Thomas John Bata
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Internationales Biographisches Archiv
Thomas John Bata jun. (eigentl. Tomáš Bat'a) kam 1914 in Prag als Sohn von Tomáš Bat'a, dem Gründer der Bat'a-Werke, und dessen Frau Marie zur Welt.
B. hatte Privatunterricht (u. a. in England und der Schweiz) und studierte an der Handelsakademie in Uherské Hradiště in Südmähren. 1929 begann er, als Auszubildender im väterlichen Betrieb zu arbeiten.
B.s Vater, Tomáš Bat'a, hatte 1894 in Zlín (Mähren) mit dem Aufbau einer Schuhfabrik begonnen und damit den Grundstein für einen mächtigen Industriekonzern gelegt. Militäraufträge im Ersten Weltkrieg sorgten für Wachstum. Als eine der ersten Firmen in der Tschechoslowakei begann Bat'a mit der Fließbandfertigung. Außerdem sorgte der Firmengründer für eine Internationalisierung und gründete Ableger in Europa und den USA. Auch die Unternehmensphilosophie von Bat'a erregte damals internationales Aufsehen: U. a. gab es in den Bata-Werken bereits Mitbestimmung am Arbeitsplatz, indirekte Gewinnbeteiligung, gute Berufsausbildung und Sozialfürsorge. Als der Firmengründer am 12. Juli 1932 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, übernahm dessen jüngerer Stiefbruder,
1939, nachdem deutsche Truppen Teile der Tschechoslowakei besetzt und in das vom nationalsozialistischen Deutschland kontrollierte Protektorat Böhmen und Mähren umgewandelt hatten, wanderten B. und seine Mutter nach Kanada aus. B. begann dort mit einer eigenen Geschäftstätigkeit. In Frankford in der Nähe von Toronto entstand ein Bata-Werk, dessen - zusammen mit ihm ausgewanderten - Arbeiter in der eigens für sie erbauten Stadt Batawa lebten. Im Zweiten Weltkrieg diente B. als Flieger in der kanadischen Armee, 1942 wurde er kanadischer Staatsbürger. Das Bat'a-Werk in Zlín produzierte während des Krieges für den deutschen Bedarf. Aus diesem Grund wurde B.s Onkel 1947 der Kollaboration mit den Deutschen beschuldigt und enteignet, die Bat'a-Stammwerke in der Tschechoslowakei wurden verstaatlicht. Jan Bat'a emigrierte nach Brasilien, wo es ihm gelang, ein neues florierendes Unternehmen aufzubauen.
Nach längeren Rechtsstreitigkeiten um die Eigentumsverhältnisse des Konzerns gewann B. 1962 den Prozess, den er (zusammen mit seiner Mutter) gegen seinen Onkel geführt hatte und wurde danach Leiter der Bata Shoe Organization (BSO) mit Sitz in Toronto. Nach dem Tod von Jan Bat'a 1965 übernahm die kanadische Bata-Gesellschaft auch die brasilianischen Aktivitäten. In den 70er Jahren ließ B. neue kundenspezifische Marken einführen (u. a. Bubble Gummers [Kinder], Marie Claire [Damen]). Außerdem entwickelte er - mit Blick auf die wachsende Bedeutung des Einzelhandels - verschiedene neue Verkaufskonzepte. Der dezentral geleitete Bata-Konzern verkaufte Anfang der 90er Jahre jährlich rd. 350 Mio. Paar Schuhe und erwirtschaftete damit einen (geschätzten) Umsatz von rd. 2 Mrd. US$.
Nach den politischen Umbrüchen in Osteuropa, dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende der kommunistischen Systeme in Ost- und Ostmitteleuropa bemühte sich B. um eine Rückkehr des Konzerns in die Heimat. Dadurch wollte er - eigenen Aussagen zufolge - auch der neuen Regierung beim Aufbau eines konkurrenzfähigen Marktes und der Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes helfen. Allerdings forderte B. auch Wiedergutmachung für die Verstaatlichung des Unternehmens. Dies wurde ihm per Gerichtsentscheid verweigert, zum einen, da bei Restitutionen Verstaatlichungen vor dem Jahr 1948 grundsätzlich unberücksichtigt blieben, zum anderen, da die Besitzverhältnisse des Konzerns zum Zeitpunkt der Enteignung unklar gewesen seien. Im Herbst 1991 erhielt B. immerhin die Rechte für den Markennamen Bat'a zurück. Im gleichen Jahr kehrte der Konzern mit einigen Verkaufs- und Produktionsstätten in die Tschechoslowakei zurück, im Sommer 1992 erfolgte die Gründung der Bata-ČSFR AG mit 30%iger Beteiligung des Staates.
In Toronto entstand zu dieser Zeit eine neue Unternehmensgruppe, die Bata Global Services, die das Know-how des Konzerns als Dienstleistung anbot und Kooperationsverträge mit ungarischen, bulgarischen, russischen und jugoslawischen Partnern abschloss. Insgesamt fand Ende der 90er Jahre im Konzern eine Umorientierung von dem Schwerpunkt der Schuhherstellung auf die Bereiche Design, Marketing und Verbreitung statt.
2001 übernahm B.s Sohn Thomas George Bata als Chairman und Chief Executive (CEO) die Leitung des Unternehmens. B. blieb jedoch auch nach diesem Zeitpunkt in der Firma aktiv. Der Konzern, einer der größten Schuhhersteller und -verkäufer weltweit, operierte 2004 in 68 Ländern und beschäftigte fast 50.000 Angestellte, die ca. 150 Mio. Paar Schuhe jährlich herstellten. Besonders in Entwicklungsländern schuf sich das Unternehmen einen guten Ruf als Arbeitgeber, denn die bezahlten Löhne lagen oft weit über dem festgesetzten Mindestlohn.
2007 rehabilitierte die Prager Staatsanwaltschaft posthum B.s Onkel Jan Bat'a und sprach ihn damit von der angeblichen Kollaboration mit den NS-Besatzern frei. Für B. war dies ein Grund, erneut eine Entschädigung für die Firmenenteignungen zu fordern. Eine Beschwerde B.s gegen die Tschechische Republik beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte jedoch keinen Erfolg und wurde im Juni 2008 abgewiesen.
Nach seinem Tod im Sept. 2008 gedachte der tschechische Staatspräsident
B. war mit Sonja Ingrid Wettstein verheiratet und hatte einen Sohn, Thomas George, und drei Töchter, Christine, Monica und Rosemarie. Seine Frau setzte sich stark dafür ein, dass in seiner Wahl-Heimatstadt Toronto ein Bata Shoe Museum - das größte Schuhmuseum der Welt - errichtet wurde. B. starb am 1. Sept. 2008 im Alter von 93 Jahren in einem Krankenhaus in Toronto.
Veröffentlichung: "Bata, Shoemaker to the World" (90; zus. mit Sonja Sinclair; Autobiographie).
Auszeichnungen u. a.: Business Award der Internationalen Handelskammer (ICC; 90), T.-G.-Masary-Orden II. Klasse (91), Orden von Kanada, Queen's Silver Jubilee Medal (97) sowie mehrere Ehrendoktortitel.
Ämter u. a.: Präsident der American Management Association (58-61), Präsident des Committee on Development of the Business und des Industry Advisory Committee, OECD (68-70), fr. Berater in der UN-Kommission für Transnational Corporations; fr. Vors. der Commission on Multinational Enterprises der Int. Handelskammer sowie zahlreiche Aufsichtsratsmandate.