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Claudia Cardinale

Claudia Cardinale

italienische Schauspielerin
Geburtstag: 15. April 1938 Tunis (Tunesien)
Nation: Italien

Internationales Biographisches Archiv 10/2023 vom 7. März 2023 (fe)


Blick in die Presse

Herkunft

Claudia (eigtl. Claude Joséphine Rose) Cardinale wurde am 15. April 1938 in Tunis geboren. Ihr Vater Francesco war ein Eisenbahningenieur aus Sizilien, die Mutter Yolanda Tochter sizilianischer Einwanderer, die sich in La Goulette nahe Tunis niedergelassen hatten, wo C. mit zwei Brüdern und einer Schwester aufwuchs. Als Kind war sie ein Wildfang, prügelte sich mit Jungs und sprang auf fahrende Züge.

Ausbildung

Nach dem Besuch des Lycée Carnot und des Collège Paul Cambon in Tunis wollte C. eigentlich Lehrerin werden. Im Juni 1957 wurde sie dann jedoch bei einer Misswahl zur "schönsten Italienerin von Tunis" gewählt und gewann einen Flug zu den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, wo sie die Aufmerksamkeit mehrerer Regisseure auf sich zog. Danach ging sie nach Rom und begann eine Schauspielausbildung an der Filmhochschule Centro Sperimentale di Cinematografia. Kurz darauf wurde sie von dem Filmproduzenten Franco Cristaldi entdeckt, mit dem sie später auch privat zusammenkam.

Wirken

Rascher Aufstieg zum StarC.s erste Filme fielen in eine Zeit, in der die italienischen Filmdiven Sophia Loren und Gina Lollobrigida begannen, international Karriere zu machen. In den 1960er Jahren sollten die drei Aktricen zu Ikonen des italienischen Films werden. Die schauspielerisch talentierte C. wurde bald mit Rollenangeboten überhäuft, und bereits 1958 feierte sie einen großen Erfolg in Mario Manicellis Filmkomödie "I soliti ignoti" (dt. "Diebe haben's schwer"). Unter der Regie von Luchino Visconti und mit Alain Delon an ihrer Seite drehte sie danach das Sportdrama "Rocco e i suoi fratelli" (1960; dt. "Rocco und seine Brüder") und das Historiendrama "Il gattopardo" (1963; dt. "Der Leopard"), wodurch C. und Delon zu einem Traumpaar des europäischen Films wurden. Ebenfalls 1963 war sie in Federico Fellinis Drama "Otto e mezzo" (63; dt. "Achteinhalb") an der Seite von Marcello Mastroianni zu sehen.

Ihr Erfolg bescherte C. auch rasch einen Vertrag in Hollywood, wo sie mit Peter Sellers die Krimiparodie "Der rosarote Panther" (1963; Regie: Blake Edwards) drehte. Anschließend folgte Film auf Film. Zu den bekanntesten gehörte Sergio Leones Western "Spiel mir das Lied vom Tod" (1969), der als Klassiker in die Filmgeschichte eingehen sollte. Längst galt C. als großer Star des italienischen Kinos und bildete mit Loren und Lollobrigida die italienische Antwort auf die französischen Filmstars Brigitte Bardot und Jeanne Moreau.

Kinokarriere ab 1970Obwohl C. kontinuierlich als Filmschauspielerin beschäftigt war, konnte sie in den 1970er Jahren kaum mehr an ihre großen Erfolge anknüpfen. Für Aufsehen sorgte sie noch einmal, als sie an der Seite von Brigitte Bardot in der Italowestern-Komödie "Petroleum-Miezen" (1971; Regie: Christian-Jaque) zu sehen war und später zusammen mit Klaus Kinski für Werner Herzogs Abenteuerfilm "Fitzcarraldo" (1982) vor der Kamera stand. Ein Comeback auf der Leinwand hatte C. 1994 in Charlotte Dubreuils französischer Komödie "Frauen denken nur an eines", doch insgesamt machte sich die Diva im Kino rar. Zu den nennenswerten Filmen, in denen sie danach in größeren Rollen zu sehen war, gehörten 2002 "And Now … Ladies & Gentlemen", eine Mischung aus Komödie und Melodram von Regisseur Claude Lelouch, sowie 2009 "Le Fil - Die Spur unserer Sehnsucht", in dem Regisseur Mehdi Ben Attia die Diskriminierung Homosexueller in Tunesien thematisierte.

