Alexander S. Neill
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Internationales Biographisches Archiv
Alexander Sutherland Neill wurde am 17. Okt. 1883 in Forfar in Schottland geboren. Er besuchte die Dorfschule seines Vaters (Kingsmuir) und später die Universität von Edinburgh. Er arbeitete als Lehrling in einem Büro und war dann Lehrer und Journalist. 1921 hat er die Neue Schule in Hellerau bei Dresden mitbegründet und dort bis 1923 gearbeitet. Nachdem N. 1923 an der Schule Sonntagsberg und 1924 in Lyme Regis tätig gewesen war, gründete er die Summerhill School in Leiston/Suffolk in England, die er seither ununterbrochen leitete. In seinem Internat hat N. seit Jahrzehnten antiautoritäre Erziehung durchgeführt. Die Teilnahme am Unterricht ist für die Kinder freiwillig, Hausarbeiten, Zensuren und Prüfungen gibt es nicht, die Schulordnung wird jede Woche von der Schulversammlung diskutiert und korrigiert, der die Kinder angehören. Tun und lassen darf das Kind in Summerhill aber nur "Dinge, die es selbst angehen. Es kann den ganzen Tag spielen, weil Arbeit und Lernen Dinge sind, die nur es selbst angehen. Doch darf es nicht im Klassenzimmer Trompete spielen, denn das würde andere stören". N.s Pädagogik der Lebensbejahung sucht vor allem auch die Entwicklung der kindlichen Sexualität von moralisierender Unterdrückung freizuhalten. Prinzip der N. 'schen Erziehung ist die Selbstbestimmung, nach dem Kinder nicht anderen, sondern sich selbst zu gehorchen haben. Nur dann ist sein Ziel erreicht, wenn die zur Freiheit erzogenen Kinder ihre Freiheit gegenüber Autoritäten und Anfechtungen auch als Erwachsene zu wahren wissen, wie N. es kürzlich vor allen seinen Schülern hinsichtlich des Rauschgiftes behauptete: "Wenn auch nur ein ehemaliger Schüler von Summerhill sein Glück in den Drogen suchen würde, dann wüßte ich, daß unsere Freiheit versagt hätte." Lebensläufe von Summerhill-Absolventen scheinen sein Selbstbewußtsein zu rechtfertigen. Besuchern der Schule ist die Gelassenheit, der Mut und die Toleranz der Summerhill-Kinder aufgefallen. Da es nicht viel zu gehorchen gibt, gibt es auch nicht viel aufzubegehren. Die Lehrer sind Freunde, nicht Vorgesetzte der Kinder.
Summerhill lehrt, daß ein freies, nicht auf Autoritätsangst und Zwang gegründetes Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern möglich ist, daß man Kindern viel Freiheit geben kann, wenn diese nicht mit Zügellosigkeit verwechselt wird. N. glaubte, daß die Lebensinteressen der Erwachsenen von den Kindern dann am ehesten respektiert werden, wenn sie erfahren, daß auch ihre eigenen respektiert werden. N. hatte unerschütterliches Vertrauen in die Güte der menschlichen Natur, solange sie durch gesellschaftliche Eingriffe unverbogen bleibt. Seine Geringschätzung des schulischen Lernens äußerte sich in den Äußerungen "lieber einen glücklichen Straßenfeger hervorbringen als einen neurotischen Gelehrten". Im übrigen war er der Meinung, Summerhill sei "eine Schule, in der Kinder mit angeborenen Fähigkeiten und dem Wunsch, Gelehrter zu werden, Gelehrte werden, während jene, die nur zum Straßenkehrer geeignet sind, Straßenkehrer werden". Kritiker seiner Erziehung wenden ein, daß diese Pädagogik des bloßen Wachsen- und Reifenlassens durch die moderne Begabungs- und Sozialisationsforschung unhaltbar geworden sei. In einem seiner Bücher, der inzwischen in Deutschland weitverbreiteten Schrift "Theorie und Praxis der antiautoriären Erziehung. Das Beispiel Summerhill" (Rowohlt), wird auch der Bericht zweier Schulinspektoren an das Unterrichtsministerium über Summerhill wiedergegeben. Darin heißt es "Es ist eine Leistung, eine Atmosphäre geschaffen zu haben, in der geistige Bildung gedeihen könnte; nur gedeiht sie leider nicht, und so wird eine gute Möglichkeit vertan".
N.s Veröffentlichungen: "A Dominie's Log" (15), "The Problem Child" (26), "The Problem Parent" (31), "Is Scotland Educated?" (36), "That Dreadful School" (37), "The Last Man Alive" (38), "The Problem Teacher" (39), "Hearts and Heads in the School" (45), "The Problem Family" (48), "The Free Child" (54), "Summerhill" (62), "Freedom, not Licence" (66), "Talking of Summerhill" (67). 1971 erschien das Buch "Summerhill: Pro und Contra". 1971 veröffentlichte N. "Neill, Neill, Birnenstiel", seine Memoiren (engl. "Neill! Neill! Orange Pael!"), in denen er packend von seiner von vielen Ängsten belasteten Kindheit berichtet, was ihn veranlaßte, nach anderen Erziehungsformen zu suchen. Willi Vogt nennt das Buch ein echtes document humain.
In erster Ehe verwitwet, war N. seit 1945 mit Ena, geb. Wood, verheiratet und hat aus dieser Ehe eine Tochter.
Am 23. September 1973 starb N. im Alter von fast 90 Jahren im südenglischen Aldeburgh.