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Elizabeth Bagaya

ugandische Politikerin und Diplomatin; Außenministerin (1974); Botschafterin in Deutschland
Geburtstag: Februar 1943 Kreis Toro (n.a.A. 1940 KreisToro)
Nation: Uganda

Internationales Biographisches Archiv 18/2006 vom 6. Mai 2006 (la)


Blick in die Presse

Herkunft

Elizabeth Bagaya wurde nach eigenen Angaben im Februar 1943 (n. anderen Quellen 1940) als Prinzessin Elizabeth von Toro und Tochter des Ex-Königs Rukiidi III. (1924-1965) im Kreis Toro in Uganda geboren.

Ausbildung

B. wurde 1959 auf eine Schule nach England geschickt. Sie studierte anschließend Jura an der Cambridge University (Bachelor-Abschluss 1962).

Wirken

1965 erhielt B. in England die Zulassung zur Anwältin und kehrte nach Uganda zurück, wo sie eine Rechtsanwaltspraxis eröffnete. 1967 floh sie aus Uganda nach England, nachdem Milton Obote die Macht ergriffen und mit einer antiroyalistischen Verfassung die vier traditionellen Königreiche aufgelöst hatte. In England und in den USA hatte sie danach vor allem als Fotomodell, Top-Mannequin und Film-Darstellerin Erfolg.

Nach dem Sturz von Präsident Milton Obote und der Machtergreifung Idi Amins im Jan. 1971 kehrte B. nach Uganda zurück. Amin ernannte sie noch im selben Jahr zu seiner Sonderbotschafterin. Sie wurde auch Mitglied der ugandischen Delegation bei der International Labor Organization (ILO) in Genf.

1972 und 1973 war B. Vorsitzende der Frauenkonferenz Ugandas. Ende Jan. 1974 wurde sie dann zur Botschafterin Ugandas in Ägypten ernannt. Bevor sie jedoch diesen Posten überhaupt angetreten hatte, berief Amin sie im Febr. 1974 zur Außenministerin Ugandas. Ihr Vorgänger Oberst Ondonga war nach seiner Amtsenthebung unter mysteriösen Umständen verschwunden und später tot im Nil aufgefunden worden.

B. war als Außenministerin die erste Frau in Afrika in einer derart hohen politischen Position. International gefeierter Höhepunkt ihrer Amtszeit war Ende Sept. 1974 die Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Hierin sprach B. über die Notwendigkeit, afrikanische Befreiungsbewegungen zu unterstützen und rassistische Regimes - wie das südafrikanische - zu bekämpfen. Auf ihrer Rückkehr machte B. im Okt. 1974 Station in Bonn, wo sie mit ihrem damaligen Amtskollegen, Außenminister Genscher, zusammen traf. B.s glamouröser Auftritt in New York bescherte ihrem Land eine maximale Medienpräsenz, jedoch kam es kurz darauf auch zum Zerwürfnis mit Diktator Idi Amin. Dieser entließ die Außenministerin Ende Nov. 1974 wegen ihres "Verhaltens im Ausland" und ließ verbreiten, sie habe sich auf dem Flughafen in Paris mit einem Europäer eingelassen. Offenbar hatte B. aber Heiratsavancen Amins zurückgewiesen und den Diktator "abblitzen" lassen. Nach Gefängnis und Hausarrest entkam sie im Febr. 1975 nach Kenia, bevor ihr die Flucht nach Europa gelang. Über Wien und Genf kam sie nach England. Im Aug. 1975 bestätigte die britische Regierung B.s Aufenthalt in London.

Die streitbare Prinzessin und ausgebildete Juristin blieb danach eine schillernde Figur der Regenbogenpresse. U. a. wegen der Verbreitung falscher Behauptungen Amins lancierte B. 1976 erfolgreiche und einträgliche Verleumdungsklagen gegen etliche englische und deutsche Zeitungen. So mussten in Deutschland etwa "Stern", "Spiegel" oder "Bild" zahlen. Amin selbst, der eine Schreckensherrschaft errichtet hatte, die schätzungsweise 300.000 Menschen das Leben kostete, wurde im April 1979 gestürzt. An die Macht in Uganda gelangte 1980 wieder Milton Obote, bis schließlich nach dessen Vertreibung (1985) und einem zwischenzeitlichen Militärregime unter General Tito Okello die Rebellenbewegung Nationalen Widerstandarmee (NRA) von Yoweri Museveni im Jan. 1986 die Macht übernahm.

B. kehrte daraufhin nach Uganda zurück und Museveni berief sie zur Botschafterin in Washington. Hier ermöglichte sie im Okt. 1987 dessen Treffen mit Präsident Ronald Reagan und Vizepräsident George Bush. Im Juli 1988 gab B. ihr Amt auf und lebte danach über viele Jahre verhältnismäßig zurückgezogen wieder in ihrer Heimat. Per Verfassungsänderung gestattete Präsident Museveni im Juli 1993 die Wiedereinführung einiger Königreiche. B. war danach bis zum Tod ihres Bruders, König Patrick Kaboyo, 1995 wieder oberste Toro-Prinzessin (Batebe).

Im Jahr 2006 feierte B. ein diplomatisches "Comeback" als Botschafterin Ugandas in Deutschland. In Diplomatenkreisen wurde die Entsendung nach Berlin als kluger Schachzug von Präsident Museveni (jew. Wahl bzw. Wiederwahl 1996, 2001 und 2006) gewertet. Mit ihren guten Verbindungen sollte B. potenzielle Investoren und Touristen in ihre Heimat locken (vgl. SZ Magazin, 10.3.2006).

Familie

Prinzessin B. war von 1981 bis 1986 mit dem Piloten Wilbur Nyabongo, einem entfernten Vetter, verheiratet. Dieser kam im Dez. 1986 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Werke

Autobiographie: "African Princess - The Story of Princess Elizabeth of Toro" (83), "Elizabeth of Toro: The Odyssey of an African Princess" (89).

Adresse

c/o Botschaft der Republik Uganda, Axel-Springer-Str. 54 a, 10117 Berlin, Tel.: 030 2404-7556, Fax: 030 2404-7557, E-Mail: ugembassy@yahoo.de



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