Bohuslav Chňoupek
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Internationales Biographisches Archiv
Bohuslav Chňoupek wurde 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei der Slowakei (KPS). 1946-1950 studierte er an der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften in Bratislava und arbeitete bereits während des Studiums als Redakteur für die Hochschulzeitschrift "Borba". Ch. schloss mit dem Examen als Diplom-Ingenieur ab.
Nach seinem Studium war Ch. als Journalist tätig und 1950-1952 Mitglied des Präsidiums des Verbandes Slowakischer Journalisten. Von 1950-1958 arbeitete er als Sekretär, später als Korrespondent der Zeitschrift "Smena" (Die Schicht) in Presov und danach als Korrespondent der "Pravda" in Presov. 1960 wechselte er als Korrespondent der slowakischen "Pravda" nach Moskau. Nach fünfjähriger Tätigkeit in der Hauptstadt der UdSSR, kehrte er in die Slowakei zurück und war 1965-1967 Chefredakteur der "Predvoj" (Die Vorhut) in Bratislava.
Von März 1967 bis April 1968 stellv. Minister für Kultur und Information in der damaligen Prager Regierung, gehörte er von Nov. 1967 bis April 1968 ferner dem Ausschuss für Kultur und Information an. Auch im Prager Reform-Frühling unter Alexander Dubcek amtierte er von April bis Dez. 1968 als stellv. Minister für Kultur und war von Mai bis Dez. 1968 Vorsitzender der Regierungskommission für das Ausstellungswesen.
Seit Juni 1969 leitete Ch., der sich den veränderten Verhältnissen nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im Aug. 1968 offenbar anzupassen wusste, als Zentraldirektor den Tschechoslowakischen Rundfunk und war seit Mai 1969 Mitglied der ideologischen Kommission der ZK der KPTsch. Unter seiner Leitung führten die Massenmedien eine heftige Kampagne gegen die Anhänger der Reformbewegung.
Im Sept. 1970 übernahm Ch. von Vladimir Koucky den wichtigen Botschafterposten in Moskau. Von 1966-1969 Kandidat des ZK, war er seit 1969 Vollmitglied. Ch. zählte zum national-slowakischen Flügel von KP-Chef (1969-1987) und Staatspräsident (1975-1989) Gustav Husák.
Nach den Wahlen vom 28. Nov. 1971 löste Ch. bei Neubildung der Regierung von Lubomir Štrougal den bisherigen Außenminister Jan Marko auf seinem Posten ab. Mit Ch. übernahm ein Mann das Außenministerium, der auf Grund seiner Tätigkeit in Moskau das Vertrauen der Sowjets genoss.
Ch. hat in den folgenden Jahren als Außenminister die ČSSR sehr aktiv vertreten und ist vielfach im Ausland gewesen. 1972 unterzeichnete er den neuen Zehnjahresvertrag mit der Sowjetunion über die Vertiefung der Zusammenarbeit auch auf kulturellem, technischem und wissenschaftlichem Gebiet. Unter Ch.s Amtsführung sind auch die Kontakte zum westlichen Ausland verstärkt und ausgebaut worden. Zäh gestalteten sich die Verhandlungen mit der Bundesrepublik über die Normalisierung der Beziehungen. Die Verhandlungen liefen sich vor allem an der Frage der Behandlung des Münchner Abkommens von 1938 fest, da Prag darauf beharrte, dass das Abkommen als von Anfang an ungültig zu betrachten sei. Schließlich fand man eine Formel, die rechtliche Folgen für frühere deutsche Bürger der ČSSR aus den Sudetengebieten ausschloss. Im Juni 1973 besuchte Ch. Bonn und bei dieser Gelegenheit wurde das Vertragswerk paraphiert. Die Unterzeichnung verzögerte sich dann noch bis in den Dez. 1973. Seither immer wieder zu Besuch in der Bundesrepublik, wurden u. a. auch Umweltschutzfragen erörtert und ein Kulturabkommen zwischen beiden Ländern abgeschlossen.
Als Leninist und Verfechter des Bundes mit der Sowjetunion befürwortete Ch. die Stationierung sowjetischer Raketen als Gegenmaßnahme zur amerikanischen Stationierung, setzte aber - nach zwischenzeitlicher Einschränkung - die Normalisierung der Beziehungen zu Ländern des Westens fort. Ch. pflegte besonders die jährlich stattfindenden politischen Dialoge mit der Bundesregierung, und vor allem zu Außenminister Genscher hatte er einen ungewöhnlich guten Draht. Neben der generellen Verbesserung der deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen spielten auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Die anlässlich des Prag-Besuches von Bundeskanzler Helmut Kohl Ende Jan. 1988 ins Auge gefassten Vereinbarungen im Bereich der Wirtschaft, des Umweltschutzes und der Kultur waren bis Ende Aug. 1988, als Ch. zum letzten Mal als Außenminister die Bundesrepublik besuchte, zum Teil bereits in die Tat umgesetzt.
Der politisch differenziert urteilende Ch., der erstaunlicherweise in der KPTsch niemals richtig Karriere machen konnte - die Mitgliedschaft im Politbüro blieb ihm versagt - zählte in der von Parteikonservativen dominierten Prager Führung zu jenen, die im Zuge des von Moskau ausgehenden politischen Wandels, zögernd für Reformen auch in der ČSSR eintraten.
Auf dem ZK-Plenum im Okt. 1988 teilte Parteichef Miloš Jakeš im Zuge umfangreicher Umbesetzungen, die er mit der Notwendigkeit begründete, neue führende Kader einzusetzen, um die drängenden Aufgaben eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbaus zu meistern, das Ausscheiden von Ch. und Ministerpräsident Štrougal mit. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes 1989 wurde Ch. aus der KP ausgeschlossen. Wegen Amtsmissbrauchs saß er 1990/1991 einige Monate in Untersuchungshaft.
Ch. starb im Alter von 79 Jahren am 28. Mai 2004 nach kurzer schwerer Krankheit in Prag.
Veröffentlichung u. a.: "Der General mit dem Löwen" (74); in dem er interessante Details über den slowakischen Aufstand 1944 und das Verhältnis zu den Sowjets mitteilte.
Auszeichnungen u. a.: Orden "Für Verdienste beim Aufbau des Sozialismus", Staatspreis "Klement Gottwald"(66), "Banner der Arbeit" (70, 75), sowj. "Orden der Arbeit" (85).