In späteren Jahren war C. u. a. in Fernando Truebas französisch-spanischem Kriegsdrama "Das Mädchen und der Künstler" (2013) als Frau eines französischen Bildhauers zu sehen, die eine junge, vor den Truppen des spanischen Diktator Francisco Franco geflohene Katalanin bei sich aufnimmt, zudem in Ernst Gossners österreichischem Kriegsfilm "Der stille Berg" (2014), in Nico Cirasolas Drama "Rudy Valentino" (2017) und in Ridha Behis Drama "The Island of Forgiveness" (2022).

Fernsehen und TheaterIhre größte Fernsehrolle spielte C. 1987 in Luigi Comencinis TV-Trilogie "La storia" nach dem gleichnamigen Roman von Elsa Morante. In den 1990er Jahren war sie überwiegend in Fernsehproduktionen zu sehen, etwa 1997 in Enzo G. Castellaris Dreiteiler "Prinzessin Amira" und 1998 in Giovanni Soldatis vierteiligem Melodram "Mia, Liebe meines Lebens" an der Seite von Tobias Moretti. Danach wurden ihre TV-Auftritte seltener. 2020 kam sie in dem Sechsteiler "Bulle" des Westschweizer Fernsehens RTS noch einmal als Großmutter einer Schweizer Bauernfamilie auf den Bildschirm.

Ihre Bühnenpremiere hatte C. im Jahr 2000 gefeiert, als sie im Pariser Théâtre du Rond-Point in dem Eifersuchtsdrama "La Venexiana" eine leidenschaftliche Witwe spielte. 2005 stellte sie in Paris in Tennessee Williams' Stück "Süßer Vogel Jugend" am Théâtre de la Madeleine den alternden Filmstar Alexandra del Lago dar. 2006/2007 ging sie in Italien mit Tennessee Williams’ Stück "Die Glasmenagerie" auf Tournee. Auch mit 80 Jahren stand sie in Neapel in der Komödie "Ein seltsames Paar" noch auf der Bühne.

Familie

C. lebt seit Langem in Paris. Von 1966 bis 1975 war sie mit Produzent Franco Cristaldi liiert, aber entgegen anderslautender Berichte nicht mit ihm verheiratet (vgl. u. a. FAS, 1.7.2018). Einen neuen Lebensgefährten fand C. 1975 in dem Regisseur Pasquale Squittieri (gest. 2017). 1979 kam die gemeinsame Tochter Claudia zur Welt. C. hat zudem Sohn Patrick, der 1957 geboren wurde und nach ihrer Aussage aus einer Vergewaltigung stammt. Lange Zeit gab sie ihn auf Verlangen von Produzenten als ihren Bruder aus. C. spricht Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch. Sie ist UNESCO-Botschafterin für Frauenrechte, zudem hat sie sich schon für die Rechte von Homosexuellen, Kinder in Kambodscha und bei Amnesty International gegen die Todesstrafe engagiert.

