Rötger Gross
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Internationales Biographisches Archiv
Rötger Emanuel Julius Gross, ev.-luth., wurde am 22. April 1933 in Hildburghausen in Thüringen als Sohn eines Pfarrers geboren. Er besuchte Volksschulen in Ostpreußen, Hessen und Hamburg, die Oberschule in Lokstedt (Hamburg) von 1943-45 und die "Gelehrtenschule" des "Johanneums" in Hamburg von 1945 bis 1952. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und neuere deutsche Geschichte an den Universitäten Hamburg und Heidelberg sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Er legte 1956 in Heidelberg das erste juristische Staatsexamen ab, 1960 in Hamburg das zweite. Während des Studiums arbeitete er nebenbei in der Auto- und Lederindustrie. Von 1954-55 war er 1. AStA-Vorsitzender in Heidelberg, von 1952 bis 1958 Mitglied des Liberalen Studentenbundes Deutschlands.
Von 1958 bis 1968 war G. Mitglied der Deutschen Jungdemokraten, von 1961 bis 1963 stellv. Landesvorsitzender in Hamburg. Seit 1954 ist er Mitglied der F.D.P.
1961 trat G. als Assessor in die hamburgische Verwaltung ein. In der Hochschulverwaltung hat er damals an einem neuen Hochschulgesetz mitgearbeitet. Schließlich war er in der Bauverwaltung beschäftigt. Im Mai 1964 wurde er zum Stadtdirektor in Hameln gewählt. Er war Dezernent für das Schul- und Kulturwesen der Stadt. In diesem Amt blieb er bis zu seiner Wahl zum Bundestagsabgeordneten 1972. G. war u.a. von 1965 bis 1972 Aufsichtsratsvorsitzender der Oberweser-Dampfschiffahrts GmbH, von 1971 bis 1974 Vorsitzender des Fremdenverkehrsverbandes Weserbergland-Mittelweser sowie stellv. Vorsitzender des Fremdenverkehrsverbandes Niedersachsen.
Auf dem niedersächsischen FDP-Landesparteitag wurde G. im Mai 1968 mit 115 von 202 Delegiertenstimmen als Nachfolger von Carlo Graaff zum Landesvorsitzenden des Landesverbandes der F.D.P. gewählt. G. galt als "bienenfleißige, fortschrittliche Führungspersönlichkeit mit Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit". Der seit 1956 amtierende FDP-Chef Graaff, ein Waggonfabrikant aus Elze, hatte sich im Amt verschlissen. 1970 wurde G. auch Mitglied des Bundesvorstandes seiner Partei.
In G.s Amtszeit als Landesvorsitzender fiel die erste große Katastrophe der niedersächsischen F.D.P.: bei den Landtagswahlen vom 14. Juni 1970 kam sie nicht mehr in das Landesparlament. Es geschah dies allerdings in einer Zeit, in der die Partei bundesweit Rückschläge hinnehmen mußte. Von November 1972 bis Juli 1974 gehörte G. dem Deutschen Bundestag an. Bei den niedersächsischen Landtagswahlen vom 9. Juni 1974, bei denen G. Spitzenkandidat seiner Partei war, gelang es der F.D.P. dann wieder, mit einem Stimmenanteil von 7,1 % in den Niedersächsischen Landtag zu gelangen. SPD und F.D.P. bildeten unter Alfred Kubel ein Koalitionskabinett, in dem G. das Innenministerium übernahm.
Nach der überraschenden Wahl des CDU-Kandidaten Ernst Albrecht (s.bes. Blatt) zum niedersächsischen Ministerpräsidenten im Januar/Februar 1976, zu der G. durch sein hartnäckiges Festhalten an seinen Kreisreformplänen möglicherweise beigetragen hatte, bekannte sich G. zunächst zu einer "konstruktiven Opposition" und lehnte alle Koalitionsangebote der CDU ab. Auf dem FDP-Landesparteitag im April 1976 wurde er im zweiten Wahlgang mit 177 von 295 Delegierten-Stimmen erneut als Landesvorsitzender bestätigt.
Albrechts geduldiges Werben und nicht zuletzt die von ihm offerierte Bundesratsklausel, die bei Bundesratsabstimmungen Konzessionen zugunsten der Bonner Regierungskoalition in Aussicht stellte, ließen G. in der Folge dann jedoch zum Fürsprecher einer vorsichtigen, von pragmatischen Überlegungen diktierten Öffnung zur CDU hin werden. Mitte Dezember 1976 votierte auf dem FDP-Sonderparteitag eine äußerst knappe Mehrheit (164 gegen 162 Stimmen) für eine "Koalition auf Zeit" mit der CDU. Am 19. Jan. 1977 wurde G. als Innenminister der neuen niedersächischen CDU-FDP-Landesregierung vereidigt.
Auf dem FDP-Landesparteitag im April 1978 wurde G. erneut als Landesvorsitzender bestätigt, die große Zahl der Gegenstimmen (rd. ein Drittel) machte jedoch wachsenden Widerstand gegen seinen Koalitionskurs deutlich. Bei den Landtagswahlen im Juni 1978 mußte die F.D.P. wenig später einen erneuten Einbruch hinnehmen: mit 4,2 % der Stimmen scheiterte sie an der 5%-Klausel und schied aus dem Landtag aus, während die CDU die absolute Mehrheit errang. Das unerwartet gute Abschneiden der "Grünen Listen Umweltschutz" (3,9 %) war mitentscheidend für den Ausgang der Wahl. G. zog aus der Niederlage die Konsequenzen und trat als Landesvorsitzender der F.D.P. zurück. Sein Nachfolger wurde im Juli 1978 Heinrich Jürgens. Auf dem FDP-Bundesparteitag im November 1978 schied G. auch aus dem Bundesvorstand der Partei aus.
G. veröffentlichte einen Beitrag zur Hochschulreform in "Zur Gestalt der neuen deutschen Universität", herausgegeben vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft 1963.
G.war seit 1963 mit Eleonore, geb. Ekowski, verheiratet und hatte einen Sohn (Felix).