Der 1,79 m große und 81 kg schwere Athlet Dieter Gebhard gehört zu den wenigen Sportlern in der Welt, die sich Chancen auf zwei Olympiateilnahmen (Lake Placid und Moskau) im nächsten Jahr ausrechnen können. Als Bremser (und Anschieber) im Bobsport wie als Sprinter, Staffelläufer und Hürdenspezialist stellt der blonde Mann vom Bodensee zumindest deutsche Spitzenklasse dar. Für den Sport und die vielseitige Trainingsbelastung hat er das Bauingenieur-Studium geopfert. Im Frühjahr eröffnete er zusammen mit einem Kompagnon in der Nähe von Pforzheim ein Sportgeschäft. Nach Abschluß seiner sportlichen Karriere will Gebhard in seine Heimatstadt Lindau am Bodensee zurückkehren, um das Nähmaschinengeschäft seines Vaters zu übernehmen.
Laufbahn
Den größten Erfolg in seiner sportlichen Laufbahn erreichte Dieter Gebhard unter glücklichen und ungewöhnlichen Umständen. Nachdem er sich Anfang 1979 mit seinem Bobpiloten Peter Hell nicht für die Europa- und Weltmeisterschaften hatte qualifizieren können, startete er bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in der Berliner Deutschlandhalle. Überraschend siegte er sowohl über 50 m Hürden (in 6,60 sek) als auch über 50 m flach in 5,87 sek. Damit hatte er sich für die Hallen-Europameisterschaften in Wien empfohlen, wo er seinen 60 m-Hürdenrekord von 7,82 sek verbessern wollte. Alles kam ganz anders - kurzfristig sprang Gebhard für den verletzten Manfred Schumann im Bob Stefan Gaisreiters ein, verzichtete auf Wien, und wurde mit Gaisreiters Crew Bobweltmeister.
Im Sommer konnte er zwar nicht an die Hallenerfolge anknüpfen, gehörte aber dennoch zu den zuverlässigsten deutschen Leichtathleten. Über 100 m ererreichte er mit 10,34 sek bundeddeutsche Jahresbestzeit, ebenso war er über 110 m Hürden mit 13,80 sek. Jahresschnellster. Damit verfehlte er nur knapp seine persönliche Bestleistung von 13,69 sek aus dem August 1978.
Der ehrgeizige Läufer von Salamander Kornwestheim hofft, 1980 als erster deutscher Sportler an Olympischen Winter- und Sommerspielen eines Jahres teilnehmen zu können. Das Training läßt sich nach den Erfahrungen Gebhards und seines Trainers Rudi Felger gut miteinander verbinden - das Bergablaufen, Anschieben auf eisigem Untergrund, kommt auch dem Sprinter zugute.
Karriere in Zahlen
Erfolge:
1979: |
Deutscher Hallenmeister 50 m, 50 m Hürden, Bob-Weltmeister - DM viermal 100 m, 2. 110 m Hürden, 3. 100 m |
1978: |
Deutscher Hallenmeister 60 m Hürden (7,84 sek), Zweiter der Deutschen Meisterschaften über 110 m Hürden und viermal 100 m, Europameisterschaftsachter über 110 m Hürden |
1977: |
Deutscher Meister über 110 m Hürden (13,98), Zweiter mit der Sprintstaffel aus Kornwestheim, Sechster beim Weltpokal (14,09 sek) |
1976: |
Zweiter der Hallenmeisterschaften über 60 m Hürden, keine Olympiateilnahme! |
1975: |
Deutscher Meister über 110 m Hürden (14,14), 3. über viermal 100 m, Zweiter über 60 m Hürden (Halle) |
1974: |
Zweiter (DM) über 110 m Hürden und 60 m Hürden (Halle) |
1973: |
Zweiter der Deutschen Juniorenmeisterschaften über 110 m Hürden in 14,47 sek |
1972: |
Zweiter der Deutschen Juniorenmeisterschaften über 110 m Hürden, 2. 60 m Hürden (Halle) |
1970: |
(für LG Bodensee): 5. der Deutschen Meisterschaften: 110 m + 50 m Hürden (Halle). |