Werke

Kino u. a.: "I soliti ignoti" (58; dt. "Diebe haben's schwer"), "Il magistrato" (59; dt. "Der Richter"), "Un maledetto imbroglio" (59; dt. "Unter glatter Haut"), "Austerlitz" (60), "Rocco e i suoi fratelli" (60; dt. "Rocco und seine Brüder"), "I delfini" (60; dt. "Gefährliche Nächte"), "La ragazza con la valigia" (61; dt. "Das Mädchen mit dem leichten Gepäck"), "Les lions sont lachés" (61; dt. "Vor Salonlöwen wird gewarnt"), "Il gattopardo" (62; dt. "Der Leopard"), "Otto e mezzo" (63; "Achteinhalb"), "Cartouche" (62; dt. "Cartouche, der Bandit"), "The Pink Panther" (63; dt. "Der rosarote Panther"), "La ragazza di Bube" (64; dt. "Zwei Tage und zwei Nächte"), "Circus World" (64; dt. "Helden der Arena"), "Blindfold" (66; dt. "New York Express"), "Le fate" (66; dt. "Die Gespielinnen"), "Il giorno della civetta" (68; dt. "Der Tag der Eule"), "C'era una volta il west" (69; dt. "Spiel mir das Lied vom Tod"), "Krasnaja palatka" (69; "Das rote Zelt"), "Les pétroleuses" (71; dt. "Petroleum-Miezen"), "Popsy Pop" (71; dt. "Die Hölle am Ende der Welt"), "La scoumoune" (72; dt. "Der Mann aus Marseille"), "I guappi" (74; dt. "Die Rache der Camorra"), "Goodbye e Amen" (77; dt. "Goodbye und Amen"), "La part du feu" (78; dt. "Das gefährliche Spiel von Ehrgeiz und Liebe"), "The Salamander" (81; dt. "Kennwort: Salamander"), "La pelle" (81; dt. "Die Haut"), "Fitzcarraldo" (82), "Le ruffian" (83; dt. "Der Rammbock"), "Un homme amoureux" (87; dt. "Leidenschaftliche Begenung"), "La Révolution française" (89; dt. "Die Französische Revolution"), "Mayrig" (92), "Son of the Pink Panther" (93; dt. "Der Sohn des rosaroten Panthers"), "Elles ne pensent qu’à ça… (94; dt. "Frauen denken nur an eines"), "Riches, belles, etc." (98), "Mein liebster Feind" (99; Doku), "Luchino Visconti" (99; Doku), "And Now ... Ladies and Gentlemen" (02), "Le fil" (09; dt. "Le Fil – Die Spur unserer Sehnsucht"), "Un balcon sur la mer" (10; dt. "Das Mädchen von gegenüber"), "Father" (11), "Gebo et l’ombre" (12), "El artista y la modelo" (12; dt. "Das Mädchen und der Künstler"), "Joy de V." (13), "Der stille Berg" (14), "Ultima fermata" (14), "All Roads Lead to Rome" (15), "Twice Upon a Time in the West" (15), "Una gita a Roma" (17), "Rudy Valentino" (17), "Niente di serio" (18), "Bronx" (20), "The Island of Forgiveness" (22).

TV u. a.: "La storia" (87), "Il deserto di fuoco" (97; dt. "Prinzessin Amira"), "Mia, Liebe meines Lebens" (98), "Élisabeth – Ils sont tous nos enfants" (00), "Il giorno della Shoah" (10), "Bulle" (20).

Buchveröffentlichungen: "Ich Claudia, du Claudia, der Roman eines Lebens" (95; Memoiren), "Mein Paradies: Erinnerungen" (09; Autobiographie), "Claudia Cardinale: Ein etwas ungewöhnliches Gespräch" (10; Gesprächsnotizen von Alberto Moravia).

Tonträger: "Love Affairs" (77; Single), "Sun, I love you" (79). 1999 wurde die CD "Auf deinem weißen Grab" veröffentlicht, auf der C. 1939 bis 1978 verfasste Gedichte von Karol Wojtyla (ab 1978 Papst Johannes Paul II) in italienischer Übersetzung rezitiert.

Auszeichnungen

Auszeichnungen u. a.: David di Donatello (61; 68; 72; 88; 97), Nastro d’Argento (Silbernes Band) der italienischen Filmjournalisten (65; 82; 85; 00), Pasinetti-Preis, Internationale Filmfestspiele Venedig (84), Globo d’doro, Italien (85; 91; 14), Preis des Montreal World Film Festival (90), Goldener Löwe der Filmfestspiele Venedig (93), Goldener Ehrenbär der Berlinale für ihr Lebenswerk (02), Darstellerpreis des Filmfests Ludwigsburg (03), Orden der Ehrenlegion, Frankreich (08), Steiger Award in der Kategorie Charity (08), Ehrenpreis für ihr Lebenswerk, Locarno Film Festival (11), Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für soziales und ökologisches Engagement (13), Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik (18), Großoffizier der Ehrenlegion, Frankreich (19).

Adresse

c/o A2 Agence Artistique, 18, Rue de Romainville, 75019 Paris, Frankreich, Tel.: +01 42934646, E-Mail: agencea2@gmail.com, Internet: www.agencea2.com



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