Fritz Schösser
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Internationales Biographisches Archiv
Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW
Friedrich (Fritz) Schösser, wurde 1947 in Töging am Inn geboren. Sein Vater war Betriebsrat in einem Energieversorgungsunternehmen.
Sch. besuchte die Schulen und machte nach der mittleren Reife 1961-1967 bei der Innwerke AG in Töging eine Ausbildung zum Industriekaufmann. 1962 trat er in die Gewerkschaft ÖTV ein.
Die Berufstätigkeit begann Sch. in seinem Ausbildungsbetrieb und engagierte sich nebenher in der Gewerkschaft. Er stieg vom Vorsitz der ÖTV-Jugendvertretung bei den Innwerken (1963-1966) über den DGB-Kreisjugendausschuss in Mühldorf/Altötting (1965-1967) und den ÖTV-Kreisvorstand Rosenheim (1965-1967) zum Mitglied der Großen Tarifkommission für den Bereich der Privaten Energie und des Betriebsrats bei den Töginger Innwerken auf und wurde nach Fortbildungslehrgängen in der Heimvolkshochschule Hustedt 1969 Vorsitzender des DGB-Landesjugendausschusses und Mitglied im DGB-Landesvorstand Bayern. Zudem war er nach einem Jahr Assistenz an der ÖTV-Bundesjugendschule in St. Andreasberg/Harz 1968/1969 Jugendbildungsreferent bei der ÖTV-Bezirksverwaltung in Düsseldorf.
1970 übernahm Sch. als Bezirkssekretär beim ÖTV-Landesbezirk Bayern die Verantwortung für die Bereiche Jugend, Schule, Bildung und Berufliche Bildung und anschließend 1979 die Geschäftsführung des DGB-Bildungswerks Bayern. 1982 wurde Sch. schließlich hauptamtliches Vorstandsmitglied des DGB-Landesbezirks Bayern und einer der zwei Stellvertreter des bayerischen DGB-Chefs. Acht Jahre später löste er im Febr. 1990 den nicht mehr kandidierenden, langjährigen Landesvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bayern, Jakob Deffner, ab. Von ihm, der als sein Mentor galt, hatte das SPD-Mitglied Sch. zwei Jahre zuvor bereits den AfA-(Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen)-Landesvorsitz übernommen und danach als unangefochtener Kronprinz von Deffner gegolten. Bei seiner Wiederwahl im Afa-Vorsitz der bayerischen SPD bekam Sch. im Jan. 1992 91 % der Stimmen und mit der SPD-Bundestagsabgeordneten
Bei der bayerischen Landtagswahl von 1994 kam der im Münchner Wahlkreis 108 (Hasenbergl-Moosach-Feldmoching) nominierte Sch. erstmals ins Parlament, wo er vor allem auf dem Gebiet der Arbeitsmarktpolitik Profil zeigte und wegen seines guten Einvernehmens mit dem bayerischen Ministerpräsidenten
Auch in Bonn/Berlin stand der bodenständige Sch. rasch im Ruf, ein durchsetzungsstarker Interessenvertreter und dennoch unkonventioneller Denker zu sein, der in Bayern mit Stoiber ein "Bündnis für Arbeit" zustande gebracht hatte. Sch. arbeitete im Finanzausschuss und Ausschuss für Gesundheit mit, war stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie sowie des Ausschusses für Arbeit und Sozialordnung und gehörte der Enquêtekommission "Demographischer Wandel" an. In der Legislaturperiode nach der Bundestagswahl vom 27. Sept. 2002 fiel er vor allem durch seinen wortgewaltigen Widerstand gegen die von Bundeskanzler
Nach weiteren Protesten am Kurs der rot-grünen Bundesregierung, der nach Sch.s Ansicht weder in der Arbeitsmarktpolitik noch im Bereich soziale Gerechtigkeit Konturen zeigte, kündigte Sch. im Juni 2004 an, nicht mehr für den Bundestag 2006 kandidieren, wohl aber in der Partei bleiben zu wollen. Folgerichtig schloss er auch aus, dem neuen Linksbündnis Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative enttäuschter Genossen beizutreten, das bei der Landtagswahl von Nordrhein-Westfalen (22.5.2005) seine erste Bewährungsprobe hatte. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer zeigte Verständnis für Sch.s Verzicht auf ein Mandat in Berlin und sagte laut Süddeutscher Zeitung (23.6.2004), "Schösser habe sein Selbstverständnis, Gewerkschafter innerhalb der SPD zu sein, nicht Sozialdemokrat in den Gewerkschaften, immer konsequent durchgehalten und meinte, dass die ihm deshalb zugemuteten "inneren Zerreißproben" "alles andere als beglückend" gewesen wären."
2006 als DGB-Landesvorsitzender in Bayern wiedergewählt präsentierte sich Sch. auch weiterhin als gleichermaßen streitbarer wie unabhängiger Vertreter des Arbeitnehmerlagers. Seine anhaltende Kritik an den aus Gewerkschaftssicht neoliberalen Verirrungen der SPD, zu denen auch die Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 67 und die unter der Großen Koalition aus Union und SPD unter Kanzlerin
Dagegen pflegte Sch. immer wieder gute Arbeitsbeziehungen zur Führung der CSU. Im Jan. 2010 setzte Ministerpräsident
Sch. starb am 28. Mai 2019 im Alter von 71 Jahren. Er war verheiratet und hatet zwei Kinder. Privat entspannte er sich beim Krimi-Lesen und Kochen.
Mitgliedschaften und Mandate: Mitglied im Kuratorium der Ludwig-Maximilians-Universität München (ab 1998) , im BR-Rundfunkrat (ab 1990), im Beirat der Landeszentralbank (ab 1993), im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für Biochemie (ab 1995), im Koordinierungsrat des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums (ab 1998), im Aufsichtsrat der Zahnradfabrik Passau (ab 1993), im Vorstand Technologie- und Innovationsberatung Bayern/TIBAY (ab 1999), im Präsidium AUPU (ab Dez. 2000), sowie alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats des AOK-Bundesverbands und des Verwaltungsrats der AOK Bayern (ab 2002) und Mitglied im Verwaltungsrat des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung. 1984-2006 fungierte er zudem als alternierender Vorsitzender der Landesversicherungsanstalt (LVA) Oberbayern.