüler das Elternhaus und besuchte bis zum Abitur 2007, das er mit Note 1,3 bestand, das Sportgymnasium in Erfurt. "Je schneller ich auf der Laufbahn rannte, desto besser wurden meine Noten", erzählte er (www.waz.de, 29.8.2007). Anschließend nutzte er als Leistungssportler die Vorteile und Förderung als Sportsoldat. Dem Vollprofi-Dasein erteilte er früh eine Absage: "Nur Sport, das ist nichts für mich. Ich muss auch meinen Kopf beschäftigen. Sonst würde ich an die Decke gehen" (ebd.). Demzufolge studierte er 2007-2015 an der Fernuniversität Ansbach Internationales Management mit Abschluss Bachelor.

Trotz wiederholter Wechsel zwischen dem TV Wattenscheid und dem LAC Erfurt Top Team blieb Julian Reus Trainer Gerhard Jäger treu. Der 1,76 m große und 75 kg schwere Sprinter erhielt 2007 den Marita-Koch-Preis zur Förderung des Leichtathletik-Nachwuchses in den "neuen Ländern", 2014 wurde er in der Dortmunder Westfalenhalle - vor Volleyball-Star Georg Grozer und Golfprofi Martin Kaymer - als "Sportler des Jahres" in Nordrhein-Westfalen mit dem "Felix-Award" geehrt.

Adresse

c/o Deutscher Leichtathletik-Verband, Alsfelder Str. 27, 64289 Darmstadt, Tel.: 06151 7708-0, E-Mail: medien@leichtathletik.de, Internet: www.leichtathletik.de

c/o Management 4attention GmbH & Co. KG, Torben Steffen, Eupener Str. 159, 50933 Köln, Tel.: 0221 56967613, E-Mail: torben.steffen@4attention.de

Internet: www.julianreus.de

Karriere in Zahlen

Stand: 06.07.2020

Erfolge:

Olympische Spiele:

2012:

Vorlauf 4 x 100 m

2016:

Vorlauf 100 m, 200 m, 4 x 100 m

Weltmeisterschaften:

2007:

Sechster 4 x 100 m

2013:

Vierter 4 x 100 m

2015:

Halbfinalist 100 m, Vierter 4 x 100 m

2019:

Vorlauf 4 x 100 m

Europameisterschaften:

2012:

Zweiter 4 x 100 m, Halbfinalist 100 m

2014:

Zweiter 4 x 100 m, Halbfinalist 100 m

2016:

Dritter 4 x 100 m

2018:

18. 100 m, Sturz 4 x 100 m

Team-Europameisterschaft/Europacup:

2007:

Dritter 4 x 100 m

2013:

Zweiter 4 x 100 m, Achter 200 m

2014:

Zweiter 4 x 100 m

2017:

Zweiter 100 m, 4 x 100 m

Staffel-WM / World Relays:

2014:

Siebter 4 x 100 m, Vorlauf 4 x 200 m

2017:

Dritter 4 x 100 m

Hallen-Europameisterschaften:

2013:

Sechster 60 m

2015:

Dritter 60 m

Jugend-WM (U18):

2005:

Halbfinalist 100 m / Vorlauf 200 m

Junioren-WM (U20):

2006:

Vorlauf 100 m / Halbfinalist 200 m / Finalist 4 x 100 m (aufgegeben)

Junioren-EM (U20):

2007:

Sieger 100 m und 4 x 100 m / Zweiter 200 m

Deutsche Meisterschaften:

2005:

Zweiter 100 m, 200 m B-Jugend

2006:

Sieger 200 m, Zweiter 100 m Jugend / Zweiter 60 m Halle Jugend

2007:

Vierter 60 m Halle / Sieger 100 m Jugend / Sieger 60 m und 200 m Jugend Halle

2008:

Sieger 4 x 100 m / Sieger 4 x 200 m Halle

2009:

Zweiter 4 x 100 m / Dritter 60 m Halle / Sieger 4 x 200 m Halle

2010:

Zweiter 200 m Halle

2011:

-

2012:

Sieger 200 m, 4 x 100 m / Dritter 100 m / Sieger 4 x 200 m Halle

2013:

