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MUNZINGER Personen

Corrado Kardinal Bafile

italienischer kath. Theologe; Diplomat; Dr. jur.
Geburtstag: 4. Juli 1903 L'Aquila/Abruzzen
Todestag: 3. Februar 2005 Rom
Nation: Italien

Internationales Biographisches Archiv 23/2005 vom 11. Juni 2005 (lm)


Blick in die Presse

Herkunft

Corrado Bafile war Sohn eines Arztes aus L'Aquila in den Abruzzen, etwa 100 km von Rom entfernt. Er stammte aus einer Familie von Rechtsanwälten, Ärzten und Offizieren.

Ausbildung

B. studierte nach dem Abitur am Gymnasium seiner Heimatstadt Naturwissenschaften an den Universitäten von Rom und München (1922/1923) und spricht seither fließend Deutsch. Unter den Persönlichkeiten, die B. in München kennen lernte, machten auf ihn der Kardinal Faulhaber und vor allem der damalige Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII., Eindruck. In Rom studierte B. auch Rechtswissenschaften und schloss 1926 seine juristischen Studien mit der Promotion an der Staatlichen Universität Rom ab. Aber während er sich weiter auf den Beruf eines Rechtsanwalts vorbereitete, entschloss er sich für eine geistliche Laufbahn. Im Herbst 1932 begann er theologische Studien an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1936 beendete er die Ausbildung an der heutigen Päpstlichen Lateranuniversität. Am Karsamstag 1936 empfing B. die Priesterweihe.

Wirken

Er wurde dann nach Besuch der Kirchlichen Akademie, der Ausbildungsstätte der päpstlichen Diplomaten, in das Staatssekretariat des Vatikan berufen, wo er von 1939 bis 1958 in der ersten Sektion Dienst tat. Papst Johannes XXIII. berief ihn nach der Papstwahl 1958 zum Ersten der vier Diensttuenden Geheimkämmerer "Partecipante".

Am 14. Febr. 1960 ernannte Papst Johannes XXIII. B. zum Apostolischen Nuntius für Deutschland und erhob ihn gleichzeitig zum Titularerzbischof von Cotrada. In Bonn war er traditionell auch Doyen des diplomatischen Korps. Seit Nov. 1966 mischte sich B. mehrfach in die Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland ein, indem er in mehreren Briefen an die Bundesregierung mit zunehmender Schärfe und Berufung auf das Konkordat für die Beibehaltung der Konfessionsschulen in der Bundesrepublik Deutschland plädierte, aber damit keinen Erfolg hatte. Die Konfessionsschulen wichen der so genannten christlichen Gemeinschaftsschule als Regelschule.

Es erregte einiges Aufsehen, als im Okt. 1973 bekannt wurde, dass B. in einem Bericht vom 26. Aug. an Kardinalstaatssekretär Villot in Rom vorgeschlagen hatte, Bischof Kempf in Limburg die Leitung seiner Diözese zu entziehen und einen Administrator einzusetzen. Als Begründung wurde eine "anomale Situation" im Bistum als Folge eines unzulässigen und gefährlichen Zurückweichens vor Reformwünschen (Weihe verheirateter Männer zu Priestern u. a.) angegeben. Bischof Kempf wehrte sich, fand volle Unterstützung im Bistum und unter seinen deutschen Amtsbrüdern, während B. sich einer Welle von Empörung in der öffentlichen Meinung gegenüber sah. B. rückte schließlich von seinem Ratschlag ab, worauf Bischof Kempf im Jan. 1974 den persönlichen Streit für beendet erklärte. Mitte Juli 1975 wurde B. auf seinem Posten als Nuntius in Bonn durch Erzbischof Guido de Mestré abgelöst. Vor allem progressive Kreise des deutschen Katholizismus hatten seit langem B.s Abberufung gefordert.

Papst Paul VI. ernannte B. danach zum Pro-Präfekten der Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse. Auf dem Konsistorium vom 24. Mai 1976 erhob Papst Paul VI. B. zum Kardinal. B. leitete dann die Arbeit dieser Kongregation als Präfekt fünf Jahre hindurch und trat altershalber Mitte 1980 von seinem Amt zurück. Mit Erreichen des 80. Lebensjahres (1983) verlor B. auch sein Stimmrecht im Konklave (Papstwahl). Er erreichte am 4. Juli 2003 seinen 100. Geburtstag, wozu ihm Papst Johannes Paul II. herzlich gratulierte.

Familie

B. starb am 3. Februar 2005 in hohem Alter von 101 Jahren in Rom. Die Exequien für den Verstorbenen zelebrierte Kardinal Joseph Ratzinger.

Auszeichnungen

Auszeichnungen: Im Laufe seines langen Lebens erhielt B. eine Fülle von Auszeichnungen, darunter 1963 das deutsche Großkreuz zum Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

Corrado Kardinal Bafile



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