Sieger 100 m, 200 m / Sieger 60 m Halle

2014:

Sieger 100 m, 4 x 100 m / Sieger 4 x 200 m Halle

2015:

Sieger 100 m, 200 m, 4 x 100 m / Dritter 60 m Halle

2016:

Sieger 100 m, 4 x 100 m / Sieger 60 m und 200 m Halle

2017:

Sieger 100 m, 200 m

2018:

Zweiter 100 m / Sieger 60 m Halle

2019:

Dritter 100 m

2008 - 2020:*

Freiluft: 14x Sieger, 2x Zweiter, 2x Dritter

Halle: 8x Sieger, 1x Zweiter, 2x Dritter

* Männer (inkl. Staffeln)

Rekorde:

2012:

Deutscher Rekord 4 x 100 m 38,02 Sek.

2014:

Deutscher Rekord 100 m 10,05 Sek.

2016:

Deutscher Hallenrekord 60 m 6,52 Sek.

Deutsche Rekorde 100 m 10,03 und 10,01 Sek.

Leistungsentwicklung:

Jahr: 100 m: 200 m:
2005: 10,69 Sek. 21,94 Sek.

2006:

10,44 Sek.

21,10 Sek.

2007:

10,28 Sek.

20,87 Sek.

2008:

10,57 Sek.

-

2009:

10,68 Sek.

21,95 Sek. / 21,07 Sek.*

2010:

10,48 Sek.

21,08 Sek. / 20,92 Sek.*

2011:

10,42 Sek.

-

2012:

10,09 Sek.

20,58 Sek.

2013:

10,08 Sek.

20,36 Sek.

2014:

10,05 Sek.

20,44 Sek.

2015:

10,09 Sek. / 10,07 Sek.**

20,42 Sek.

2016:

10,01 Sek.

20,39 Sek. / 20,23 Sek.**

2017:

10,10 Sek. / 9,99 Sek.**

20,29 Sek.

2018:

10,15 Sek.

-

2019:

10,13 Sek.

20,86 Sek.

* Halle, ** Wind

Persönliche Bestleistungen:

60 m (Halle)

6,52 Sek. (2016)*

100 m:

10,01 Sek. (2016) / 9,99 Sek.** (2017)

200 m:

20,29 Sek. (2017) / 20,23 Sek.** (2016)

4 x 100 m:

38,02 Sek. (2012)

60 m Hürden:

8,33 Sek. (2004)*

4 x 200 m:

1:23,51 Min. (2014)*

* Halle, ** Wind

Journal

Ergänzungen aus MA-Journal. Die nachfolgenden Meldungen werden bei der nächsten redaktionellen Bearbeitung in den Text integriert.

23. Juli 2021 - 8. August 2021: Olympische Sommerspiele in Tokio (Japan), Leichtathletik: Über 4 x 100 m gewinnt die italienische Staffel mit u. a. Marcell Jacobs mit einer Zeit von 37,50 Sek. vor der britischen Staffel mit u. a. Zharnel Hughes (37,51 Sek.) und der kanadischen Staffel mit u. a. Andre de Grasse (37,70 Sek.). Die deutschen Läufer Julian Reus, Deniz Almas u. a. landen auf dem sechsten Platz.

August 2021: Julian Reus gibt sein Karriereende bekannt. Zu seinen größten Erfolgen zählen zwei Vizeeuropameisterschaften mit der deutschen Staffel über 4 x 100 m sowie mehrere deutsche Meisterschaften.

Januar 2024: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) kündigt eine neue Trainerstruktur an, durch die im Trainerbereich ein Generationswechsel eingeleitet werden soll. Demnach werden die Disziplingruppen neu strukturiert. Leitende Trainer dieser Gruppen sind u. a. Julian Reus (Sprint/Hürden), Ronald Weigel (Gehen), Charles Friedek (Weitsprung/Dreisprung). Beatrice Mau-Repnak wird Bundestrainerin Zehnkampf. Nils Schumann ist künftig am Bundesstützpunkt Erfurt als Nachwuchstrainer Lauf tätig.

Juni 2024: Owen Ansah verbessert bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig den deutschen Rekord über 100 m von Julian Reus (10,01 Sek.) auf 9,99 Sek.



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